Universitätsorchester Innsbruck: Tieffliegender Dirigentenstab, hohe Spielkunst

Das Universitätsorchester Innsbruck startet sein Jubiläumsjahr mit einem sympathischen Auftritt zwischen Schubert und Mahler.

Applaus, Applaus. Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis, Dirigent Claudio Büchler (stehend) und das Universitätsorchester Innsbruck konzertierten am Sonntagabend im Innsbrucker Congress.
© Andras Borgo

Von Markus Schramek

Innsbruck –Sonntagabend im Saal Tirol. Eine der größten Konzertlokalitäten Innsbrucks ist bereit. Bunt gemischt das Publikum, so jung, wie es bei klassischen Darbietungen selten ist. Die ideale Gelegenheit also, um zu vermitteln, welche Wirkung Klassik zu entfalten vermag, vermeintlich angestaubt, weil Jahrhunderte alt, wie sie nun einmal ist. Das Universitätsorchester Innsbruck ist aufgeboten, eine Auswahl von, wohlgemerkt, Hobbymusikern aller Studienrichtungen, Studenten und Absolventen, 86 Personen an der Zahl.

Und das universitäre Klangkollektiv nutzt die Chance: zwei Stunden auf hohem Niveau. So macht „ernste“ Musik Spaß, Ausführenden wie Zuhörern gleichermaßen.

Das Uniorchester wird heuer 100 Jahre alt. Claudio Büchler leitet das musizierende Großgemenge seit 15 Jahren künstlerisch und als Dirigent. Es ist sein Orchester, das merkt man wohl.

Büchler versprüht am Pult Temperament und Leidenschaft. Immer wieder hebt er für Momente vom Boden ab, er scheint fortwährend im (lautlosen) Gespräch mit dem Orchester. Er hat das Geschehen im Griff, auch wenn ihm bei Schuberts Sinfonie in h-Moll (als „Die Unvollendete“ bekannt) der Dirigentenstab aus der Hand entfleucht.

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Das Taktgebergerät taucht in südöstlicher Richtung zwischen den 1. und 2. Geigen unter und findet, auf magische Weise, ganz unauffällig seinen Weg zurück zum Absender. Dieser dirigiert Schubert übrigens ganz ohne Blick in die Partitur, auswendig, mit Augen nur für das Orchester.

Dann feiert Marie-Claude Chappuis, unter Brigitte Fassbaender Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater, ein Comeback in Innsbruck.

Die Schweizer Mezzosopranistin ist auf vielen Bühnen gerne gesehen und gehört, warum, das wird nach wenigen gesungenen Takten klar. Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ werden bei Chappuis zum Ereignis. Schöner kann man gar nicht unglücklich verliebt sein als nach diesen Noten.

Chappuis’ volle, warme, akzentuierte, mit einem Wort schöne Stimme steuert geradewegs die Herzen der Zuhörerschaft an. Das Orchester liefert die stimmungsvolle Klangkulisse und lässt der Solistin Raum zur Entfaltung.

Johannes Brahms’ Sinfonie Nr.2 in D-Dur folgt nach der Pause als krönender Abschluss. Dass es sich hier nicht um Profimusiker handelt, ist erstaunlich. Süßer die Geigen nie klingen, feinste Soloarbeit von Oboe, Horn und Flöte, ein sinfonisches Spektakel im finalen 4. Satz. Etliche Bravos aus dem gut gefüllten Saal, ein sichtlich gerührter Dirigent, gefeiert von seinem Orchester.

Der Erlös des Abends geht an drei Einrichtungen für die Betreuung von Kindern. Eine weitere sehr schöne Note. Wie sich das Uniorchester überhaupt als sympathischer Botschafter der hiesigen Hochschule präsentiert.


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