Häfen in Ost-Libyen stellen Ölexporte ein

Kurz vor Beginn der Libyen-Konferenz in Berlin hat sich die Lage in dem nordafrikanischen Land weiter zugespitzt. Die ostlibyschen Häfen, die unter Kontrolle von General Khalifa Haftar stehen, haben die Ölexporte eingestellt. Das führt der staatlichen libyschen Ölfirma NOC zufolge zu einem massiven Produktionsausfall.

Wegen der Blockade müsse die tägliche Ölproduktion in Libyen von bisher 1,3 Millionen Barrel auf 500.000 Barrel gedrosselt werden, teilte NOC am Samstag mit. An den Häfen Brega, Ras Lanuf, al-Sedra und al-Hariga könne derzeit kein Öl ausgeführt werden, erklärte NOC. Die Häfen liegen am sogenannten Öl-Halbmond an der libyschen Nordostküste und sind die wichtigsten Drehkreuze für die Ölexporte des nordafrikanischen Krisenstaates. Das Gebiet befindet sich seit 2016 unter der Kontrolle Haftars.

NOC-Chef Mustafa Sanella hatte zuvor bereits vor dramatischen Auswirkungen auf die libysche Volkswirtschaft gewarnt. Die Öl- und Gasbranche sei „lebenswichtig“ für die libysche Wirtschaft und die „einzige Einkommensquelle der Libyer“, erklärte Sanalla am Freitag.

Der UNO-Gesandte für Libyen hofft jedenfalls, dass die Ölhäfen schon in wenigen Tagen wieder geöffnet werden. Er könne das aber nicht voraussagen, sagt Ghassan Salame in Berlin. Sollte das Problem nicht am Samstag oder Sonntag gelöst werden, dann werde dies bei der Libyen-Konferenz thematisiert.

In Libyen bekämpfen sich die von der UNO anerkannte Regierung in Tripolis und die Truppen sein Gegenspielers Khalifa Haftar, die den Großteil des Ostens und Südens des Landes kontrollieren. Ankara steht in dem Konflikt auf der Seite der Einheitsregierung.

Mit der Libyen-Konferenz am Sonntag in Berlin soll der innerlibysche Friedensprozess wieder angestoßen werden. Ziel des Treffens, an dem unter anderem die Staats- und Regierungschefs Russlands, der Türkei, Großbritanniens und Frankreichs teilnehmen, ist die dauerhafte Festigung der seit vergangenen Sonntag geltenden Waffenruhe in Libyen. Ob der von den UNO anerkannte libysche Regierungschef Fajez al-Sarraj und Haftar tatsächlich kommen wird, war noch unklar.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl rief unterdessen zu einer Evakuierung der sich in dem Bürgerkriegsland aufhaltenden Flüchtlinge auf. „Das Schicksal der dort hilflos festsitzenden Schutzsuchenden darf nicht außer Acht bleiben“, forderte Geschäftsführer Günter Burkhardt am Samstag. Er kritisierte auch die Zusammenarbeit der EU mit der „verbrecherisch handelnden libyschen Küstenwache“. Zehntausende Menschen, vorwiegend aus afrikanischen, aber auch aus arabischen Ländern, sitzen in Libyen fest. Viele von ihnen sind in libyschen Haftlagern schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, auch durch libysche Sicherheitskräfte oder mit ihnen zusammenarbeitende Milizen.


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