Rund 100 Jahre alte Tiroler Tora soll restauriert werden

Für die Reparatur der heiligen Schriftrolle der jüdischen Gemeinde werden Spenden gesammelt.

Von links: Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Günter Lieder, freut sich über die Unterstützung von Innsbrucks Bischof, Hermann Glettler, dem Obmann des Bischof-Stecher-Gedächtnisvereins, Peter Jungmann, und dem Superintendenten der Evangelischen Kirche Olivier Dantine.
© Diözese Innsbruck/Gstaltmayer

Innsbruck –Die Tora ist der zentrale Text des Judentums und den Gläubigen heilig. Jede Synagoge besitzt eine Tora-Rolle, handgeschrieben auf Pergament, aus der bei Gottesdiensten vorgelesen wird. Am Exemplar im Innsbrucker Gebetshaus ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Deshalb soll das rund 100 Jahre alte Schriftstück restauriert werden. Weil das ein kostspieliges Unterfangen ist, bekommt die israelitische Kultusgemeinde Unterstützung. Die Diözese Innsbruck, die evangelische Superintendenz Salzburg und Tirol und der Bischof-Stecher-Gedächtnisverein wollen dafür Spenden sammeln.

Christentum und Judentum hätten gemeinsame Wurzeln, sagt Olivier Dantine. Für den Superintendenten der evangelischen Kirche in Salzburg und Tirol ist die Tora, die im alten Testament der Bibel als die fünf Bücher Mose enthalten ist, „das Sinnbild für diese Verwurzelung, die oft geleugnet wurde“. Mit der Spendenaktion solle auch „ein Zeichen gegen die lange Geschichte der christlichen Judenfeindschaft gesetzt werden“. Innsbrucks Bischof, Hermann Glettler, will die Aktion auch als Symbol gegen den Antisemitismus verstanden wissen. „Hinter welchen Fratzen versteckt auch immer dieser auftritt.“ Auch der Gedächtnisverein des verstorbenen Innsbrucker Bischofs, Reinhold Stecher, der stets für ein Miteinander von Tiroler Christen und Juden eingetreten ist, beteiligt sich an der Spendenaktion. Der Vorsitzende, Peter Jungmann meint, es sei „ganz im Sinne Stechers, bei der Restaurierung dieses wichtigen sakralen Gegenstandes zu helfen.“

42 Meter lang ist die Schriftrolle der Innsbrucker Synagoge und seit dem Jahr 1945 in Tirol nachweisbar, erzählt Günter Lieder, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Tirol. „Die Kosten für die nötige Restaurierung hätte unsere Gemeinde alleine nicht stemmen können.“ Die Tora werde von einem Schreiber in Jerusalem repariert, in Handarbeit. Wie hoch die Kosten sind, könne noch nicht genau gesagt werden. „Wir bedanken uns aber für die Hilfe“, sagt Lieder.

Startschuss für die ökumenische Spendenaktion ist morgen Donnerstag, wenn die christlichen Kirchen den Tag des Judentums feiern. Am selben Gedenktag in einem Jahr soll die rundum erneuerte Tora-Rolle der jüdischen Gemeinde Innsbruck wieder übergeben werden. Die Evangelische Superintendenz hat unter IBAN AT18 3600 0003 0056 3650, Kennwort Toral-Rolle 2021, ein Spendenkonto eingerichtet. (bfk)


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