Australier in Tirol: „Angst vor einer langen Feuerperiode“

Die halbe Welt ist schockiert von den Buschfeuern in Australien, doch wie erleben die Menschen dort die aktuelle Situation? Diese Frage beantwortet der gebürtige Australier Steve Dea, der seit Jahren in Tirol lebt.

Die Buschbrände in Australien werden durch Trockenheit und Wind weiter begünstigt.
© AFP/Khan

Innsbruck, Melbourne — Der gebürtige Australier Steve Dea lebt seit Jahren in Tirol und arbeitet als Lehrer am Akademischen Gymnasium Innsbruck. Gerade ist er mit Familie von einem dreiwöchigen Heimaturlaub in Melbourne nach Tirol zurückgekehrt und berichtet, was sich in seiner Heimat abspielt.

Steve Dea lebt in Tirol, hat aber gerade seine Verwandten in Australien besucht und das große Feuer mitbekommen.

Die halbe Welt ist schockiert von den Buschfeuern in Australien, wie erleben die Menschen dort die aktuelle Situation?

An und für sich sind Buschfeuer in Australien nichts Ungewöhnliches, wir leben mit „Bushfire-Survival-Plans". In dieser Intensität, in dieser Größe, und dass es so früh im Sommer ist, das ist aber ungewöhnlich und heftig. Normalerweise haben wir dieses Thema Ende Jänner, Anfang Februar. Angesichts der aktuellen Lage haben viele Australier Angst, dass es heuer eine sehr lange Feuerperiode gibt und die Zerstörung über den ganzen Sommer viel größer ist als je zuvor. Viele kennen Menschen aus betroffenen Gebieten, die aus ihren Häusern flüchten mussten und alles verloren haben. Das macht natürlich betroffen. In Städten wie Melbourne versuchen die Leute Gesichtsmasken zu kaufen, um sich vor der schlechten Luft zu schützen. Zuletzt waren die Masken ausverkauft.

Viele Australier kritisieren lautstark die Regierung, warum?

Die Regierung ist seit Wochen insgesamt unter Beschuss, weil sie in den letzten Jahren im Forstmanagement gespart hat, und viele sagen, dass das eine der Hauptursachen für die derzeitige Lage ist, weil unter anderem präventiv zu wenig getan wurde. Vorkehrungen wie das kontrollierte Abbrennen von Unterholz durch Menschenhand wurden zu wenige gesetzt.

Wird mehr über den Klimawandel geredet?

Ich glaube, diese Diskussion kommt noch richtig. Aktuell sind alle mit dem Feuer beschäftigt.

Das Gespräch führte Liane Pircher


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