Naturgefahren im Tiroler Oberland: „Klimawandel seit 2012 spürbar“

Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) in Imst hatte während der letzten acht Jahre alljährlich ein oder mehrere Murenereignisse zu verzeichnen, wobei die Niederschläge generell unberechenbarer werden.

© WLV

Von Thomas Parth

Imst –Der Gebietsbauleiter der „Wildbach“, Daniel Kurz, weiß sich und seine Mannschaft mit 15 Personen im Büro und 53 Arbeitern „im Feld“ prinzipiell gut aufgestellt: „Mehr Personal könnte es immer sein, speziell weil uns die Gutachtertätigkeiten teilweise sehr fordern. Generell hat es aber nur Vorteile, wenn Gefahrenzonenplanung, Baubetrieb und Projektplanung unter einem Dach sind.“

Wenngleich der Klimawandel dem Naturgefahrenmanagement die Daumenschrauben ansetzt. „Seit 2012 sind die Klimaveränderungen für uns Realität, wobei die punktuellen, sehr ergiebigen Niederschläge schwer zu prognostizieren sind und wir seit 2012 jedes Jahr mit einer oder mehreren Muren konfrontiert waren“, bestätigt Kurz: „Auch die Niederschläge während der Wintermonate – die vergangenen zwei Winter sind da ein Vorgeschmack auf kommende Jahre – haben sich zeitlich verkürzt, aber mengenmäßig erhöht.“

Ein Telekran kam zum Einsatz, um einen Schreitbagger aus der Baugrube zu heben. Für die Bauarbeit ist ein kleines Fenster, zwischen Herbst und Frühjahr, offen.
© WLV

Im alpinen Raum des Tiroler Oberlandes müsse der Bevölkerung das teils permanente Restrisiko bewusst sein. „Wir berechnen so genannte Bemessungsereignisse, an denen wir unsere Schutzbauten ausrichten. Künftig gilt es darüber hinaus, Großereignisse mitzuberücksichtigen, wenn z. B. nach der Sperre zusätzliche Einweisdämme eine zweite Verteidigungslinie vor dem Siedlungsraum bilden“, berichtet Kurz und nennt beispielhaft den Schallerbach in See im Paznaun.

Im Bezirk Imst erwies sich heuer die Sanierung der Rettenbach-Verbauung in Sölden als „noch intensiver als befürchtet“. Auf engstem Raum musste hier, unter Zeitdruck, gearbeitet werden. „Wir haben hier ein Fenster vom Spätherbst bis zum Frühjahr, bevor die Schneeschmelze wieder einsetzt“, zeigt Kurz auf: „Altlasten wie auf der Ufermauer abgestützte Balkone oder die Treppe zum Friedhof mussten unterfangen werden. Zeitdruck und die erschwerten Verhältnisse schlugen allein diesen Herbst mit 500.000 Euro zu Buche.“ Man sei mit einer Partie von acht Mann vor Ort und werde im Frühjahr noch einmal Vollgas geben. Aber voraussichtlich werde es noch Sanierungen im Unterlauf benötigen, die kommenden Herbst abgeschlossen werden.

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Die WLV, als nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, schützt die Siedlungsräume. Ins Aufgabengebiet fallen die Errichtung von Steinschlagnetzen, wie von Frühjahr bis Herbst 2019 oberhalb von Tarrenz-Dollinger, und das Abräumen von Steilhängen, wie jüngst in Karrösten. Auf Höhe der Pitztalbrücke entfernte ein Kranwagen auf spektakuläre Weise Bäume, um die Häuser unterhalb zu schützen. „Das war ein lange gehegter Wunsch von Bewohnern und Gemeinde“, so Kurz.

„Wenn Gefahr im Verzug ist, können wir uns auf unsere Partner verlassen“, sagt Daniel Kurz (WLV-Gebietsbauleiter).
© Parth

Was den Einsatz von Großgerät im Notfall betrifft, kann sich die Wildbach auf ihre langjährigen Beziehungen zu den heimischen Firmen verlassen. Dies zeigte sich am Beispiel des Fischbachs, der Gries und Längenfeld bedrohte. „Wenn Gefahr im Verzug ist, können wir uns auf unsere Partner verlassen“, dankt der Gebietsbauleiter Imst-Land­eck für den raschen Einsatz von Mann und Gerät.

2020 wird, wie Kalender und Budgetplan verraten, kaum ruhiger als heuer. Der Harlachbach in Niederthai, der Fischbach in Längenfeld und der Imster Malchbach werden in nächster Zeit langfristig saniert. Mehrjährige Großprojekte, wie der erwähnte Rettenbach, werden in beiden Bezirken weiter vorangetrieben. Die Murverbauung in Karres wird 2020 fertiggestellt. Im Kühtai wird die Verbauung des Schwarzmoosbaches finalisiert.


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