Für kranke Schmidhofer wackelt Bansko-Start

Nicole Schmidhofer ist ausgerechnet vor dem Speed-Triple von Bansko von einer Grippe geschwächt. Österreichs einzige Saisonsiegerin stand am Donnerstag im Training kraftlos auf den Skiern, ihr Start für die erste Abfahrt am Freitag (9:45/live ORF 1) wackelt. „Die Fitness ist gar nicht da“, sagte die Steirerin nach Rang 46 und fünf Sekunden Rückstand auf die Schnellste Joana Hählen aus der Schweiz.

Die Siegerin von Lake Louise mühte sich den technisch schwierigen Hang im Südwesten Bulgariens herunter. „Beim Fahren merke ich, dass ich den Torabstand und das Tempo überhaupt nicht einschätzen kann“, stöhnte Schmidhofer. „Die Übertragung vom Sehen bis zum Tun dauert einfach viel zu lange. Ich bin in der Bewegung zu spät, es ist eher eine Herumrutscherei als Rennfahren.“ Die Kraft fehlte. „Es ist nicht möglich, richtig Druck am Ski zu geben, wenn du am fünften Tor schon müde bist, und dann kommen noch fast 37 Kurven, wo man richtig draufsteigen sollte.“

Ihren Start wollte Schmidhofer kurzfristig nach dem Einfahren am Freitag entscheiden. Die Erwartungen für das Wochenende waren Donnerstagmittag gleich null. „Für ein richtig gutes Rennen weit vorne wird es dieses Wochenende nicht reichen.“ Im südlich von der Hauptstadt Sofia auf einem Hochplateau liegenden Bansko stehen drei Rennen an. Am Freitag die Ersatzabfahrt für Val d‘Isere, am Samstag die Originalabfahrt und am Sonntag ein Super-G.

Tamara Tippler glaubte, dass ihre Landsfrau Schmidhofer fahren würde. „Steirerblut ist kein Himbeersaft, die haut sich sicher runter. Die Schmidi ist da Profi genug, dass sie morgen eineinhalb Minuten lang die Zähne zusammenbeißt“, sagte die Trainingsdritte (0,15), die allerdings ein Tor ausließ.

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Geht es nach der einzigen Übungsfahrt, schickt sich ein Duo an, die Nachfolge von Andrea Fischbacher anzutreten, die als bisher letzte 2009 eine Bansko-Abfahrt gewonnen hat. Da überraschte neben Hählen vor allem Federica Brignone aus Italien (+0,10 Sek.). Die beiden lagen schon etwa eine Sekunde vor der Vierten, Mikaela Shiffrin (1,08). Mit Nina Ortlieb (7./1,45) und Ramona Siebenhofer (8./1,62) fühlten sich zwei weitere ÖSV-Damen auf der Marc-Girardelli-Piste (Besitzer des Skigebiets) recht wohl.

„Die Federica Brignone als Riesentorläuferin hat uns richtig gezeigt, wie es da herunter geht“, sagte Tippler. Sie sprach von einem Super-G auf Abfahrtsskiern. „Hier muss man das Herz in die Hand nehmen, aber auch das Hirn einschalten. Und es gibt viele Favoriten, weil auch die Riesentorläuferinnen sicher vorne mitmischen werden.“

Ein drehender Kurs, eigentlich hausgemacht für Shiffrin. Die US-Amerikanerin fühlte sich laut Eigenaussage „richtig gut“ nach zuletzt frustrierenden Tagen und einem für sie unterdurchschnittlichen Sestriere-Wochenende mit 89 Zählern. „Es ist ein technischer Kurs, natürlich mag ich das. Mädchen mit guter Technik werden hier schnell sein.“

Der Technik-Fokus und der Kugelkampf treibt zunehmend auch ihre erste Verfolgerin, Petra Vlhova, ins schnelle Metier. Die im Gesamtweltcup 249 Punkte hinter Shiffrin rangierende Slowakin bestritt am Donnerstag abermals ein Abfahrtstraining, sie lag als Zehnte nur knapp sechs Zehntelsekunden hinter Shiffrin. Ob Vlhova in Bansko ihre zweite Abfahrt im Weltcup, die erste seit März 2018 in Aare, bestreiten würde, war Donnerstagmittag noch unklar.


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