World Winter Masters Games in Innsbruck: Ü30-Party für Sportler

Patscherkofel, Seefeld, Kitzbühel, Praxmar, Olympiaworld Innsbruck, Telfs: Tirol begrüßt von morgen bis zum 19. Jänner rund 3000 Sportler zu den Winter World Masters Games. Es geht um Sport und Tourismus.

3000 Athleten über 30 werden ab morgen in 12 verschiedenen Sportarten in Tirol im Rampenlicht stehen.
© IMGA

Von Florian Madl

Innsbruck – Toni Innauer, Andreas Widhölzl, zwei Skisprung-Olympiasieger. Oder Anette Boe (NOR), Langlauf-Weltmeisterin. Oder Alexander Pointner, erfolgreichster Skisprungtrainer aller Zeiten. Oder Midori Ito (JPN), Eiskunstlauf-Weltmeisterin. Und schließlich Bill Demong (USA), Olympiasieger Nordische Kombination. Die Liste derer, die sich „Botschafter der World Winter Masters Games“ nennen, ist eine lange und sehr illustre. Und das Besondere daran: Viele dieser Leute nehmen von heute bis zum 20. Jänner an einem der zahlreichen Altersklassen-Bewerbe rund um Innsbruck, Telfs und Seefeld teil. Toni Innauer aufgrund einer Wadenverletzung vielleicht nicht, motiviert gewesen wäre der 61-jährige Vorarlberger jedenfalls: „Das Gruppenerlebnis mit Teilnehmern aus anderen Nationen und das Gefühl, mich nicht auspowern zu müssen, wäre Antrieb genug.“ Hintergrund: Der Ex-Skispringer mit den famosen Haltungsnoten aus den Zeiten des Parallelstils wäre diesmal als Langläufer an den Start gegangen.

Georg Spazier, Organisationschef der Veranstaltung, bremst jedoch: „Es sind keine Heldengeschichten, wie sie der Sport sonst schreibt. Viele Starter sind ambitionierte Athleten, die sich mit anderen messen wollen.“ Das belegt etwa der fehlende Nationalgedanke: Die gut 3000 Sportler kommen aus 59 Nationen, mit einer Hymne wird im Rahmen der Siegerehrung jedoch keiner gewürdigt, auch den klassischen Medaillenspiegel gibt es nicht. Ein rein touristischer Ansatz also, um das Jännerloch zu füllen?

20.000 Nächtigungen durch Masters-Spiele

Da nur ein Fünftel der Sportler aus Österreich kommt, dürfen sich auch die Beherbergungsbetriebe die Hände reiben. 20.000 Nächtigungen entfallen auf die Masters-Spiele, schließlich werden die Athleten von Anhang begleitet. Spazier bestätigt das, andererseits mahnt er, die sportliche Seite „nicht zu unterschätzen“: „Man muss sich erst einmal über die Schanzen trauen“, weiß Ex-Olympiasieger Christoph Bieler (Nordische Kombination), der seinerseits über einen Start nachdachte. Dem 42-Jährigen wäre allerhand zuzutrauen, aber als Mitverantwortlichen für die Kombinierer-Nationalmannschaft beschäftigen den Absamer derzeit auch andere Themen.

Organisatorisch wird es eine Herausforderung für den 40-jährigen Spazier, der sich nach den Olympischen Jugend-Winterspielen und den Children’s Games über die nächste Multisportveranstaltung freut. Zuletzt wickelte sein Team von der ITS (innsbruck-tirol sports) die Straßenrad-Weltmeisterschaft in Tirol ab, bald aber ist Schluss. Die Agenden seiner Gesellschaft sollen künftig unter dem Dach des Veranstaltungszentrums Olympiaworld Unterschlupf finden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaper

Tiroler Teilnehmer-Rekord

Eine besondere Geschichte werden die Masters-Spiele jedenfalls: „Wir haben mehr Teilnehmer als alle drei olympischen Editionen bisher in Tirol.“ Bei den Winterspielen 1964 (1020 Teilnehmer), 1976 (1100) sowie bei den Jugend-Winterspielen 2012 (1100) kam in etwa die gleiche Teilnehmerzahl wie diesmal zusammen. Allein im Rahmen des gestrigen Registrierungsbeginns wollten 500 Leute ihre Unterlagen abholen.

Ein wenig riecht es rund um Innsbruck also nach Altersklassen-Olympia, wenn auch bei einem Budget von 2,5 bis 3 Millionen Euro in einer Schmalspur-Variante. Ein Masters Village (Maria-Theresien-Straße/Innsbruck) ist dem Olympischen Dorf nachempfunden. In Sachen Rahmenprogramm orientiert man sich merkbar am gehobenen Alter der Teilnehmer, für jeden soll etwas dabei sein. Ein Blick auf die immer noch beachtlichen Leistungen lohnt sich allemal, der Eintritt ist allerorts frei.

3. World Winter Masters Games

Idee: Die World Masters Games sind eine Multisportveranstaltung für Seniorensportler, wobei das Mindestalter für eine Teilnahme in Abhängigkeit von der Sportart zwischen 25 und 35 Jahren beträgt. Die Spiele sind eine vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannte Veranstaltung.

Sommer/Winter: Während es seit 1985 regelmäßig Sommersport-Auflagen der Masters Games gibt, fanden im Winter erst zwei Veranstaltungen dieser Art statt: 2010 in Bled (SLO) und 2015 in Quebec (CDN).

Austragungsorte: Patscherkofel, Seefeld, Kitzbühel, Praxmar, Olympiaworld Innsbruck, Telfs.

Teilnehmer: 3200 Athleten aus 59 Nationen, mit Wintersport-Exoten wie der Mongolei.

Sportarten: Ski alpin, Biathlon, Langlauf, Skispringen, Nordische Kombination, Ski-Orientierungslauf, Skibergsteigen, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Short Track, Eishockey und Curling. In den zwölf Sportarten werden mehr als 2000 Medaillen vergeben.

Sportprogramm heute: 9.55 Uhr, Olympiaworld: Short Track. 15 Uhr, Telfs: Eishockey Damen.

Masters Village: In der Maria-Theresien-Straße/Innsbruck schlägt das künstlerische Herz der Masters Games 2020. Der Wintermarkt mit Attraktionen und Konzerten ist ab morgen bis 19. Jänner 2020 täglich von 11.30 bis ca. 22 Uhr geöffnet. Schauplatz der abendlichen Siegerehrungen (täglich ab 18 Uhr), Eintritt frei.

Offizielle Eröffnung: Morgen, 17 Uhr, Innsbruck: Einzug der Teilnehmer vom Landestheater-Vorplatz durch die Innsbrucker Altstadt ins Masters Village. Im Anschluss: Konzert von Matakustix auf der großen Bühne.

Programm-Highlights: Erwin & Edwin (Elektro-Bass-Kombo/15. Jänner) und „Josh.“ („Cordula Grün“ u. a./18. Jänner). Über die ganze Veranstaltungszeit verteilt wird von klassischer Tiroler Musik bis hin zur größten Silent Disco Westösterreichs viel geboten.

Weitere Infos: www.innsbruck2020.com


Kommentieren


Schlagworte