Internationales Gedenken an Auschwitz-Befreiung

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Dutzende Staats- und Regierungschefs gedenken am heutigen Donnerstag in Israel der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren. Unter den Staatsgästen aus fast 50 Ländern sind der russische Präsident Wladimir Putin, US-Vizepräsident Mike Pence, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier sowie Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Putin ist ebenso bereits in Israel angekommen wie US-Vizepräsident Mike Pence. Das Holocaust-Forum sowie die Gedenkzeremonie mit einer Kranzniederlegung für die Opfer der Shoah findet in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem statt. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums handelt es sich um das größte Staatsereignis seit der Gründung Israels 1948.

Putin will vor Beginn des Forums am Vormittag in Jerusalem ein Denkmal zur Erinnerung an die Blockade Leningrads einweihen. Die 900 Tage lange Belagerung gilt als eines der schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Auf Befehl von Adolf Hitler sollte die Stadt durch systematisches Aushungern ihrer Bewohner ausgelöscht werden. Mehr als eine Million Menschen starben.

Das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im damals von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet, die meisten davon Juden. Soldaten der Roten Armee befreiten das Lager am 27. Jänner 1945 und fanden dort unter den Häftlingen noch etwa 7.000 Überlebende. Die Nazis und ihre Helfershelfer ermordeten während des Holocaust insgesamt rund sechs Millionen Juden - darunter mehr als 65.000 österreichische Juden.

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Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat im Vorfeld der Gedenkveranstaltung dazu aufgerufen, den wiederauflebenden Antisemitismus „energisch bei jeder Gelegenheit, sei sie noch so klein,“ entgegenzuwirken. „Wir sind in Europa besorgt, dass es so etwas wieder gibt“, so Van der Bellen gegenüber österreichischen Journalisten in Jerusalem.

Es sei wichtig, „der Opfer zu gedenken und gleichzeitig wichtig, zu versuchen zu verstehen, wie es dazu kommen konnte“, sagte der Bundespräsident. Denn den Satz „Nie wieder Auschwitz“ würde wohl jeder in Europa unterschreiben, aber man müsse sich fragen: „Wie kam es dazu, wie ist es möglich, dass so viel geduldet wurde und so viele Täter sich beteiligt haben?“ Daher seien“Antisemitismus, Rassismus jeder Art und Menschenverachtung Dinge, die im Keim erstickt gehören, damit so etwas nie wieder passieren kann“, mahnte Van der Bellen.

Angesprochen auf die jüngsten rassistischen Hasspostings gegen Justizministerin Alma Zadic (Grüne) meinte Van der Bellen, dies lasse sich nicht mit der Diskriminierung der 1930er Jahre vergleichen. „Lassen wir die Kirche im Dorf“, so der Bundespräsident, „es gibt offenbar Leute, die es nicht aushalten, dass eine in Bosnien geborene und mit zehn Jahren nach Österreich gekommene, gescheite, junge Frau in Österreich Ministerin wird“, so Van der Bellen.

Der Regierungswechsel in Österreich hat laut dem Bundespräsidenten „die ausgezeichneten bilateralen Beziehungen“ zwischen Österreich und Israel „weiter entspannt“. Im Vergleich zu seinem letzten Israel-Besuch vor einem Jahr gebe es nur den Unterschied, „dass jetzt alle Regierungsmitglieder in Israel bei entsprechenden Anlässen empfangen werden“. Er habe sich damals im Hintergrund dafür eingesetzt, dass die von der FPÖ nominierte Außenministerin Karin Kneissl in Israel empfangen werden könne, aber ohne Erfolg. „Dieses Problem haben wir jetzt nicht mehr“, so Van der Bellen.

Wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Israel wird Van der Bellen am Montag nach Polen reisen. Auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, das im damals von Hitler-Deutschland besetzten Polen errichtet worden war, findet eine weitere internationale Gedenkveranstaltung statt.


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