Verkehr und Hausbrand als größte Feinstaublieferanten in Innsbruck und Lienz

Dicke Luft herrscht dieser Tage vor allem in Innsbruck und Lienz. Kleinste Partikel haben größte negative Wirkung auf die Gesundheit.

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Wenn im Winter geheizt wird und stabiles Wetter herrscht, steigt die Feinstaubkonzentration an.
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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck, Lienz – Mit freiem Auge nicht erkennbar, sorgt er derzeit bei einigen Luftgütemessstellen des Landes für außerordentlich hohe Werte: der Feinstaub, auch als PM10 und PM2,5 bezeichnet. Besonders in Lienz und Innsbruck werden dieser Tage die laut EU höchstzulässigen Tagesmittelwerte deutlich überschritten. In der Landeshauptstadt gilt die Luft als „stark belastet“, in der Osttiroler Bezirkshauptstadt sogar als „sehr stark belastet“ – was der höchsten der fünf Belastungsstufen entspricht. Die Spitzenwerte – meist um die Mittagszeit und am frühen Abend – liegen teilweise sogar um ein Vielfaches über dem Grenzwert. Grund dafür ist die stabile trockene Wetterlage. Niederschlag würde den Feinstaub laut Meteorologen nämlich aus der Luft waschen, Wind die kleinen Partikel verteilen und damit die Feinstaubkonzentration senken.

Hauptverursacher der mikroskopisch kleinen Partikel mit Größen von Bakterien (PM2,5) bzw. Zellen (PM10) ist allerdings der Mensch. „Die zwei Hauptquellen für den Feinstaub sind der Verkehr und der Hausbrand“, erklärt der Innsbrucker Umwelt- und Arbeitsmediziner Heinz Fuchsig und weist auf die besonderen Gefahren durch Feinstaub für die Gesundheit hin. Dieser gelange nämlich nicht nur über die Atemluft in die Lunge, sondern von dort auch weiter ins Blut, in die Organe und sogar in die Zellen. Außerdem führt der Feinstaub zu einer Zunahme von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Eine Störung der Funktion des Gefäßsystems führe letztlich zu Durchblutungsstörungen, einer Erhöhung der Blutgerinnung, zu permanenten Entzündungen und zur Bildung von Blutgerinnseln.

Der Umweltmediziner empfiehlt daher Menschen mit Herz-Kreislauf-Schwäche oder entsprechender Vorerkrankung, an feinstaubbelasteten Tagen auf körperliche Anstrengungen zu verzichten und einige Ratschläge zu beherzigen. „Wer hinter älteren LKW (vor dem Baujahr 2014) mit dem Auto unterwegs ist, sollte auf Umluft schalten, um sich nicht den Feinstaub der Abgase von der Straße direkt ins Auto zu holen.“ Außerdem rät Fuchsig, als Fußgänger dicht befahrene Straßen zu meiden und Spaziergänge im Wald zu unternehmen. Sich Zuhause einzuschließen sei wenig zielführend, weil der Feinstaub früher oder später auch in den Wohnraum dringt. Allerdings sollte man darauf verzichten, in den eigenen vier Wänden zusätzlichen Feinstaub zu produzieren – indem man etwa Kerzen anzündet. Eine Atemmaske ist gegen den ultrafeinen Staub nicht wirkungsvoll, diese hält nur gröbere Staubpartikel ab.

Was das gesetzliche Große und Ganze betrifft, sieht Heinz Fuchsig dringenden Handlungsbedarf. Denn der von der EU festgelegte Grenzwert ist im internationalen Vergleich deutlich zu hoch angesetzt. „Der EU-Grenzwert ist um das Zweieinhalbfache höher als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Die Schweiz, ja sogar die USA haben strengere Grenzwerte als wir in der Europäischen Union“, sagt Fuchsig. Er sieht in der Nachrüstung von Maschinen und Fahrzeugen mit Partikelfiltern die am schnellsten wirksame Maßnahme, dem gesundheitsschädlichsten Anteil der Feinstaubbelastung effizient entgegenzuwirken. Hier sei jedenfalls die Politik gefordert, den Worten im Regierungsübereinkommen auch Taten folgen zu lassen, betont Fuchsig.

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