„Kufsteiner Nachtgespräche“: Viele Arten sterben, aber die Hoffnung zuletzt

Mit deprimierenden Aussichten startete die neunte Auflage der von der Stadt und dem Katholischen Bildungswerk organisierten „Kufsteiner Nach...

Der Brachvogel drohte in Deutschland auszusterben. Heute gibt es wieder größere Populationen im bayerischen Raum – den Naturschützern sei dank.
© Getty Images/iStockphoto

Mit deprimierenden Aussichten startete die neunte Auflage der von der Stadt und dem Katholischen Bildungswerk organisierten „Kufsteiner Nachtgespräche“ am Donnerstagabend. Eine Million Arten werden in den nächsten zehn Jahren aussterben, 83 Prozent der weltweiten Flächen an Land nicht mehr bewohnbar sein. So prophezeite es Florian Guthknecht auf Basis seiner Recherchen. Der Dokumentarfilmemacher und Journalist reist seit Jahren um den Globus — viele seiner Werke sind aus der Universum-Reihe bekannt. Vor Ort widmet er sich stets dem einen Thema: Warum sterben gewisse Arten aus und welche Rolle spielt der Mensch dabei?

„Es ist noch nicht alles im Arsch“, tröstete der Bayer das Publikum im Kufsteiner Kultur Quartier. Etwa eine Stunde lang gab der Filmemacher Einblicke in Projekte rund um den Globus, die dem Artensterben entgegenwirken wollen.

Wie leicht man ein Ökosystem ins Schwanken bringt, zeigt sein Film über die Gelbschnabel-Sturmtaucher auf der italienischen Insel Montecristo. Die Vögel lebten dort ungestört, bis der Mensch mit der Schifffahrt Ratten auf das Eiland brachte. Die Sturmtaucher nisten am Boden — ein gefundenes Fressen für die Nager. In den vergangenen Jahren wurde kaum ein Jungtier groß. Was dann folgte, zeigt, wie schwer es ist, Fehler wieder auszubügeln, „wenn der Mensch Gott spielt“, so Guthknecht. Denn es waren Tierschützer, die die Regierung dazu überredeten, 28 Tonnen Rattengift über Montecristo zu verteilen — wohl wissend, dass dabei auch andere Tiere wie auf der Insel angesiedelte Ziegen daran verenden würden. Seither gibt es auf Montecristo wieder neue Generationen von Gelbschnabel-Sturmtauchern. Ein hoher Preis für die Sicherung von nur einer einzigen Art.

Die Umwelt steht immer stärker unter Druck: Schutzgebiete werden kleiner, Ökosysteme durch den Menschen ins wanken gebracht. Die Natur könne sich kaum noch selbst regenerieren. „Invasoren gab es schon immer, aber derzeit befinden wir uns in einem Schnellkochtopf der Evolution und müssen handeln“, brachte es Guthknecht auf den Punkt.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Erfolgreiche Projekte wie jenes der Brachvögel im bayerischen Ampermoos machen Hoffnung. Die Schnepfenart drohte in Deutschland auszusterben, Naturschützer kämpften um jedes Ei. Die unzähligen Stunden des freiwilligen Einsatzes sowie Diskussionen mit Landwirten und Politikern waren es wert: Rund um den Münchner Flughafen lebt heute eine der größten Brachvogelpopulationen der Welt. (jazz)

„Wir befinden uns in einem Schnellkochtopf der Evolution", sagt Florian Guthknecht (Dokumentarfilmer).
© Hrdina

Kommentieren


Schlagworte