Ausstellung im Fotoforum Innsbruck: Unendliche Jugendidylle auf Arturos Insel

Mit „Ritorno All’Isola di Arturo“ machte sich Marta Giaccone auf die Suche nach einer besonderen Jugend. Zu sehen im Fotoforum Innsbruck.

Rebellion im Kleinen: Seit vier Jahren begleitet Marta Giaccone Jugendliche auf der Mittelmeerinsel Procida.
© Giaccone

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Eine Jugend auf der Mittelmeerinsel Procida ist eine von vielen Jugenden. Im Kleinen wird aufbegehrt, man lungert herum, gemeinsam wird Zeit verschwendet Sie treffen sich am Strand, spielen Fußball, strecken der Kamera ihre Zunge entgegen. Die Jugend auf Procida ist nicht überraschend.

Für Fotografin Marta Giaccone wurde die Jugend auf Procida dennoch speziell. Sie selbst wuchs in Mailand auf und hatte die Insel im Golf von Neapel erst über einen Klassiker der italienischen Nachkriegsliteratur kennen gelernt. In eindrucksvollen Bildern beschrieb Autorin Elsa Morante im Roman „L’ Isola di Arturo“ 1957 das Heranwachsen des Titelhelden Arturo in den Dreißigerjahren auf dem damals rückständigen Procida. Seine Eindrücke von der kargen Landschaft, der glühenden Sonne und den spröden Menschen fesselten Giaccone. So sehr, dass sie selbst den Weg nach Procida aufsuchte. Um dort den Arturo von heute zu finden.

Entgegen Morantes Romanfigur, der schlussendlich als junger Erwachsener von der Insel flüchtet und nie wieder auch nur zurückblicken will, kehrt Giaccone, die zuerst Englisch und Hispanisch-Amerikanische Literatur in Mailand und dann Dokumentarfotografie in Wales studiert hat, in regelmäßigen Abständen ins Inselidyll zurück. Es ist aber nicht die einzigartige, aus der Zeit gefallene Architektur oder die Bilderbuchstrände, die das im Vergleich zum benachbarten Capri noch relativ unberührte Procida zum Sehnsuchtsort für die Fotografin machen. Es sind die heute dort lebenden Teenager, die Giaccone zum Mittelpunkt ihrer Fotoserie „Ritorno All’Isola di Arturo“ macht. Wie erleben sie ihre Insel heute? Gezeigt werden die Antworten derzeit im Innsbrucker Fotoforum.

Die 31-jährige Giaccone eröffnet damit den diesjährigen Italien-Schwerpunkt des Fotoforums von Rupert Larl. Sie passt in sein der klassischen Fotografie verbundenes Programm. Hinter Giaccones Serie steckt zwar ein Konzept, eine Geschichte, ihre Fotografie bleibt dennoch dokumentarisch.

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Mit den Gesichtern, die in eigentlich längst durchdeklinierten Alltagsszenen aufscheinen, malt die Fotokünstlerin zunächst ihr Porträt einer Insel; einem Eiland von gerade mal vier Quadratkilometern Größe, Population: 11.000. „Auf Procida kennt man sich“, bemerkt Giaccone. Erst indem sie den Postkartencharakter der Insel ausblendet, findet sie zur Welt, die sich die Jugendlichen auf Procida aufgebaut haben.

In einem zweiten Schritt lässt Giaccone ihre jungen Protagonisten selbst Polaroids anfertigen, die sie zwischen ihre Porträts hängt. Sie sind spontan, unscharf, laienhaft und kommunizieren trotzdem unverbindlicher, als Giaccone es je könnte. Erst die Kombination beider Konzepte macht den besonderen Reiz von Giaccones Serie aus.

Was dann doch überrascht: Obwohl viele Jugendliche zum Studium aufs Festland ziehen, wollen die meisten unbedingt zurückkehren, erzählt die Künstlerin. Etwas scheint die Jugendlichen zu fesseln. Vielleicht dasselbe, das auch Giaccone die Rückkehr antreten lässt.

Einen Arturo von heute habe Giaccone übrigens laut eigenen Angaben auf Procida nicht gefunden, dafür viele unterschiedliche Stimmen. Und die Serie ist für Giaccone noch nicht abgeschlossen.


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