Eila Suleimans Komödie „It Must Be Heaven“: Menschliche Komödien

Ein stiller Beobachter aus Palästina: Eila Suleimans Komödie „It Must Be Heaven“.

In einer absurden Welt: Regisseur und Hauptdarsteller Elia Suleiman untersuch­t in „It Must Be Heaven“ alltägliche Abgründe.
© Polyfilm

Innsbruck –„Das ist mein guter Freund Elia Suleiman. Er ist ein palästinensischer Filmemacher. Aber er macht witzige Filme!“ So stellt Schauspieler Gael García Bernal den Regisseur in einem Gastauftritt gegen Ende des Films „It Must Be Heaven“ vor. Dass die Hauptfigur der Filmemacher selbst ist, gibt der ruhigen Komödie eine nette Metaebene. Als stiller Beobachter wandelt er durch den eigenen Film. Der beginnt in seiner Geburtsstadt Nazareth. Ein Rollstuhl wird abgeholt, es scheint kürzlich jemand verstorben zu sein. Der gelungene deutsche Verleihtitel „Vom Gießen des Zitronenbaums“ kommt vom großen Baum vor dem Haus, an dem sich der Nachbar zu schaffen macht; in der Wohnung steht eine kleine Variante davon.

Lange wird es Suleiman im Nahen Osten nicht aushalten, zu oft muss er den Kopf schütteln über das, was er sieht. Es zieht ihn nach Paris, dann nach Amerika. Auch dort bleibt der Filmemacher griechisch-­orthodoxer Herkunft Außenseiter.

Gemächlich fließen die manchmal mehr, manchmal weniger humorvollen Szenen ineinander, wie Kurzgeschichten, verbunden durch einen gemeinsamen tragischen Helden. In Paris spielt Suleiman den von der Freizügigkeit der Frauen überforderten alten Mann, der zu Nina Simones „Put a Spell on You“ große Augen bekommt. Polizisten schießen auf Segways durch die Avenuen und messen die genehmigte Größe der Café-Terrasse aus. Panzer fahren durch menschenleere Straßen. Dass die Papeterie dann auch noch „L’humaine comédie“ heißt, ist ein überdeutlicher Hinweis: Suleiman sieht und zeigt die menschliche Komödie, übersteigert sie in teilweis­e herrlichen, teilweise nur netten Miniaturen. Manchmal deuten sich politische Kommentare an. Etwa als ein französischer Produzent Suleiman sagt, sein Filmprojekt sei nicht palästinensisch genug. Dafür ist der amerikanische Taxifahrer mehr als begeistert, einen echten Palästinenser aus Nazareth im Auto zu haben.

Natürlich haben in den USA alle Menschen im Supermarkt Schusswaffen dabei und die Polizei verfolgt eine Frau, die sich oben ohne im Park zeigt. An allen Stationen seiner Reise herrscht eine seltsam-paranoide Stimmung. Angesichts der sauren Zitronen der realen politischen Absurditäten scheint ein Weltbürger wie Suleiman zum Gießen des Baums und zum Beobachten verdammt. Gut, dass er das mit Humor macht. (maw)

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