Osttiroler Christian Troyer: Seit 40 Jahren an der Posaune

Der Prägratner Christian Troyer ist seit dem 1. Jänner 1980 Posaunist beim Radio-Symphonieorchester in Wien. Beruflich ist er auf der ganzen Welt unterwegs, privat ist er immer noch in Osttirol zuhause.

Christian Troyer bei einem Auftritt im Wiener Musikverein im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wien Modern“.
© Peter Unterweger

Von Peter Unterweger

Prägraten, Wien –Das Radio-Symphonieorchester (RSO) des ORF ist einer der bedeutendsten Klangkörper Österreichs. Es feierte heuer seinen fünfzigsten Geburtstag. Neben dem klassischen bis romantischen Repertoire und Werken der klassischen Moderne gilt das RSO als Spezialist für zeitgenössische Musik.

Seit 1. Jänner 1980 ist Christian Troyer, geboren 1957, Mitglied des Jubiläum feiernden Orchesters. Nach der Matura spielte der Prägratner bei der Gardemusik und studierte anschließend an der Universität für Musik in Wien Konzertfach Posaune. 1979 gewann er das Probespiel beim Symphonieorchester. Seither ist er als stellvertretender Soloposaunist ein wichtiger Part im Posaunensatz.

Vor etwa 20 Jahren in Prägratner Tracht und mit Tochter Therese.
© Troyer

Die Ansprüche an den Berufsmusiker sind hoch. Das musikalische Niveau stellt das RSO besonders bei der Interpretation zeitgenössischer Werke unter Beweis, so wie zuletzt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wien Modern“ am 16. November im Großen Saal des Wiener Musikvereins: Das RSO spielte die „Sinfonie X“ von Dieter Schnebel, über 150 Musikerinnen und Musiker konzertieren auf der Bühne und in den Seitenlogen. Dort bekommen die Musiker die Einsätze des Orchesterleiters über Monitore zugespielt. Bei mehreren Sequenzen stehen zwei Dirigenten am Pult und dirigieren Teile des Orchesters in unterschiedlichen Tempi gegeneinander.

Seine Einsätze beim RSO führen Christian Troyer häufig in den asiatischen Raum, nach Südamerika, in die USA und nach Russland. Spielfreie Tage nützt er gerne für Besuche kultureller Stätten oder für sportliche Abenteuer. „Dreimal war ich am Fujiyama“, berichtet Troyer über die Besteigung des höchsten Bergs Japans während seiner Konzertreisen ins Land der aufgehenden Sonne.

Auf dem Gesamtbild des RSO ist Troyer in der letzten Reihe zwischen den Pauken zu sehen.
© ORF_Thomas Ramstorfer

Außer einem Zwischenfall in Rio de Janeiro, als ihm ein Brasilianer seine Kamera entriss und türmte, habe es in all den Jahren nie ein Problem auf den Konzertreisen gegeben, berichtet Troyer. Umbuchungen und Verspätungen von Flügen sorgen hingegen gelegentlich für Nervenkitzel.

Über ein Hoppala in Thailand vor drei Jahren kann der Osttiroler heute nur noch lachen: An einem probenfreien Tag wollte Troyer eine kulturelle Sehenswürdigkeit in der Umgebung von Bangkok besichtigen. Unglücklicherweise wurde er zu einem Bus in die falsche Richtung verwiesen. Erst nach längerer Zeit bemerkte er diesen Irrtum, sprachliche Verständigungsschwierigkeiten machten die Situation zusätzlich problematisch. „Schließlich musste ich auf offener Strecke aus dem Fernbus steigen, um rechtzeitig zurück zum Konzert am Abend zu kommen“, erinnert sich der Musiker.

Christian Troyer erzählt auch begeistert von einem Crossover-Projekt. Aufgeführt wurde eine Komposition des Osttiroler Komponisten Bernhard Gander. Ort: die Einkaufsmeile Donauzentrum. „Da sprechen wir Leute an, die sonst mit klassischer Musik nichts zu tun haben“, freut sich Troyer über den außergewöhnlichen Auftritt.

„Eigentlich sind wir ja als ORF-Orchester nicht ein rein Wiener Orchester, sondern ein Orchester von ganz Österreich“, stellt Troyer klar. In diesem Sinne wird eine der ersten Tourneen im neuen Jahr in die österreichischen Bundesländer gehen.

Wenn Christian Troyer in seinem Haus in Prägraten ist, spielt er immer wieder bei seiner Heimatkapelle. Sein Können stellt er auch bei Seminaren im Rahmen der Weiterbildung heimischer Blaskapellen zur Verfügung. Er unterrichtete bei den Meisterkursen in Toblach.

Über die Weihnachtsfeiertage konnte sich Christian Troyer in Osttirol entspannen. Schon morgen Sonntag wartet dann der nächste Auftritt im Theater an der Wien auf ihn.

Musik und Kunst liegen in der Familie

Der Musiker Christian Troyer ist der Sohn des akademischen Bildhauers und Malers Josef Troyer aus Prägraten (1909—1998), dieser brachte es in Wien bis zum Dombildhauer des Stephansdoms. Troyers Frau Klara, geborene Berger vom Oberbichl, singt in einem Chor, Tochter Therese studiert Gesang an der Musikuniversität in Wien und beherrscht eine Reihe von Instrumenten, vom Klavier bis zur Steirischen Harmonika. Sohn Stephan, der Physik studierte, ist Trompeter und spielt in verschiedenen Formationen, bei Heimataufenthalten auch bei der Musikkapelle Prägraten. (punt)


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