Tirols Ski-Herren sind zurück auf der Speed-Landkarte

Nach bitterer Verletzungsserie und guten Europacup-Auftritten fährt der Pillerseetaler Niklas Köck ab heute erstmals im Wengen-Weltcup.

Über drei Jahre nach seiner letzten Weltcup-Abfahrt in Gröden steht der 27-jährige Tiroler Niklas Köck vor seiner Wengen-Premiere.
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Von Roman Stelzl

Wengen – Nun gut – ganz so einfach ist das ja heuer nicht mit der Behauptung, es fahre kein Tiroler Skirennläufer im Speed-Weltcup. Immerhin gibt es ja Romed Baumann, den 33-jährigen Hochfilzner, der dank Doppelstaatsbürgerschaft dem österreichischen Verband den Rücken kehrte und für Deutschland fährt.

Aber streng genommen ist der Tiroler ja jetzt ein Deutscher – und einer, der diesen Schritt immer befürwortet hat, ist sein Freund Niklas Köck, und damit jener Mann, der Tirol heuer in Wengen (SUI/heute erstes Training) wohl wieder auf die Speed-Landkarte bringen wird.

„Ich habe Romed zu der Entscheidung geraten, es war eine gute Wahl. In Deutschland hat er jetzt weniger Druck“, sagt der 27-jährige Pillerseetaler.

Um Köck selbst war es in den vergangenen Wochen und Monaten ruhiger geworden. Mit Rang elf im Super-G von Gröden war der Speed-Spezialist im Dezember 2017 in die Auslage gefahren – nur zwei Wochen danach rissen im Training Kreuzband und Meniskus. Die Saison war gelaufen. Ein herber Rückschlag. Drei weitere Weltcup-Super-Gs in der Vorsaison verliefen ohne Erfolg, Rang 47 war das höchste der Gefühle.

Nun, zwei Jahre nach der Verletzung, steht Köck vor seiner Rückkehr in den Weltcup. Und das am Freitag (Kombination) und Samstag (Abfahrt) ausgerechnet unter dem berüchtigten Lauberhorn auf einer der schwierigsten Strecken. Möglich machen das einerseits die starken Europacup-Auftritte: Neben dem Super-G-Sieg in Zinal (SUI) verdiente sich Köck seine Sporen in der Vorwoche mit den Rängen sechs und sieben in der Europacup-Abfahrt von Wengen – als bester ÖSV-Läufer.

„Die Abfahrten waren beide okay, auch wenn ich mir mehr vorgenommen habe. Aber Wengen präsentiert sich in einem Top-Zustand“, sagt Köck und ergänzt zur Form: „Ich bin körperlich sehr gut drauf, momentan passt alles ganz gut zusammen.“

Andererseits ist sein erstes Weltcup-Ticket in Wengen, das in den Trainings ausgefahren wird (neun ÖSV-Athleten fahren um acht Plätze), den zahlreichen Verletzungen geschuldet. Die Ausfälle von Hannes Reichelt und Christopher Neumayer (beide Kreuzbandrisse) zu Jahresende machten zwei Abfahrts-Plätze frei, nun kam Manuel Traninger am Samstag dazu. „Wir werden in Wengen wohl keine Qualifikation fahren, ich will den Druck nach all den Verletzungen nicht erhöhen“, sinniert ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher.

Köck ist in guter Ausgangslage, nach Gröden 2016 wäre es seine erst zweite (!) Weltcup-Abfahrt. Das Ziel ist heuer aber ein anderes. „Ich will mir über den Europacup einen Weltcup-Fixplatz für 2020/21 holen“, sagt Köck. Dem Vorhaben würde auch eine Abfahrts-Premiere auf der Streif zum Opfer fallen, steigen doch zeitgleich wichtige Europacup-Rennen. Außer eben, es klappt in Wengen besser als erhofft. Dann gehen viele Türen auf.


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