AMS-Chef Kopf in Kufstein: Mangel an Bildung als großes Thema

2020 soll die Arbeitslosenquote erstmals wieder steigen. Schlecht ausgebildete Personen haben immer weniger Chancen am Markt, warnt AMS-Chef Kopf.

V. l.: Landes-GF Anton Kern, die Kufsteiner Geschäftsstellenleiterin Margit Exenberger und AMS-Österreich-Chef Johannes Kopf präsentierten gestern in den modernisierten Kufsteiner Räumlichkeiten die Bilanzen.
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Von Jasmine Hrdina

Kufstein –Keinen Grund zur Panik sieht Österreichs Arbeitsmarktservice-Chef Johannes Kopf in den negativen Prognosen für das kommende Arbeitsmarktjahr. Und dennoch zeigt er sich alarmiert: „Die Schere zwischen gut und geringfügig qualifizierten Arbeitskräften öffnet sich rasant weiter“, schildert Kopf.

Durch die abgeschwächte Konjunktur dürfte die Arbeitslosenquote für Österreich nach Jahren des Rückgangs erstmals wieder steigen: 2019 lag diese bei 7,4 Prozent, bis 2021 könnte sie auf 7,8 Prozent wachsen. „Im EU-Schnitt haben wir aber die zehntniedrigste Quote“, betonte der AMS-Vorstand bei der gestrigen Neueröffnung der Kufsteiner Niederlassung. Dort gratulierte er Servicestellenleiterin Margit Exenberger zur gelungenen Modernisierung der mehr als 30 Jahre alten Räume.

In Tirol freut sich Landesgeschäftsführer Anton Kern über die bundesweit niedrigste Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent (2018: 4,9). Im Schnitt waren es pro Monat 16.300 Arbeitssuchende. 2020 dürfte die Quote auf 4,6 Prozent wachsen. „Tirol sticht extrem hervor, weil hier Tourismus und Industrie extrem starke Branchen sind“, beschreibt Kopf den Musterschüler unter den Bundesländern.

Optimierungspotenzial gibt es für ganz Österreich: Gerade bei schlecht ausgebildeten Personen gebe es (trotz zahlreicher kostspieliger Maßnahmen; Anm.) dringenden Handlungsbedarf. Kopf: „Die Chancen für schlecht ausgebildete Personen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sinken immer weiter.“

Den Bildungshebel müsse man schon im frühen Kindesalter ansetzen. „Das AMS ist die Reparaturanstalt des Bildungssystems“, klagt Kopf über fehlende Grundkompetenzen der zu Vermittelnden, wie Rechnen oder Lesen.

Am Montag werde er erstmals auf die neue Ministerin für Arbeit, Familie und Jugend, Christine Aschbacher, treffen und ihr die Vorschläge präsentieren. Darin enthalten sein werden auch Maßnahmen, um Arbeitslose schneller wieder am Markt etablieren zu können – wie es die neue Regierung ja in ihrem Programm vorsieht. Mehr von Zuckerbrot als von Peitsche scheint der seit 13 Jahren an höchster Stelle amtierende Arbeitsmarktexperte zu halten. „Sanktionen sind wichtig, um zu signalisieren, dass die Einstellung ,Ich will nicht arbeiten‘ nicht akzeptiert wird. Aber sie sind kein geeignetes Tool, um tüchtige Arbeitnehmer an den Arbeitgeber zu bringen.“ Vielmehr wolle Kopf auf überregionale Vermittlung und das „Aufzeigen von Chancen“ setzen.

Budgetär werden in Tirol im kommenden Jahr 45,6 Mio. Euro Budget für aktive Arbeitsmarktpolitik aufgewandt. Der Großteil (12,2 Mio.) fließt in die Bekämpfung von ­Alters- und Langzeitarbeitslosigkeit. Zehn Mio. sind für das Thema Jugendarbeitslosigkeit eingeplant. Dem anhaltenden Fachkräftemangel will man mit Mitteln in der Höhe von 4,4 Mio. Euro ­entgegenwirken.


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