Tiroler Ärztekammer nimmt Spitäler in die Pflicht

Beim Ärztemangel sieht die Ärztekammer die Verantwortung bei den Krankenhäusern.
© APA (Fohringer)

Landeck, Kufstein, Innsbruck – In der Debatte rund um unbesetzte Kassenarztstellen in Tirol hat sich der Präsident der Tiroler Ärztekammer, Artur Wechselberger, zu Wort gemeldet. Er betont, dass es nicht nur in Landeck, sondern auch in Kufstein, Kitzbühel, Söll oder Kirchberg verwaiste Hausarztstellen gebe – und sieht die Verantwortung dafür bei Tirols Krankenhäusern. Diese, so der Vorwurf, würden nämlich zu wenig Ausbildungsstellen anbieten.

„Musste früher pro 15 Krankenhausbetten eine Ausbildungsstelle im Fachgebiet Allgemeinmedizin geschaffen werden, so verweigern sich seit dem Wegfall dieser Bestimmung im Jahr 2015 die Krankenhäuser einer bedarfsgerechten Nachwuchsplanung“, klagt Wechselberger. Dabei verlange das Tiroler Krankenanstaltengesetz dezidiert die bedarfsgerechte Festlegung der Zahl der Ausbildungsstellen. „Solange die Krankenhäuser Jungmediziner auf Wartelisten für eine allgemeinmedizinische Ausbildung setzen, statt eine zusätzliche Stelle zu schaffen, werden uns Ärzte in der Niederlassung fehlen“, so Wechselberger. Denn für die Bereitstellung der Ausbildungsstellen seien die Krankenhausträger verantwortlich. Es helfe nichts, die Versorgungsfrage wie eine heiße Kartoffel im Kreis zu schicken und die Schuld beim anderen zu suchen.

„Fakt ist, dass sich die Träger der ,Fondskrankenanstalten‘ – auch die öffentlichen, wie Gemeindeverbände oder Land – darum kümmern müssen, bedarfsgerecht Ausbildungsstellen vorzuhalten“, sagt Wechselberger und baut darauf, dass sich Ärztinnen und Ärzte, die in einer Region ausgebildet werden, letztlich auch in dieser Region niederlassen werden.

Carl Miller, ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kufstein, will die Kritik nicht auf den Krankenhäusern sitzen lassen. „Wir haben in Kufstein derzeit 13 Turnusärzte für Allgemeinmedizin und 14 Ärzte in der Basisausbildung, von denen 80 Prozent in die Allgemeinmedizin gehen“, rechnet er vor. Alleine im vergangenen Jahr habe man zehn Ärzte für Allgemeinmedizin ausgebildet. Wo und ob diese Ärzte sich dann auch niederlassen oder ob diese lieber als Notärzte fahren, statt eine Praxis zu gründen, könne er allerdings ebenso wenig beeinflussen wie die Rahmenbedingungen für Hausärzte nach der Ausbildung. „Meine Aufgabe ist, für Nachwuchs zu sorgen. Ich kann aber nicht über unseren Dienstpostenplan hinausgehen“, ärgert sich Miller über die Forderung der Ärztekammer.

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Mit Unverständnis reagiert man auch bei den Tirol Kliniken. Die Zahl der Ausbildungsplätze für Allgemeinmediziner ergebe sich aus den Erhebungen des Gesundheitsministeriums, die halbjährlich durchgeführt werden. Und diese Bedarfserhebung stütze sich auf Angaben der Ärztekammer, heißt es. (TT, np)


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