65 Verletzte bei Protesten im Libanon

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sind in der libanesischen Hauptstadt Beirut mindestens 65 Menschen verletzt worden. Die Polizei setzte am späten Dienstagabend nahe der Zentralbank Tränengas gegen Demonstranten ein, die eine Barriere überwinden wollten, wie Augenzeugen berichteten.

Die Demonstranten wiederum hätten mit Steinen geworfen. Die 65 Menschen seien mit leichten Verletzungen behandelt worden, erklärte der Leiter des libanesischen Roten Kreuzes, George Kittanih. Nach Angaben der Polizei wurden 59 Menschen festgenommen.

Der Besitzer eines Cafés sagte, die Demonstration im Viertel Al-Hamra habe friedlich begonnen. Es hätten sich jedoch Krawallmacher darunter gemischt. Diese begannen, die Fensterscheiben von Banken und Geldautomaten in einer wichtigen Einkaufsstraße zu zerstören.

Der UN-Gesandte für den Libanon, Jan Kubis, verurteilte die Gewalt, kritisierte aber ungewöhnlich scharf die regierenden Parteien und beklagte „Konfusion“ bei der Regierungsbildung. „Politiker, gebt nicht den Menschen, sondern euch selbst die Schuld für dieses gefährliche Chaos“, schrieb er auf Twitter. Die Verantwortlichen schauten dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu: „Unglaublich.“

Die Proteste gegen die Regierung waren am Dienstag nach einer längeren Pause über den Jahreswechsel neu aufgeflammt. Demonstranten sperrten in Beirut zahlreiche wichtige Hauptstraßen. Die Proteste richten sich gegen die führende Elite des kleinen Landes am Mittelmeer, der sie Korruption vorwerfen. Auf Druck der Straße erklärte Ministerpräsident Said Hariri Ende Oktober seinen Rücktritt. Bisher konnte keine neue Regierung gebildet werden.

Die wochenlangen Proteste haben im Libanon die schwerste politische und wirtschaftliche Krise seit dem Ende des Bürgerkriegs vor 30 Jahren aus gelöst. Das Libanesische Pfund hat stark an Wert verloren.


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