Naturerlebnis macht in Brandenberg Schule

Inmitten der Natur, zwischen Baumwipfeln und Brandenberger Ache, lernen Schüler das Miteinander und soziale Kompetenz. Das Handy hat in der „Natur Erlebnis Schule“ Pause.

Im Camp der Naturerlebnisschule Tirol (NEST) in Brandenberg wird Jugendlichen in Kursen das freundliche Miteinander gelehrt. Im Bild: Die Teilnehmer des Sommercamps 2019 mit dem Team der NEST.
© Naturerlebnisschule

Von Viktoria Gstir

Brandenberg –Mein WhatsApp geht nicht, hast du Netz? Das könnte die Frage eines Schülers an den anderen sein, kurz nachdem eine Schulklasse beim Camp NEST (Natur Erlebnis Schule Tirol) in Brandenberg angekommen ist. Im Camp ist man „offline“, niemand hat Internetzugang oder Handyempfang. Und das für die nächsten zwei bis drei Tage.

Für die meisten Jugendlichen der schlimmste anzunehmende Härtefall, sollte man meinen – doch dem ist nicht so: „Im Grunde geht es sehr schnell, dass sich die Schüler daran gewöhnen, kein Handy zu haben. Es geht ihnen auch nicht ab, am Ende der drei Tage ist es für sie sogar das Schönste, für ein paar Tage kein Handy zu haben“, erklärt Markus Treichl, Leiter und Gründer der NEST. Das Camp gibt es seit dem Jahr 2004. Die Idee dafür sei ihm gekommen, weil er gemerkt habe, dass die Beziehung zur Natur bei den Menschen immer mehr abnehme, vor allem bei Kindern, die sich nur mehr mit Internet und Handy beschäftigen, sagt Treichl. „Mein Hauptziel ist es, soziale Kompetenz, Selbstvertrauen und das freundliche Miteinander zu stärken. Gib Positives, dann bekommst du Positives zurück“, betont er.

Das Projekt findet großen Zuspruch, zahlreiche Pflichtschulen in ganz Tirol nutzen das Angebot und verbringen mehrere Tage und Nächte im abgelegenen Aschau in Brandenberg. Begleitet werden die Jugendlichen, neben den Lehrpersonen, ganztägig von Betreuern des Camps. In diesen Tagen nehmen die Schüler an mehreren Kursen teil. Diese bestehen unter anderem aus Bogenschießen, Fossilien sammeln, Kräuterkunde, Feuer machen ohne Hilfsmittel oder lehmrutschen.

Auch die nahegelegene HTL für Glas und Chemie in Kramsach nutzt jedes Jahr die Möglichkeiten der NEST. „Die Zusammenarbeit verläuft sehr unkompliziert. Für uns als Lehrpersonen ist es angenehm, einfach die Schüler untereinander beobachten zu können und bei Bedarf Gespräche zu führen. Die Trainer des Camps koordinieren, gestalten und beaufsichtigen das gesamte Programm in diesen Tagen“, erzählt Manuel Hörbiger, Lehrer an der HTL in Kramsach. Er könne – auch wenn der Ton hin und wieder etwas rau ist – die NEST für gruppendynamische Prozesse sehr empfehlen.

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Nächtigen können die Schülerinnen und Schüler in urigen Schlafstellen: Blockhütten und Holztipis stehen im Freien bereit. Sie sind beheizbar und deshalb auch bei kalten Temperaturen zum Schlafen geeignet. Kulinarisch wartet das Camp mit „Omas Küche“ auf, traditionelle Tiroler Speisen wie Kiachl, Blattl mit Kraut, Gerstlsuppe oder Kaiserschmarrn werden aufgetischt. Das kommt besonders gut an. Für Michael Schwarz, Schüler der HTL Kramsach, sind das Frühstück und das gemeinsame Grillen am Lagerfeuer mit am schönsten. „Wir sind dadurch richtig zusammengewachsen, das Handy habe ich gar nicht vermisst. Aber ich bin sowieso­ retro unterwegs, ich habe noch ein Nokia-Telefon“, scherzt er. Toll sei auch, dass die Betreuer rund um die Uhr für die Schüler da sind. Interessierte können sich ganzjährig für die NEST anmelden, bei Bedarf werden individuelle Programme zusammengestellt.


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