Frauen arbeiten täglich 12 Milliarden Stunden unbezahlt

Die Wohlstands-Scheren zwischen Arm und Reich sowie Mann und Frau öffnen sich weiter. Frauen opfern sich oft für Kind, Pflege und Haushalt auf.

Vor dem Start des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums übten gestern Klimaaktivisten Kritik am herrschenden Wirtschaftssystem.
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Davos – Der Unterschied zwischen Arm und Reich in der Welt ist laut der Hilfsorganisation Oxfam weiterhin dramatisch hoch. Auch die Vermögenskonzentration habe an der Spitze im letzten Jahr weiter zugenommen, betonte die Organisation bei der Vorstellung ihres Ungleichheitsberichts kurz vor Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos am Dienstag, bei dem auch US-Präsident Donald Trump erwartet wird.

Oxfam beruft sich dabei unter anderem auf die Finanznachrichtenagentur Bloomberg, deren Angaben zufolge das Vermögen der 500 reichsten Menschen der Welt im Vorjahr um ein Viertel gestiegen ist. Vor allem auch zwischen Frauen und Männern ist der Wohlstand Oxfam zufolge ungleich verteilt. Demnach besitzen Männer 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen.

Weltweit müssten Konzerne und Menschen mit sehr großem Vermögen einen fairen Anteil zum Allgemeinwohl beitragen. Gefordert werden eine weltweite Mindeststeuer und höhere Steuern für Konzerne.

Ein Grund für die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist der diesjährigen Studie zufolge von Frauen geleistete Arbeit zu Hause – wie etwa Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Sorge für den Haushalt („Care-Arbeit“). „Frauen und Mädchen leisten den Löwenanteil unbezahlter Haus-, Pflege- und Fürsorgearbeit – weltweit pro Tag weit mehr als 12 Milliarden Stunden“, so Oxfam. Dies entspreche einem Gegenwert von mehr als 11 Billionen US-Dollar pro Jahr, wenn sie mit dem Mindestlohn bezahlt würden. Für Frauen stelle diese unbezahlte Arbeit häufig eine Armutsfalle dar.

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Der Einfluss von „Care-Arbeit“ auf Einkommen, Vermögen, Bildungschancen und Armutsgefährdung erfahre im Zusammenhang mit Ungleichheit zu wenig Aufmerksamkeit, sagte Ellen Ehmke, Analystin für soziale Ungleichheit. „Der direkte Zusammenhang zwischen Vermögensungleichheit und Care ist, dass Frauen über ihr Leben viel weniger Vermögen aufbauen können, weil sie einen Großteil ihrer Arbeit in unbezahlter Pflege und Fürsorge leisten“, so Ehmke. In ländlichen Gebieten ärmerer Länder verbringen Frauen täglich bis zu 14 Stunden mit Pflege- und Fürsorgearbeit: „Auch Mädchen müssen dabei häufig mithelfen.“ Die Klimakrise verschärfe die Situation, u. a. weil etwa Wege zu Wasserstellen länger werden oder der Anbau von Gemüse schwieriger werde.

Auch in reicheren Ländern verschärfe die vornehmlich von Frauen geleistete Fürsorgearbeit die Ungleichheiten im Wohlstand. Solange es nicht ausreichend öffentliche Angebote gebe, etwa für Kinderbetreuung, könnten in Familien mit hohem Einkommen beide Eltern viel früher wieder arbeiten gehen als in Familien mit niedrigerem Einkommen. Dadurch werde die Ungleichheit zwischen Haushalten noch weiter vertieft.

Der Gründer des von globalen Konzernen finanzierten Weltwirtschaftsforums hat zuletzt zugegeben, dass die Turbo-Globalisierung vor allem ein Projekt für Eliten zu Lasten vieler Menschen und der Umwelt gewesen sei. (TT, dpa)


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