Ärztekammer räumt Mängel im Iseltal ein

Nach wie vor gelingt der Aufbau eines bodengebundenen Notarztsystems nur lückenhaft. Auch der ärztliche Bereitschaftsdienst ist eingeschränkt.

Es gibt nach wie vor Probleme beim Aufbau eines lückenlosen bodengebundenen Notarztsystems.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. –Die ärztliche Versorgung im Iseltal hat nach wie vor Lücken. Der Rotes Kreuz Tirol Rettungsdienst GmbH in Rum wurde erst am 3. Oktober des Vorjahres vom Land der Auftrag erteilt, ab 15. Oktober die notärztliche Versorgung im Iseltal bodengebunden zu organisieren. Der Aufbau eines Rund-um-die-Uhr-Notarztdienstes gestaltet sich jedoch bis heute schwierig. Das Rote Kreuz Osttirol kann nach wie vor keine lückenlose Besetzung mit einem Notarzt gewährleisten. Ein jedenfalls ständig in Matrei stationierter Gemeindenotfallsanitäter sei zwar kein „Notarztersatz“, könne durch erweiterte Ausrüstung und Ausbildung aber lebensrettende Sofortmaßnahmen setzen, bis der Notarzt aus Lienz eintrifft, erklärt Stephan Hofmann, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Osttirol. Für eine Einsatzfahrt nach Matrei veranschlagt das Rote Kreuz zwölf bis 15 Minuten.

Es gibt weitere Einschränkungen für die Bevölkerung im Iseltal. Seit dem Jahreswechsel stehen die beiden in Matrei bzw. Virgen niedergelassenen Ärzte Cornelia Trojer und Anton Huber nicht mehr für den allgemeinmedizinischen Bereitschaftsdienst an den Wochentagen zur Verfügung. Beide stützen damit den Notarztverband Osttirol und Gernot Walder, der erst auf massiven politischen Druck hin am 2. Mai das Iseltal aufgegeben hat. Nach wie vor „dulden“ das Land, die Ärztekammer und die Gesundheitskasse Walders Verband in den verbliebenen Abschnitten Defereggental und Pustertal lediglich. Rechtssicherheit gibt es keine.

Kassenärzte sind nur an den Wochenenden zu einem Bereitschaftsdienst verpflichtet, nicht jedoch unter der Woche. „Bis Ende März übernimmt der in Matrei niedergelassene praktische Arzt Dieter Bogusch alleine von Montag bis Freitag die Bereitschaftsdienste“, erklärt Günter Atzl, Direktor der Ärztekammer Tirol, auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Hilfesuchende im Iseltal werden also von 19 bis 7 Uhr Früh beim Anrufen des Ärztenotdienstes unter der Nummer 141 nach ihrer Postleitzahl gefragt und erreichen ausschließlich Bogusch. Zu den Tageszeiten steht außerhalb der Ordinationszeiten der niedergelassenen Ärzte nur noch der Notruf 144 zur Verfügung. Atzl verweist bei medizinischen Anliegen außerdem auf die österreichweit geltende Gesundheitsberatung unter der Rufnummer 1450, hinter der in Tirol die Leitstelle steht. Der Notarztverband Osttirol hat beide Dienste, den des Notarztes und den der allgemeinen ärztlichen Bereitschaft, rund um die Uhr stets mit ein und demselben Arzt besetzt.

Verzögerungen gibt es auch bei zwei Kassenstellen im Bezirk. In Matrei hätte mit Jahresbeginn die bisher im Bezirkskrankenhaus tätige Medizinerin Elisabeth Golnar- Schuster die allgemeinmedizinische Kassenstelle von Marcus Mairinger übernehmen sollen. „Die Ärztin hat um Aufschub bis 1. April angesucht, wir haben das akzeptiert“, sagt der Ärztekammerdirektor. Auch der einzige Kassen-Augenarzt im Bezirk hätte am 1. Jänner seine Praxis aufmachen sollen. „Alexander Barounig haben wir auf seinen Wunsch hin ebenfalls einen Aufschub bis 1. April gewährt“, teilt Atzl mit.

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