Lebensmittelexport boomt: Deutscher Hunger auf Österreich wächst

Die österreichischen Lebensmittelexporte haben einen neuen Rekordwert erreicht. Der deutsche Markt wird immer wichtiger.

Mehr als 1800 Aussteller aus 72 Ländern versuchen bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin den rund 400.000 Besuchern ihre Lebensmittel schmackhaft zu machen.
© IGW

Von Stefan Eckerieder

Berlin, Wien – Die österreichischen Lebensmittelexporteure setzten auch im Jahr 2019 ihren Erfolgslauf fort. Mit Ausfuhren im Wert von 12,3 Mrd. Euro (+6,5 Prozent zu 2018) wurde im Vorjahr das neunte Jahr in Folge ein neuer Rekord erzielt. Alleine seit dem Jahr 2015 ist der Wert der heimischen Lebensmittelexporte um 20 Prozent gestiegen. Das zeigen die vorläufigen Zahlen des Vermarkters AMA, die am Rande der „Internationalen Grünen Woche“ in Berlin veröffentlicht wurden.

Auf der weltgrößten Messe für Landwirtschaft und Ernährung präsentieren sich die 15 österreichischen Aussteller als naturnahe Produzenten. Vor allem Käse, Speck, Wein und Schnaps aus allen österreichischen Bundesländern wollen an die mehr als 400.000 Messebesucher in den kommenden sieben Tagen verkauft werden.

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Deutschland ist der wichtigste Markt außerhalb Österreichs für heimische Lebensmittel. Im Vorjahr ist der Hunger der nördlichen Nachbarn auf heimische Erzeugnisse stark gewachsen. Im Vergleich zu 2018 stiegen die Agrar-Ausfuhren nach Deutschland um 7,5 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro. Der österreichische Handelsüberschuss in diesem Bereich beträgt bereits knapp 630 Mio. Euro. Vor allem Fleischzubereitungen (Speck, Wurst), Käse, Milch, Rindfleisch, veredeltes Obst und Gemüse sowie Geflügel aus Österreich sind in Deutschland gefragt. Nur bei der Butter wird aus Deutschland viel mehr eingeführt, als dorthin geliefert wird.

„Die Konsumenten in den Exportländern schätzen die Qualität und die Sicherheit der österreichischen Lebensmittel“, sagt AMA-Chef Michael Blass. Die AMA hat das Image Österreichs in Deutschland und Italien erheben lassen und tritt nun bei Messen unter dem Motto „Land der Berge“ auf. Bei Deutschen seien die Berge die erste Assoziation. Beim zweitgrößten Abnehmer von heimischen Lebensmitteln Italien (1,2 Mrd. Euro) denkt man zuerst an die Natürlichkeit Österreichs.

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Dennoch sind die Exportlokomotiven am Weltmarkt alkoholfreie Getränke. Sie machten 2,4 Mrd. Euro der Ausfuhren aus. Dazu gehören Limos und vor allem Energydrinks wie Red Bull. Dahinter folgten Tierfutter (656 Mio. Euro), Käse (650 Mio. Euro) und feine Backwaren (626 Mio. Euro). Für das kommende Jahr erwartet Blass „eine positive Entwicklung“ der Ausfuhren.

Höhere Umsätze würden die heimischen Lebensmittelproduzenten hingegen gerne am Heimatmarkt erzielen. „Österreich hat mit 9,7 Prozent die viertniedrigsten Haushaltsausgaben für Lebensmittel an den Gesamtausgaben in der EU“, sagte Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger. Der EU-Schnitt liegt bei zwölf Prozent. Gesteigert werden sollen die Erlöse in Österreich unter anderem durch verpflichtende Herkunftskennzeichnungen für verarbeitete Produkte, die auch im Regierungsprogramm der türkis-grünen Regierung festgeschrieben wurden. Denn auch heimische Konsumenten würden am liebsten österreichische Produkte kaufen, sagt Moosbrugger.

Am Tirol-Stand in Berlin trafen sich unter anderem Heinz Gstier (Bio vom Berg), Peter Raggl (Bauernbund), Agrarlandesrat Josef Geisler und die Landwirtschaftskammerpräsidenten Josef Moosbrugger und Josef Hechenberger.
© Eckerieder

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