Ein Netz aus vielen kleinen Zellen gegen die Einsamkeit

Bischof Hermann Glettler legte bei einem Osttirolbesuch in Lienz Schwerpunkte und Initiativen der Diözese für das laufende Jahr dar.

Bischof Hermann Glettler, Dekanatsjugendleiterin Petra Egger, Dekanatsreferentin Anita Webhofer, der Lienzer Dekan, Franz Troyer, und Caritas-Tirol-Direktor Georg Schärmer setzen in der Diözese und in den Gemeinden auf Zusammenarbeit, Solidarität und Lebensfreude (v. l.).
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz – Die Lienzer Dekanatsjugend mit der Leiterin Petra Egger habe mit ihrem „KUNSTprojekt digitale EINSAMkeit“ im Vorjahr den Finger in eine Wunde unserer Zeit gelegt, sagte Caritas-Tirol-Direktor Georg Schärmer gestern im Rahmen eines Pressegespräches mit Bischof Hermann Glettler, Dekan Franz Troyer und den Mitarbeiterinnen Anita Webhofer und Petra Egger.

„Jugendliche sind froh, wenn man ihnen Raum gibt, im wörtlichen Sinn oder beispielsweise in einem Gespräch“, erläuterte Egger. Die Ausstellung im Kreuzgang des Franziskanerklosters habe Wirkung gezeigt. „Einsamkeit ist überall und geht quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten“, befand Schärmer. Solidarität, so laute der Auftrag der Caritas, also „Hinschauen, Hingehen, Unterstützen“. Solidarität mit dem Nächsten zeige sich im Land Tirol, und da besonders noch in Osttirol, etwa im vielfältigen Vereinswesen. „Da muss nicht Caritas draufstehen, damit Caritas drin ist.“

Bischof Hermann Glettler widmet das heurige Jahr unter anderem dem Schwerpunkt Jugend. „Zuvielisation“ wecke immer neue vermeintliche Bedürfnisse, statt welche zu befriedigen. „Die jungen Menschen spüren eine Leere und tiefe innere Sehnsucht.“ Diesem spirituellen Hunger begegne er mit dem Wort Gottes in der Bibel, erklärte Franz Troyer. „In dieser Schrift haben wir einen Schatz, dem wir zu lange viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben.“ Er trage seinen Spitznamen „Bibelpfarrer“ mit Stolz, sagte Troyer.

Der Bischof führte aus, Papst Franziskus und die Kirche hätten einen Paradigmenwechsel eingeläutet. Die Frage laute nicht mehr: Sind die Leute auch in der Kirche? Sondern: Sind wir bei ihnen? Man wolle noch mehr auf die Menschen zugehen, sie in ihrer Region aufsuchen, an ihrem Leben teilhaben. „Damit ist auch erklärt, warum wir unsere Vorhaben in der Diözese Innsbruck in Lienz und nicht in Innsbruck vorstellen“, meinte der Bischof mit einem Augenzwinkern. In den Pfarren würden Personen gesucht, die sich der Jugend annehmen möchten. So sollen neue Weggemeinschaften entstehen und Jugendliche zueinander und zu anderen Gläubigen Vertrauen schöpfen. „Lobbying für junge Leute“, nannte der Bischof als ein Schlagwort. Die Weggemeinschaften sollen zu neuen Zellen wachsen und Heimat werden. Aus den Zellen forme sich ein soziales Netz, das der Vereinsamung entgegenwirken könne.

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Für seinen heurigen Fastenhirtenbrief kündigte Hermann Glettler das Thema Versöhnung als einen Dauerauftrag an die Menschen an. „Vergebung öffnet Zukunft.“ Weiters trage die Diözese mit allen Gläubigen Schöpfungsverantwortung. „Wir sind, wie auch die Caritas, Klimabündnis-Mitglieder. Die Schöpfung ist für unsere Nachkommen weltweit zu bewahren.“

Das Wort Gottes in der Bibel sei weder ein Brei noch Fast Food, sondern Vollkornbrot, meinte Dekan Franz Troyer (r.).
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