EU-Spitzen in Yad Vashem: Geschichte kann uns verändern

Die Spitzen der EU haben am Donnerstag anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenkens in Israel zum gemeinsamen Kampf gegen den zunehmenden Antisemitismus in Europa und die „Erinnerung an die Shoah“ aufgerufen. „Wir können die Geschichte nicht ändern, aber die Lehren aus der Geschichte können uns verändern“, heißt es in einem gemeinsamen Statement.

Das Statement wurde im Namen von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Parlamentspräsident David Sassoli und Ratspräsident Charles Michel veröffentlicht. Alle drei EU-Vertreter nehmen am internationalen Holocaust-Forum in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem teil. Ebenfalls gedenken Dutzende Staats- und Regierungschefs der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren. Unter den Staatsgästen aus fast 50 Ländern sind der russische Präsident Wladimir Putin, US-Vizepräsident Mike Pence, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier sowie Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Die Erinnerung an die Shoah sei keine Ende, sondern ein „Eckpfeiler der europäischen Werte“, betonten die EU-Spitzen. Der Holocaust sei eine „Tragödie“ und ein „Wendepunkt“ in der Geschichte Europas gewesen, sein Erbe sei „tief in die DNA der EU eingebunden“, schreiben Von der Leyen, Sassoli und Michel. Derzeit befinde sich die EU aber an einem Scheideweg. Die Zahl der Holocaust-Überlebenden schwinde, weshalb neue Wege des Erinnerns gefunden werden müssten.

Angesichts des Anstiegs von Antisemitismus, „der die Werte bedroht, die wir hochhalten“ - müsse man „wachsam“ sein. „Wir haben die Pflicht, Schulter an Schulter mit der jüdischen Community zu stehen - jetzt, da sie sich in Europa wieder bedroht fühlt“, heißt es in dem Statement. Rassismus, Antisemitismus und Hass hätten in Europa keinen Platz, alle Mitgliedsstaaten würden vereint dagegen kämpfen.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Macron erinnerte an die von den Nazis deportierten Juden seines Landes. Der Staatschef legte einen Kranz an einem Denkmal in Bet Shemesh westlich von Jerusalem nieder. Dort sind auf einer Mauer die Namen von rund 74.000 französischen Juden verzeichnet. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde bei der Ankunft in den NS-Vernichtungslagern vergast.

Putin rief die Weltgemeinschaft zu einem vereinten Kampf gegen Antisemitismus auf. Es müsse jeder Form von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus Widerstand geleistet werden, sagte Putin bei einem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin. Vor Beginn des Forums weihte Putin am Vormittag in Jerusalem ein Denkmal zur Erinnerung an die Blockade Leningrads ein. Die 900 Tage lange Belagerung gilt als eines der schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Auf Befehl von Adolf Hitler sollte die Stadt durch systematisches Aushungern ihrer Bewohner ausgelöscht werden. Mehr als eine Million Menschen starben.

Das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im damals von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet, die meisten davon Juden. Soldaten der Roten Armee befreiten das Lager am 27. Jänner 1945 und fanden dort unter den Häftlingen noch etwa 7.000 Überlebende. Die Nazis und ihre Helfershelfer ermordeten während des Holocaust insgesamt rund sechs Millionen Juden - darunter mehr als 65.000 österreichische Juden.

Van der Bellen hat im Vorfeld der Gedenkveranstaltung dazu aufgerufen, den wiederauflebenden Antisemitismus „energisch bei jeder Gelegenheit, sei sie noch so klein,“ entgegenzuwirken. „Wir sind in Europa besorgt, dass es so etwas wieder gibt“, so Van der Bellen gegenüber österreichischen Journalisten in Jerusalem.


Kommentieren


Schlagworte