Das Geld fehlt: „Newseum“ in US-Hauptstadt Washington macht zu

Das Journalismusmuseum „Newseum“ schließt mit Jahresende die Pforten. Schlussendlich fehlte das Geld, um den kostspieligen Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Schließung steht symbolisch für die Probleme der Medien in der heutigen Zeit – und zur Präsidentschaft Donald Trumps.

Das "Newseum" liegt zentral auf der Pennsylvania Avenue, im Hintergrund ist das Kapitol mit dem US-Kongress zu sehen.
© Sauermann

Von Rob Lever/AFP

Washington – In Zeiten regelmäßiger Attacken auf die Medien ist es sicherlich kein gutes Zeichen, wenn ein Museum über die Pressefreiheit schließen muss. Dies gilt gerade in den USA, wo Präsident Donald Trump die Presse unablässig als „Fake News“ verunglimpft und zum „Feind des Volkes“ erklärt hat. Doch in der Hauptstadt Washington wird zum Jahresende das Newseum zumachen.

Das Newseum – ein modernes Medienmuseum mit spektakulären Ausstellungsstücken über Geschichte und Gegenwart des Journalismus. Politische Gründe hat die Schließung des zwischen dem US-Kongress und dem Weißen Haus gelegenen Museums nicht. Es fehlt einfach an Geld: Der Unterhalt des von der Privatstiftung Freedom Forum des verstorbenen Zeitungsgründers Al Neuharth betriebene Haus ist sehr teuer. Die Eintrittsgelder brachten nicht ausreichend Einnahmen, zumal das Newseum gegen eine beispiellose Dichte hochkarätiger und kostenloser Museen in Washington ankommen musste.

Medienlandschaft in der Krise

Die Schließung des Newseum – der Name ist eine Wortkombination aus dem englischen News (Nachrichten) und Museum – steht symbolisch für die Medienkrise in den USA. Wegen Finanzproblemen haben in den vergangenen Jahren Tausende Zeitungen zumachen müssen. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Medienbranche ist deutlich geschrumpft, zugleich haben viele US-Bürger kein Vertrauen mehr in den Journalismus, und das nicht erst seit Trumps Kreuzzug gegen kritisch berichtende Medien.

Das 2008 an der Pennsylvania Avenue eröffnete Newseum hatte sich die Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit auf die Fahnen geschrieben, ohne dabei unkritisch zu sein. Journalistische Fehltritte und Fehlentwicklungen werden in den Ausstellungen ebenso thematisiert wie Reporter-Heldentaten.

Und das höchst anschaulich: In einer Galerie zur Berichterstattung über die Berliner Mauer ist ein langes Stück des einstigen Grenzwalls ausgestellt, gleich neben einem Wachturm von der innerdeutschen Grenze. Höchst beklemmend ist ein Teil der Antenne des bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers. Gelacht werden darf in den Ausstellungsräumen zu US-Satiresendungen oder in den TV-Studios, in denen sich Besucher als Fernsehmoderatoren versuchen können.

Seit 1997 über Journalismus informiert

Das erste Newseum war 1997 im an Washington angrenzenden Arlington eröffnet worden. Elf Jahre später zog das Museum dann in einen modernen Bau aus Stahl und Glas im Herzen der Hauptstadt. Rund zehn Millionen Besucher lockte das Museum in den zwei Jahrzehnten an. Bei Hunderten Konferenzen und anderen Veranstaltungen wurde kontrovers diskutiert – und das über Parteigrenzen hinweg, wie Museumssprecherin Sonya Gavankar betont.

Das Museumsgebäude wird jetzt für mehr als 370 Millionen Dollar (knapp 332 Mio. Euro) an die Eliteuni Johns Hopkins University verkauft. Die Ausstellungsstücke sollen zunächst abgebaut und eingelagert werden. „Wenn das abgeschlossen ist, werden wir schauen, was die Zukunft für uns bereit hält“, sagt Gavankar. Möglich wären ein neues Museumsgebäude, eine Wanderausstellung oder nur noch ein Internetauftritt.

Vor der Schließung am 31. Dezember strömen noch einmal viele Besucher in das Newseum – nicht ohne Wehmut. Cathy Cawley aus dem nahen US-Staat Virginia wollte sich die Ausstellungen noch einmal anschauen, bevor das Museum dicht macht. Besonders bewegt hat sie das Denkmal für weltweit ermordete Journalisten: „Das macht mir bewusst, wie wichtig eine freie Presse ist.“

Für die Lehrerin Julia Greenwald, die mit einer Schülergruppe gekommen ist, ist das Newseum „eines der coolsten Museen in Washington“. Es sei schade, dass es jetzt schließe: „Im gegenwärtigen politischen Klima ist es so wichtig, dass Kinder mit Medien umgehen können und lernen, welchen Wert eine freie Presse hat.“


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