Raketenbeschuss auf von US-Soldaten genutzten Stützpunkt im Irak

Bei dem Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Balad nördlich von Bagdad seien vier irakische Soldaten verletzt worden. Der Iran wolle mit den Angriffen zeigen, „dass wir jeden Standort treffen können“.

© IRAN PRESS

Samarra – Ein von US-Soldaten genutzter Stützpunkt im Irak ist am Sonntag von mehreren Raketen getroffen worden. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Balad nördlich von Bagdad seien acht Katjuscha-Raketen eingeschlagen, teilte das irakische Militär mit. Dabei seien vier irakische Soldaten verletzt worden. Frankreich, Großbritannien und Deutschland bekräftigten indes ihr Festhalten am Atomdeal mit dem Iran.

US-Soldaten dürften bei dem Angriff auf Balad nicht zu Schaden gekommen sein. Die meisten von ihnen haben den Stützpunkt nach irakischen Angaben bereits wegen des sich zuspitzenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran verlassen. Der Militärstützpunkt Al-Balad liegt weniger als hundert Kilometer nördlich von Bagdad. Dort sind unter anderem F-16-Kampfflugzeuge stationiert, die der Irak von den USA gekauft hat. Auf dem Stützpunkt waren zuletzt auch ein kleines Kontingent der US-Luftwaffe und Mitarbeiter von US-Firmen stationiert.

90 Prozent der US-Soldaten und der Angestellten der US-Unternehmen Sallyport und Lockheed Martin seien bereits nach Taji und Erbil verlegt worden, sagte ein irakischer Militärvertreter. Derzeit seien in Balad nur noch 15 US-Soldaten und ein Flugzeug stationiert.

Revolutionsgarden: Können jeden Standort treffen

In Balad waren schon vor rund einer Woche zwei Raketen eingeschlagen. Nach der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff im Irak hatte Teheran zuletzt mit mehreren Raketenangriffen auf vom US-Militär genutzte Stützpunkte geantwortet.

Irakische Militärstützpunkte, auf denen auch US-Soldaten stationiert sind, waren aber auch schon in den vergangenen Monaten immer wieder das Ziel von Raketen- und Mörserangriffen. Meistens wurden dabei irakische Soldaten verletzt. Bei einem Angriff im Dezember wurde allerdings auch ein US-Zivilist getötet. Auch die stark gesicherte Grüne Zone in Bagdad, wo unter anderem die US-Botschaft liegt, wird immer wieder attackiert.

Der Kommandant der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami, betonte indes, dass die Raketenangriffe nicht die Tötung von US-Soldaten zum Ziel hätten. „Unser Ziel war nicht, feindliche Soldaten zu töten“, sagte der General laut einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens am Sonntag im Parlament. Der Iran habe mit den Angriffen in der Nacht auf Mittwoch zeigen wollen, „dass wir jeden Standort treffen können“.

Berlin, Paris und London halten am Atomdeal fest

Die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands wollten indes zu einem Krisentreffen in Paris zusammenkommen. Im Vorfeld des Treffens veröffentlichten die drei Staaten eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich hinter den Iran-Atomdeal aus dem Jahr 2015 stellen. „Wir bleiben dem Erhalt der Wiener Nuklearvereinbarung verpflichtet“, stellten die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, , Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson klar. Der Iran müsse jedoch alle gesetzten Schritte, die nicht im Einklang mit dem Abkommen stehen, wieder rückgängig machen. „Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass der Iran zur vollumfänglichen Einhaltung seiner Verpflichtungen aus der Wiener Nuklearvereinbarung zurückkehrt.“

US-Präsident Donald Trump hatte die Europäer vor wenigen Tagen neuerlich zur Aufkündigung des Wiener Abkommens aufgerufen, das eine Lockerung von Wirtschaftssanktionen im Gegenzug für strenge Kontrollen des iranischen Atomprogramms vorsieht. Bisher verweigern sich die Europäer solchen Aufforderungen und wollen stattdessen zwischen Washington und Teheran vermitteln.

Der britische Premierminister Boris Johnson und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilten unterdessen die zeitweise Festnahme des britischen Botschafters im Iran. „Sie haben die Festnahme des britischen Botschafters im Iran als Verletzung internationalen Rechts verurteilt“, teilte ein Sprecher des Premierministers am Sonntag nach einem Telefonat der beiden Regierungschefs mit.

Der Gesandte war am Samstag wegen des Vorwurfs, regierungskritische Proteste angestachelt zu haben, vorübergehend festgenommen worden. Der Botschafter erklärte, er habe eine Mahnwache besucht, bei der der 176 Opfer des Abschusses der Passagiermaschine durch das iranische Militär gedacht wurde. Die iranische Führung hatte den Abschuss erst am Samstag eingestanden, nachdem westliche Staaten bereits am Donnerstag entsprechende Angaben gemacht hatten.

Seit Samstag gibt es im Land massive regierungskritische Proteste, bei denen auch der Rücktritt des obersten geistlichen Führers Ayatollah Ali Khamenei gefordert wird. US-Präsident Trump stellte sich am Sonntag demonstrativ hinter die Protestierende und warnte das iranische Regime vor einer Niederschlagung der Demonstrationen. „An die Führung im Iran - tötet nicht Eure Demonstranten“, twitterte Trump. Die Welt „und was noch wichtiger ist, die USA“ würden die Ereignisse im Iran genau beobachten. (APA/AFP/Reuters)


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