Matthias Mayer stemmt sich in Wengen gegen Konkurrenz

In der Theorie lässt sich nach ausreichend Videostudium die perfekte Wengen-Abfahrt zusammenbauen, in der Praxis stehen u.a. Hundschopf, Kernen-S und Minschkante im Weg. Vincent Kriechmayr hat im Vorjahr die schnellste Linie durch die Schikanen auf dem berühmten Lauberhorn gefunden, am Samstag (12.30 Uhr/live ORF 1) bemühen sich darum als Favoriten auch Matthias Mayer, Beat Feuz und Dominik Paris.

Noch ist der Kampf um die Abfahrtskugel bei den Herren offen, Österreichs Asse benötigen aber vor Kitzbühel einen erfolgreichen Großangriff, um den Anschluss nicht zu verlieren. Der Südtiroler Paris führt die Wertung nach seinem Doppelpack in Bormio mit 304 Punkten vor dem Schweizer Feuz (300), der in Beaver Creek zugeschlagen hat, an. Hinter dem Franzosen Johan Clarey (162) und dem Norweger Aleksander Aamodt Kilde (158) folgen Mayer (150) und Kriechmayr (142).

„Wenn man von der Kugel spricht, wird das jetzt natürlich schwierig. Wir müssen schauen, dass wir mit Paris und Feuz mithalten. Aber sie sind zu schlagen. Ich bin überzeugt, wenn einer von unseren das umsetzt, was er drauf hat, sind die hier runter zu schlagen“, sagte ÖSV-Speedtrainer Sepp Brunner. Obwohl natürlich auch er weiß: „Beat und Dominik kommen mit breiter Brust daher.“

Feuz gewann 2012 und 2018 die Abfahrt in Wengen und war 2015 und 2019 Zweiter. Der Titelverteidiger im Disziplinweltcup war seit Dezember 2017 in keiner Abfahrt schlechter als Sechster. Paris war hingegen in Wengen noch nie auf dem Podest. „Da muss man Beat fragen, wie man da runter gewinnt, der hat das schon zweimal geschafft, der weiß das genau. Der Schnellste soll gewinnen, aber ein Sieg würde mir sehr viel bedeuten. Wie viel, werde ich wohl erst danach beschreiben können“, sagte Paris.

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Zum größeren Kreis der Podestplatzanwärter zählen auch Kilde, Mauro Caviezel (SUI), Ryan Cochran-Siegle (USA), Mattia Casse (ITA) und Kjetil Jansrud (NOR).

Kriechmayr als Zweiter in Beaver Creek und Mayer als Dritter im ersten Bormio-Rennen haben die bisher einzigen ÖSV-Podestplätze in der Abfahrtssaison eingefahren. „Für die Läufer sind es die Rennen der Saison, Wengen und Kitzbühel. Von dem lebt der Sport, für die Athleten ist das extrem wichtig, wenn man da ganz vorne mit dabei ist oder gewinnen kann“, weiß Brunner, der nach der Trainingsbestzeit von Mayer sagte: „Er war im Mittelteil hervorragend.“

Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher sieht auf der Lauberhornabfahrt jene Läufer im Vorteil, die schon einmal gewonnen oder viel Erfahrung haben. „Mit Vinz und Mothl haben wir zwei, die jederzeit ums Podest fahren und Rennen gewinnen können.“ Er hofft auf faire Bedingungen, denn aufgrund der Länge des Rennens und der Start-Intervalle könne das Wetter schon einen großen Einfluss auf den Rennausgang nehmen.

Kriechmayr bereitet sich wie auf jede Abfahrt mit viel Videoschauen vor, natürlich bekommt dabei das Kernen-S viel Augenmerk. Der prognostizierte Schneefall in der Nacht auf Samstag wird die Strecke etwas langsamer machen. „Da kann man dann ein paar Passagen ein bisserl direkter fahren, das ist dann auch Gefühlssache, das entscheidet man im Rennen.“ Anbieten würde sich hierfür eine höhere Nummer, weil man sich noch ein paar Läufer ansehen könnte.

Der Anspruch des Oberösterreichers heißt Podestrang. Und auf das Stockerl will auch Mayer, der 2018 Dritter wurde und 2019 seine Chancen im Kernen-S begrub. „Ich habe mein Material gefunden und bin recht gut gerüstet“, sagte der Kärntner nach dem zweiten Training. Das bestätigte dann auch am Freitag die Bestzeit in der Kombiabfahrt. „Ich würde schon sagen, dass mir alles aufgegangen ist“, stellte er zufrieden nickend fest.

Hinter dem ÖSV-Top-Duo klafft nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Hannes Reichelt derzeit ein Loch. „Mannschaftlich hätte ich mir teilweise, vor allem am Anfang, wo wir ja von der Vorbereitung die Vergleiche hatten, mehr erwartet, das heißt, dass wir mehr in die Top 20 reinbringen“, meinte dazu Brunner. Nach den Trainingsleistungen in Wengen und der Kombi-Abfahrt sind aber Ausreißer nach oben möglich.

Daniel Danklmaier nahm aus Bormio ein geschwollenes Knie mit. „Das ist nun wieder top. Der Jänner bringt die geilsten Abfahrten, ich freue mich richtig drauf.“ Die drittschnellste Zeit in der Kombinationsabfahrt gab nochmals einen „Schub für das Selbstvertrauen“. Auch Christian Walder hat seine Knieblessur ausgeheilt, einem gutem Jänner stünde nichts im Weg: „Ich glaube, dass am Samstag einiges möglich ist.“

Bei Otmar Striedinger scheint es langsam aufwärtszugehen, er drehte materialmäßig an ein paar Schrauben. „Meinen Rennplan will ich am Samstag so gut wie möglich durchziehen - Linie und Taktik. Da runter kann man viel richtigmachen, aber man muss hin und wieder den Kopf einschalten.“ Max Franz versuchte im Abschlusstraining gleich einige Sachen, viel davon wird er im Rennen anders machen müssen. „Das Gute ist, dass nichts wehtut, es haut hin. Da traue ich mich dann wieder“, sagte der Kärntner.


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