Innsbrucks Not bei der Herbergssuche für Obdachlose und Drogenkranke

Ob neue Winternotschlafstelle oder Betreuungseinrichtung für Drogenkranke: Die Stadt tut sich schwer bei der Standortsuche.

Obdachlosigkeit ist in Innsbruck nach wie vor ein Thema. (Symbolfoto)
© Hammerle

Von Marco Witting

Innsbruck –Die Herbergssuche – sie beschäftigt Innsbrucks Stadtpolitik auch nach Weihnachten. Eigentlich seit die neue Stadtregierung ihre Arbeit aufgenommen hat. Es sind „keine Mega-Projekte“, wie Vize-BM Franz Gruber (VP) als zuständiger Sozialreferent betont. „Aber schwierige.“ Diese Schwierigkeiten betreffen die Suche nach zusätzlichen Standorten für Sozialeinrichtungen. Und da braucht Innsbruck – wie mehrfach berichtet – gleich etliche zusätzliche. Zwar konnten mit der Katharina-Stube und dem Alkoholkontaktzentrum (NIKADO) zwei Einrichtungen eröffnet werden. Für Drogenkranke sucht man seit eineinhalb Jahren – vorerst ergebnislos. Was die Anrainer bei der Mentlvilla leidvoll bestätigen können.

Und auch eine neue Winternotschlafstelle braucht die Stadt in den kommenden Monaten. Seit 10 Jahren betreibt das Innsbrucker Rote Kreuz diese Einrichtung. Bisher an vier Standorten. Heuer noch einmal, nach mehreren Verlängerungen, in der ­Amraser Straße. Dort entsteht aber demnächst ein IIG-Projekt. Und die Suche beginnt von Neuem. „Es ist an dieser Stelle definitiv das letzte Jahr“, bestätigt Gruber. Und es gibt noch keine Alternative. „Wir haben hier schon noch einen zeitlichen Puffer, aber es kann je nach Standort dann auch eine Zeit dauern, bis wir dort dann so weit sind“, sagt der Sozialreferent. Eigentlich hatte die Stadt am Domanigweg ja schon die neue Winternotschlafstelle im Auge. Nach Anrainerprotesten wurde dieser Standort wieder ­zurückgenommen. Ganz vom Tisch ist er aber noch nicht. Auch das bestätigt Gruber. „Dieser Standort ist nicht Priorität 1. Es bleibt aber eine Option. Wenngleich mit Nachteilen. Wir haben aber mit den Bürgern im Dialog gesehen, dass es Begleitmaßnahmen braucht, und aus dem Dialog viel mitgenommen.“

1156 Nächtigungen und eine Auslastung von 98 Prozent hat die Winternotschlafstelle in der Amraser Straße laut Rotem Kreuz. Die Rettungsorganisation muss sich jedes Jahr neu für den Betrieb bewerben. Geht der Standort verloren, gehe auch viel Wissen verloren, heißt es vom Roten Kreuz. Ein kurzfristiges Hochfahren der Struktur sei nur schwer möglich. Der Effekt: Obdachlosigkeit würde in der Stadt wieder sichtbar werden. Am „Schlafverbot“ möchte Gruber jedoch festhalten. Dazu müsse man entsprechende Einrichtungen anbieten. Wie die Koalition zum Schlafverbot steht, wird sich wohl in den kommenden Monaten zeigen.

Gruber hofft unterdessen, für notleidende Frauen mit Kindern im ersten Quartal 2020 eine neue Einrichtung eröffnen zu können. Die Notschlafstelle und die Einrichtung für Drogenkranke sollen folgen. Die Suche nach Standorten zieht sich allerdings bei Letzterer mittlerweile über ein Jahr. Besserung oder ein Standort sind nicht in Sicht.

Kritik an den Zuständen rund um die Mentlvilla kommt unterdessen von FPÖ und Gerechtes Innsbruck. Einmal mehr fordert FP-Stadträtin Andrea Dengg die Absiedelung des so genannten Komfüdro zum Schutz der Anrainer ins Industriegebiet.


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