Experte Filzmaier analysiert: Wie sieht ein grüner Sport aus?

Der Sport landete in der neuen Regierung bei den Grünen – die vierte Farbe seit 2016 nach Rot, Blau und Schwarz. Politikwissenschafter Peter Filzmaier analysiert, was man sich von Vizekanzler Werner Kogler erwarten darf.

Ein neues Nationalstadion als Nachfolger des in die Jahre gekommenen Ernst-Happel-Stadions in Wien: ein Kernthema unter Heinz-Christian Strache, nicht aber unter Nachfolger Werner Kogler.
© gepa

Von Florian Madl

Innsbruck – Einmal mehr scheint der Sport nicht maßgeblich im Regierungsprogramm auf. Dass die Querschnittsmaterie nun von den Blauen zu den Grünen wandert, also von Heinz-Christian Strache (50) zu Werner Kogler (61), verwundert etwas. Was den Vizekanzler und seinen Amtsvorgänger eint: Beide waren in ihrer Jugend Fußballer. Hier einige der brennendsten Fragen:

1.) Was spricht dafür, dass der Sport erneut beim Vizekanzler landete? Und was dagegen?

„Das Thema bleibt auf der zweithöchsten Ebene“, erklärt Politik-Experte Peter Filzmaier den Vorteil. Der Nachteil: Bei den Grünen fungiert Werner Kogler auch als Regierungskoordinator – Ex-Sportminister Strache hatte für diese Funktion Norbert Hofer (FPÖ). Das bindet Ressourcen, was zu Lasten des Sports gehen kann.

2.) Hat Werner Kogler eine Affinität zum Sport?

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„Ein Nobelpreisträger muss kein guter Bildungsminister sein, ein Landwirtschaftsminister in seiner Vergangenheit nicht zwingend ein Bauer gewesen sein“, räumt Filzmaier mit einem Klischee auf. Was wenige wissen: Kogler war früher im Nachwuchs von Bundesligist Sturm Graz aktiv (bis zur U21), ehe ihn eine schwere Knieverletzung im Zuge eines Motorradunfalls zum Aufhören zwang. Er sei „kein verhinderter Fußball-Held“, wird Kogler allerdings nicht müde zu betonen. Marathon-Qualitäten bewies er übrigens auch schon – im Rahmen seiner Rekord-Rede im Nationalrat (12 Stunden, 41 Minuten).

3.) Was darf man sich von Werner Koglers Auftreten erwarten?

„Strache nützte den Sport auch, um ins Rampenlicht zu treten“, analysiert Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Das komme bei Kogler „vielleicht weniger“ vor. „Und für den Sport muss das kein Nachteil sein.“

4.) Was sind die Kernthemen unter Sportminister Kogler?

Der Fokus liegt auf der Förderung des Breitensports, der vereinfachten und transparenteren Vergabe von Förderungen, auf der nach wie vor ins Auge gefassten „täglichen Bewegungseinheit“ in der Schule. Weitere Schlagwörter: Eine Frauenquote von 50 Prozent in Gremien zur Sportförderung. Gleiche Prämien bei gleicher Leistung für Frauen und Männer. Maßnahmen zur Prävention von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt im Sport. Aufbau eines Netzwerks für Integration in den Sportvereinen. Die starke Inklusionswirkung für Menschen mit Behinderung soll durch Einstiegsangebote gefördert werden.

5.) Was versteht man unter „Green Sport“?

Im Regierungsprogramm wurde der grüne Sport gefordert: Sportveranstaltungen sollen zumindest unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, Mobilität und des Klimaschutzes den Kriterien von Green Event Austria gerecht werden.

6.) Was passiert auf gesetzlicher Ebene?

Die „Etablierung eines Berufssportgesetzes“ wurde ins Auge gefasst – etwas, das sich schon Koglers Vorgänger Heinz-Christian Strache vorgenommen hatte. Die Vorarbeiten laufen bereits. In erster Linie geht es darum, die Rahmenbedingungen für sportspezifische Berufe im Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrecht zu verbessern.

7.) Wie sieht es mit der Entwicklung von Sportstätten aus?

Ein Entwicklungsprogramm soll erstellt werden, was schon Koglers Vorgänger unter verschiedenen Gesichtspunkten heraus vorhatten. Strache etwa lobte die „Sport Strategie Austria“ aus, um Österreich zur „Sportnation 4.0“ zu machen. Zentren (Olympia-, Bundesleistungszentren) sollen unter den Grünen forciert werden, so genannte Sonderprojekte „mit der Rolle Österreichs als Austragungsort von Großereignissen“ definiert werden.

8.) Was ist mit dem Nationalstadion in Wien?

Straches Lieblingsthema vor seinem Sturz – aber nicht das der Grünen. Die denken eine multifunktionale Arena an.


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