Tiere leiden unter Bränden in Australien: „Der Schaden ist immens“

Nach jüngsten Schätzungen sind bereits 1,25 Milliarden Tiere in den Buschbränden umgekommen. Die Folgen für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents sind fatal, warnt nicht nur der WWF.

Die schweren Buschfeuer gefährden ohnehin bedrohte Tierarten in Australien noch mehr.
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Von Liane Pircher

Innsbruck, Wien –Es sind Zahlen von Wissenschaftern der Universität von Sydney, die derzeit um die Welt gehen: 1,25 Milliarden Tiere sollen bereits den Flammen zum Opfer gefallen sein. Wie man das so genau berechnen kann? „Die Wissenschafter wissen, was passiert, wenn eine Gegend plötzlich komplett entwaldet ist, wie groß in etwa die Population auf bestimmten Flächen ist, diese Zahlen wurden auf die verbrannten bzw. brennenden Flächen umgerechnet“, erklärt Georg Scattolin vom WWF Österreich. Er ist für internationale Programme zuständig und weiß von den australischen Kollegen, wie hart dort gerade um jeden Zentimeter Flora und Fauna gekämpft wird.

Besonders verheerend ist, dass auch einige Naturschutzreservate von besonderem Wert gefährdet sind: So ist ein Drittel des Landes auf Kangaroo Island, der weltbekannten Insel vor Australien, abgebrannt. Der dortige Tierbestand ist besonders, weil bis dato keine Krankheiten von außen eingeschleppt wurden. In anderen Gegenden sind etwa Koalas von Chlamydien befallen. Die Bakterien verursachen bei Koalas Blindheit und Unfruchtbarkeit, oft führen sie zum Tod. Dass die ohnehin schon durch Krankheiten und den Verlust ihres Lebensraums bedrohten Koalas noch stärker gefährdet sind, macht nicht nur Tierschützer betroffen. Schon vor den derzeitigen Buschbränden ging die Zahl der Koalas in New South Wales und Queensland zwischen 1990 und 2010 um 42 Prozent zurück – keiner weiß, wie viele nun durch die Buschbrände verendet sind. „Australien ist insgesamt ein Hotspot für Tierarten, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt – nicht nur wegen der Beuteltiere. Das Feuer ist vor allem für ohnehin gefährdete Tierarten eine Bedrohung, die das Artensterben beschleunigt,“ so Scattolin.

Aktuell könne man nur mit der Rettung von Wildtieren gegensteuern, vielerorts konnten nach Bränden aber schon neue Bäume gepflanzt werden. Von den sehr ölhältigen Eukalyptusbäumen ist nichts mehr übrig.

Wie die Zukunftsaussichten für die Tier- und Pflanzenwelt sind, wenn die Brände endlich gelöscht sind, ist noch völlig unklar: „Das wird auch davon abhängen, wie lange die Buschfeuer dauern.“ Die genaue Zahl der getöteten Säugetiere, Vögel, Reptilien und größeren Insekten werde man nie bestimmen können.

Fakt ist aber, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis sich bestimmte Gegenden wieder erholen können. Die Frage ist auch, wie es in den nächsten Jahren mit den Hitzeperioden weitergeht und ob sich das diesjährige Feuer wiederholt.


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