Beinahe kitschig: Tour auf die Drei Zinnen in Sextener Dolomiten

Vom Südtiroler Fischleintal aus (Sexten/Moos) führt diese Woche der TT-Tourentipp über 1100 Höhenmeter auf den Sextner Stein. Ein ganz besonderes Abenteuer.

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Hinauf zu den Drei Zinnen. Wer möchte nicht einen solchen Schnappschuss machen können?
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Sexten – Berühmt sind die Sextner Dolomiten vor allem wegen ihrer drei unverkennbaren Türme, den Drei Zinnen. Die Erstbesteigung, genauer gesagt der Großen Zinne, fand im Jahre 1869 durch den Wiener Alpinisten Paul Grohmann und den beiden einheimischen Bergführern Franz Innerkofler und Peter Salcher über den heutigen Normalweg statt. Die Bezwingung der mächtigen Nordwand glückte erst 1933 durch Emilio Comici und den Brüdern Giovanni und Angelo Dimai. Mittlerweile zählen die unzähligen Routen hinauf auf die knapp 3000 Meter hohe Große Zinne (2999 Meter) wohl zu den begehrtesten Klettertouren im gesamten Dolomitenraum.

Ein Ausflug zu den Drei Zinnen ist immer etwas Besonders. Nicht nur im Sommer. Auch im Winter haben sich Skitouren in diesem Gebiet längst zu Klassikern etabliert. Zu den Drei Zinnen führt diese Woche unser TT-Tourentipp – hinauf auf den Sextner Stein (2539m). Eine mittelschwierige Tour, die einen unvergesslichen Drei-Zinnen-Blick garantiert.

Zunächst geht es bei der Talschlusshütte vorbei.
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So kommt man hin: Unsere Tour startet beim kostenpflichtigen Parkplatz bei der Fischleinbodenhütte/Sexten im Fischleintal. 8 Euro kostet das, aber diese Summe bereut mit Sicherheit niemand! Entlang des breiten Forstweges geht’s zunächst ohne wesentlichen Höhengewinn hinein bis zur Talschlusshütte. Gleich vorweg: Für Sonnenanbeter ist die Tour, speziell im unteren Teil, eher nichts. Die ersten 1,5 Stunden Aufstieg erfolgen fast ausschließlich im Schatten. Zudem sind die Temperaturen im Fischleintal ohnehin meist etwas gedämpft. Zuletzt zeigte das Thermometer beim Losmarschieren minus 14 Grad an.

Bei der Talschlusshütte biegen wir rechts in das Altensteiner Tal und in Richtung Drei-Zinnen-Hütte ab. Gerade bzw. etwas links ginge es durch das Bachertal hinauf zur Zsigmondyhütte und etwa zur Oberbachernspitze (2677 Meter).

Zu Beginn leicht ansteigend, bald steiler, folgen wir dem engen Tal in Richtung Westen. Der Aufstieg könnte unter Umständen etwas rutschig sein. Links ragen mächtig die Felswände des Einserkofels empor, der 2007 für Aufsehen sorgte: Da donnerten am 12. Oktober über 60.000 Kubikmeter Gestein und Geröll ins Fischleintal hinunter. Die Wolke übersäte damals alles zentimeterhoch mit Staub. In Innsbruck registrierten Seismographen die Erschütterung sogar als leichtes Erdbeben. Ein Felssturz mit gewaltigem Ausmaß.

Ein unvergleichliches Panorama mit Paternkofel, Sextner Stein und Toblinger Knoten.
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Zurück zur Tour. Über das Altensteiner Tal geht’s also nach oben – über schön gestuftes Skigelände, bis hinauf auf ein Plateau. Spätestens jetzt kommt jeder, der es bis hierher geschafft hat, ins Staunen. Wie aus dem Nichts stehen plötzlich die Drei Zinnen vor uns. Links davon zeigt sich der Paternkofel, geradeaus stellt sich der Toblinger Knoten vor uns. Allerdings scheinen diese beiden Dolomitengipfel in Anbetracht der Drei Zinnen fast ein bisschen an Faszination zur verlieren. Alleine hier die Tour zu beenden würde fast schon reichen. Wir wollen die Drei Zinnen und das Panorama aber makellos erleben. Ohne vorgeschobene Kuppe und eben makellos. Und bis zum Sextner Stein ist es auch nicht mehr wirklich weit.

Am Plateau halten wir uns also leicht rechts. Den letzten, doch steilen Gipfelhang unterhalb des Toblinger Knotens bringen wir in Spitzkehren hinter uns. Bis hinauf auf eine Einsattelung. Von dort geht‘s über den breiten Grat unschwierig hinüber zum Sextner Stein, auf dem übrigens kein Gipfelkreuz steht.Das scheint ob des Ausblickes zu den Drei Zinnen äußerst schnell vergessen.

Wie wir uns fühlen? Um es auf den Punkt zu bringen – es ist unbeschreiblich, majestätisch, magisch. Man sollte und muss es einfach mal selbst erleben. Ein Schnappschuss folgt dem anderen, die Drei Zinnen fotografieren wir unzählige Male. Man kann einfach nicht genug bekommen. Wir könnten noch Stunden verweilen, aber irgendwann müssen wir zurück, entlang der Aufstiegsspur.

Doch bevor wir ins Tal abfahren, halten wir uns unterhalb des Sextner Steines rechts und fahren noch zur Drei-Zinnen-Hütte rüber. Die Hütte ist geschlossen. Aber oberhalb der Hütte bei der Kapelle lädt ein sonniger Rastplatz mit nochmaligem Drei-Zinnen-Blick besonders zum Genießen ein. Vorausgesetzt, man ergattert einen der heiß begehrten Plätze auf der Holzbank. Von der Drei-Zinnen-Hütte folgen wir den Aufstiegsspuren zurück ins Fischleintal bis zur Talschlusshütte und von dort geht’s flach, mit ein paar Stockschüben, zurück zum Auto beim Parkplatz.

Fazit: Der Aufstieg durch das Altensteiner Tal erfordert oberhalb der Enge sichere Verhältnisse. Insgesamt ist die Tour nur mittelschwer und kann auch von Schneeschuhwanderern in Angriff genommen werden. Und was das Ambiente betrifft? Recht viel schöner und kitschiger geht’s eigentlich wirklich nicht mehr.(flex)

© TT

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