Letzter Schultag nach 45 Jahren für Elisabeth Bachler

Elisabeth Bachler war Lehrerin, Schulleiterin, Inspektorin und Schulqualitätsmanagerin. Heute geht sie in Pension. Mit der TT sprach Bachler über Respekt, Hochbegabung und Erfolge bei den Bildungsstandards.

© Oblasser

Lienz — Das Schulwesen in Osttirol hat wohl niemand so gut im Blick wie Elisabeth Bachler. Lehrerin seit 1974, begann sie 1981 an der Polytechnischen Schule in Lienz. Seit 2011 ist die gebürtige Brixentalerin unter verschiedenen Berufsbezeichnungen für alle Pflichtschulen im Bezirk Lienz und seit Anfang 2019 auch für die höheren Schulen zuständig. Rund 750 Lehrkräfte sowie 5500 Schülerinnen und Schüler fallen in diesen Aufgabenbereich. In den letzten acht Jahren hat Elisabeth Bachler an die 80.000 Kilometer dienstlich zurückgelegt, hat 634 Schulbesuche absolviert und 200 Krisengespräche geführt.

Wenn Sie heute auf Ihre lange berufliche Laufbahn zurückblicken, was hat sich geändert an Osttirols Schulen?

Elisabeth Bachler: Auffällig ist sicher die Veränderung bei den Schülerzahlen: 1979/80 gab es noch rund 8100 Kinder in den Pflichtschulen, jetzt sind es etwa 3500. Was ich als sehr positiv sehe, ist die Öffnung. Heute sind die Klassentüren geöffnet, die Lehrkräfte kommunizieren mehr untereinander, es gibt modernere Unterrichtsformen und Konzepte wie das stufenübergreifende Lernen. Kinder arbeiten öfter selbstständig.

Gibt es auch Belastungen?

Bachler: Ja, zum Beispiel die Tatsache, dass die Bildung zu stark von der Politik beeinflusst wird. Im Jahrestakt gibt es Neuerungen, von denen manche kaum umsetzbar sind. Mein Appell an die Politik ist: Lasst die Schulen in Ruhe arbeiten.

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Hat sich bei den Schulkindern etwas geändert?

Bachler: Die Konzentrationsspanne ist geringer. Und der Respekt vor Vorgesetzten hat abgenommen. Obwohl das ein allgemeines Phänomen in der Gesellschaft ist. Andererseits sind die Kinder aus meiner Sicht heute selbstbewusster, was sicher gut ist.

Und bei den Eltern?

Bachler: Für sie gilt dasselbe, was ich zum Thema Respekt und Selbstbewusstsein bei den Kindern gesagt habe. Gerade deshalb ist die Arbeit mit den Eltern wichtig und lohnenswert.

Sind die Kinder heute intelligenter als früher?

Bachler: Sie können ihre Stärken gut definieren, sich besser in Szene setzen und ihre Leistungen präsentieren. Aber intelligenter? Nein, das denke ich nicht.

Seit einigen Jahren gibt es die Schulsozialarbeit in Lienz¬ und Umgebung. Eine große Hilfe?

Bachler: Ja, auf jeden Fall. Es gibt auch bei uns immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Problemen und auffälligem Verhalten, da ist Osttirol kein „Heiliges Land".

Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Begriff der Inklusion für Sie?

Bachler: Eine umfassende Definition ist schwierig. Auf jeden Fall umfasst der Begriff, dass auf Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen intensiv eingegangen wird. Das können Kinder mit Behinderungen sein oder mit Migrationshintergrund und vor allem auch Kinder mit Hochbegabung.

Wie passen Verhaltensauffälligkeit und Hochbegabung denn zusammen?

Bachler: Kinder mit Hochbegabung sind mitunter rasch unterfordert. Manche haben zwar ein spezielles Talent, tun sich aber im sozialen Umgang schwer. All das kann zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Auf diese Kinder einzugehen, ist für mich ein wichtiger Teil der Inklusion.

Woran erinnern Sie sich mit Freude zurück?

Bachler: Dass 2012 die Umstellung von der Hauptschule zur Neuen Mittelschule im gesamten Bezirk zugleich erfolgt ist. An die Gründung des Bildungszentrums Kals, das österreichweit einzigartig ist. An die Schaffung des Bildungs-Clusters Defereggen. An die guten Ergebnisse bei Bildungsstandards.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Bachler: Bildungsstandards sind Überprüfungen in den so genannten Hauptfächern, die alle Kinder in der vierten und der achten Schulstufe bisher gemacht haben. Bei der Lesekompetenz schneiden die Osttiroler Schulen immer sehr gut ab, sie liegen über dem bundesweiten und landesweiten Durchschnitt. Manche Schulen sind sogar regelrechte Ausreißer nach oben.

Und wie geht es in der Pension weiter?

Bachler: Da habe ich dann viel Zeit zum Lesen, für meinen Garten, für meine drei Enkelkinder, es wird Reisen geben und Konzertbesuche. Ich kann nur sagen: Ich schaue mit großer Dankbarkeit auf 45 gelungene Dienstjahre im Schulwesen zurück. Und ich freue mich auf das, was kommt.

Das Interview führte Catharina Oblasser

Nachfolge ist noch nicht geklärt

Ausschreibung. Die Stelle von Elisabeth Bachler als Schulqualitätsmanagerin in Osttirol wird nachbesetzt, teilt die Bildungsdirektion Tirol mit, wobei man derzeit noch auf die Ausschreibung durch das Bildungsministerium warten müsse.

Vertretung. In der Zwischenzeit werden die Aufgaben von den Schulqualitätsmanagerinnen der Bildungsregion Tirol-Ost wahrgenommen, das sind jene aus Kitzbühel und Kufstein. Zur Bildungsregion Tirol-Ost gehören die Bezirke Kufstein, Kitzbühel und Lienz.


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