Walser fordert mehr Rückhalt von der Politik

Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser nimmt in Zeiten abflauender Konjunktur bei wichtigen Projekten die Politik in die Pflicht.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser (l.) und sein Stratege Stefan Garbislander (r.) sehen auch am Tiroler Konjunkturhimmel dunkle Wolken aufziehen.
© WKT

Von Verena Langegger

Innsbruck –„Ich fordere ein klares Bekenntnis der Politik zu laufenden Projekten wie Pitztal/Ötztal (Skigebiete Pitztaler Gletscher und Sölden sollen verbunden werden, Anm.)“, erklärte Christoph Walser, Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer (WK), gestern ganz direkt: „Es kann nicht sein, dass die Politik sich hinter Verfahren versteckt, die fünf, sechs Jahre dauern und Millionen verschlingen.“ Für heuer rechnet Walser in Tirol mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0 bis 1,5 Prozent. „Das Problem ist die internationale Konjunktur“, sagt auch Stefan Garbislander, zuständig für Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie in der WK. Dadurch werde Tirol weniger exportieren, besonders betroffen sei die Industrie. Deutlich sichtbar werde das Abflauen der Konjunktur im aktuellen Geschäftsklimawert. Dieser erreichte mit 37 Prozentpunkten den tiefsten Wert seit Dezember 2015 (im Juni 2018 wurde mit 68 Prozentpunkten der höchste jemals gemessene Wert notiert).

Die Probleme der deutschen Automobilindustrie und der Handelsstreit zwischen den USA, der EU und China zeigten Folgen auch in Tirol. „Davon betroffen sind vor allem die exportorientierten Produktionsbetriebe, vor allem in der Industrie“, sagt Walser. So hätten bei der Top-Tirol-Konjunkturumfrage 2017/18 noch 64 Prozent der befragten Tiroler Leitbetriebe die Auftragslage als gut bezeichnet, 2019/20 seien es allerdings nur noch 26 Prozent gewesen. Zahlreiche Diskussionen, die derzeit in Tirol geführt würden, sind zudem für Walser „kontraproduktiv“. Gerade in Zeiten abflauender Konjunktur müsse ganz genau hingeschaut werden, an welchen „Stellschrauben man dreht“. Handel, Tourismus und Bau hätten auch in der Vergangenheit immer die Konjunktur am Laufen gehalten.

Auch deshalb sehe er die aktuelle Diskussion (Verbindung der Skigebiete Ötztal, Pitztal, Anm.) „nicht ganz unkritisch“: „Wenn jedes Projekt, welches man für die Weiterentwicklung unseres Landes anstoßen will, als ‚negativ‘ bewertet wird und damit von vornherein schon zum Scheitern verurteilt ist, dann sehe ich das als negative Entwicklung für unser Land“, sagt Walser. Projekte, die gut für die Weiterentwicklung von Tirol seien, dürften nicht von vornherein verurteilt werden.

Generell sind derzeit nur 30 Prozent der Tiroler Leitbetriebe optimistisch für die wirtschaftliche Entwicklung Tirols im Jahr 2020, 64 Prozent neutra­l und sechs Prozent sind pessimistisch. Am meisten Optimisten gibt es im Tiroler Gewerbe (44 Prozent), gefolgt von der Bauwirtschaft (41 Prozent). „Insgesamt“, so Garbislander mit Blick auf das Ergebnis der Befragung von Tiroler Leitbetrieben, „hat sich damit in den vergangenen beiden Jahren der Optimismus in der Tiroler Wirtschaft deutlich reduziert: von 47 Prozent zum Jahreswechsel 2017/18 auf aktuell nur noch 30 Prozent.“ Gegen den Fachkräftemangel, aber auch Arbeitslosigkeit, fordert­e Walser erneut, den Stellenwert der Lehre zu erhöhen: „Lehre und Schule müssen auf Augen­höhe sein.“ Das sei auch Teil des Regierungsübereinkommens.

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