Damit der Öffi-Boom nicht den Anschluss verpasst

Tirol benötigt bis zum Jahr 2030 rund 3900 neue Park-&-Ride-Plätze bei Bahnhöfen und ÖBB-Haltestellen. Frage der Finanzierung oft Knackpunkt.

Hält der Zugfahr-Boom bei den Pendlern an, wird es bis 2030 eine Menge neuer Stellplätze benötigen.
© Thomas Boehm / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck — Dass die Tarif­reform 2017 einen Öffi-Boom in Tirol ausgelöst hat, ist längst mit Zahlen belegt. Der Anteil an Öffi-Stammkunden ist um gut 60 Prozent gestiegen. Die Schattenseite: Der Ansturm bringt die Infrastruktur an ihre Kapazitätsgrenzen. So auch bei den Bahnknotenpunkten. Doch wo braucht es mehr Park-&-Ride-Plätze für Räder, Pkw und Motorräder? All diese Zahlen liefert nun eine Potenzialanalyse (sieh­e Factbox), die gestern dem Verkehrsausschuss des Landtages vorgestellt wurde.

Je nach Berechnungsvariante schätzen die ÖBB das tägliche Fahrgastaufkommen im Jahr 2030 auf der Brennerstrecke auf 100.000 bis 146.000 Fahrgäste (Referenzzahl 2015: rd. 87.000). Zwischen Wörgl und Hochfilzen werden bis zu 11.000 (7900) „Ein- und Aussteiger" erwartet, auf der Arlbergstrecke im Oberland sind es bis zu 42.500 (rd. 26.700).

Kombiniert mit dem Pendleranteil in den Gemeinden und der Auslastung der bestehenden P&R-Anlagen wurde das Ausbaupotenzial in den nächsten zehn Jahren festgelegt. Und dieses ist beachtlich. So wären bis zum Jahr 2030 gut 1700 Radstellplätze, 1400 Pkw-Parkplätze sowie 800 Motorrad-Stellflächen neu zu errichten, um den prognostizierten Bedarf abdecken zu können. Während bei Rädern insbesondere an den Bahnhöfen Kufstein, Hall und Innsbruck Ausbaubedarf herrscht, ist die Lage bei den Pkw vor allem in Jenbach (Projektvertrag bereits unterschrieben), Kufstein, Imst-Pitztal sowie Landeck-Zams besonders angespannt.

LHStv. Ingrid Felipe (Grün­e) sieht in den vorliegenden Zahlen einen guten Ausgangspunkt für künftige Bau-Priorisierungen. Der Fokus sei aber auch parallel darauf zu richten, so Felipe, ob nicht auch zusätzliche Bus­anbindungen sowie Car­sharing und Ähnliches Abhilf­e schaffen können.

Knackpunkt bleibt die P&R-Finanzierung. Felipe will die Projekte im „Tirol-Vertrag 2" mit den ÖBB, der heuer noch auszuverhandeln ist, dingfest machen. Ziehen die Gemeinden bei den Co-Finanzierungen nicht mit, wird es für das Land schwer. Von einer Bewirtschaftung der P&R-Plätze rät die Studie dezidiert ab.

Park & Ride, Bike & Ride: Bedarfsanalyse 2030

Auftrag: Land und ÖBB haben diese Mobilitätsstudie bei Rauch/Schlosser (Büro für Verkehrs- und Raumplanung) in Auftrag gegeben. Anhand von Fahrgastzählungen sowie der Erhebung vorhandener Kapazitäten und Auslastung wurde der Bedarf an Abstellplätzen für Pkw, Räder, Motorräder sowie weiteren infrastrukturellen Voraussetzungen (Bsp. E-Ladestationen) an den 63 Bahnhöfen und Haltestellen im Jahr 2030 abgeleitet.

Ergebnisse Rad: In Summe wird in zehn Jahren ein Angebot von rund 5300 Rad-Stellplätzen nötig sein. Das bedeutet einen Mehrbedarf von rund 1700. Das Gesamtangebot verteilt sich auf die Brennerstrecke (Kufstein-Brenner) mit 3470, 470 zwischen Wörgl und Hochfilzen sowie 1340 auf der Arlbergstrecke (Innsbruck-St. Anton).

Ergebnisse Pkw: Bis zum Jahr 2030 werden in Summe rund 5100 Pkw-Parkplätze (+1400 zum Ist-Stand) benötigt werden. Diese teilen sich wie folgt auf: Brennerstrecke (2635), Wörgl

Hochfilzen (ca. 450), Arlbergstrecke (2030).

Ergebnisse Motorrad: Moped: Von den derzeit insgesamt rund 300 Stellplätzen für einspurige Kfz gilt es binnen zehn Jahre auf 1100 aufzustocken: Brennerstrecke (rd. 630), Wörgl/Hochfilzen (185), Arlbergstrecke (315).


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