Tiroler Karrieren in Türkis-Grün: Alte, neue und umstrittene Schuhe

Von Margarete Schramböck bis Sigrid Maurer – einige Tiroler machen Karriereschritte in der neuen Regierung. Vorwürfe hagelt es gegen Dominik Schrotts Comeback.

Zurück in Wien: Dominik Schrott.
© Michael Kristen

Wien, Innsbruck – Die Karriere von Dominik Schrott im Nationalrat dauerte nur zehn Monate. Im November 2018 musste er zurücktreten, nachdem Vorwürfe wegen der Abrechnung von Landesförderungen für den von ihm gegründeten Verein „Tiroler Kinderwelt“ laut geworden waren. Die Staatanwaltschaft hat die Ermittlungen in der Causa mittlerweile eingestellt. Der frühere Obmann der Jungen ÖVP Tirol kann daher zurück nach Wien und wird im Kabinett des neuen Innenministers Karl Nehammer im Bereich Fremdenwesen tätig sein. Von SPÖ und NEOS in Tirol kam unmittelbar der Vorwurf des türkisen „Postenschachers“. Neuer Generalsekretär im Innenministerium ist der bisherige Tiroler Landespolizeikommandant Helmut Tomac.

Tomac und Schrott sind aber nicht die einzigen Tiroler Karrieren, die mit der Bildung der türkis-grünen Bundesregierung einen Schub bekommen haben. An einer zentralen Schaltstelle der Koalition sitzt als Klubchefin der Grünen Sigrid Maurer. Die 34-Jährige stammt aus Rum, in die Politik stieg sie über die Hochschülerschaft ein.

Klubchefin der Grünen: Sigrid Maurer.
© APA

In dieser Funktion war Maurer 2010 auch an einer Stör­aktion im Parlament beteiligt. Die Folge war ein 18-monatiges Hausverbot im Hohen Haus. Nach der Angelobung der Minister ist sie nun die einzige grün­e Abgeordnete mit Erfahrung im Nationalrat. Am Dienstag wählten ihre Kolleginnen und Kollegen sie zur Chefin der kleineren Regierungsfraktion.

Ministerin: Margarete Schramböck.
© APA

Erfahrung in der Regierung hat Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (49), gebürtig aus St. Johann. Die frühere Telekom-Managerin war bereits Mitglied der türkis-blauen Regierung, ihr Lieblingsthema war die Digitalisierung des alltäglichen Lebens. Mit dem Wahlkampf 2019 kam sie als Tiroler Spitzenkandidatin wieder verstärkt in ihre Heimat. Zuletzt gehörte sie zum türkisen Kernteam bei den Koalitionsverhandlungen.

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Organisiert die Grünen: Thimo Fiesel.
© APA

Neu in Schramböcks Ressort ist die Zuständigkeit für das Bundesrechenzentrum, mit 1300 Mitarbeitern und 295 Millionen Eur­o Umsatz eines der größten Rechenzentren des Landes. Nachfolgerin Schramböcks im Nationalrat ist Alexandra Tanda, Geschäftsführerin des Roten Kreuzes in Innsbruck.

Thimo Fiesel (36) stammt aus Baden-Württemberg. Er studierte an der Fachhochschule Kufstein, die Festungsstadt ist für den Familienvater das neue Zuhause. Er war Öffentlichkeitsarbeiter beim Alpenverein und wechselte 2016 als Landesgeschäftsführer zu den Grünen. Im Vorjahr leitete er den Wahlkampf der Grünen für die EU- und danach die Nationalratswahl. Im Oktober stieg er zum Bundes­geschäftsführer auf.

Im Hintergrund, aber an zentraler Stelle werken als Pressesprecher Johannes Frischmann, Etienne Berchtold und Jochen Prüller: Frischmann – er stammt aus Umhausen – und Berchtold (Innsbruck) sind für den Auftritt des Jetzt-wieder-Kanzlers Kurz zuständig. Sie waren dies bereits während Türkis-Blau. Frischmann koordiniert zudem die Sprecherinnen und Sprecher der elf türkisen Ministerien.

Der frühere Journalist Prülle­r wechselte mit der Präsidentschaftskampagne von Irmgard Griss die Seiten. Danach heuerte er in der ÖVP-Zentrale in der Wiener Lichtenfelsgasse an. Jetzt spricht er für die neue Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP).

Diese wiederum ist zwar Oberösterreicherin, hat aber in Innsbruck studiert – so wie die grüne Staatssekretärin Ulrik­e Lunacek. (sabl, pn)


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