Weltweite Trauer um NBA-Legende Kobe Bryant

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Die Sportwelt trauert um eine Basketball-Legende: Der ehemalige NBA-Superstar Kobe Bryant verunglückte am Sonntagvormittag (Ortszeit) bei einem Hubschrauberabsturz in der kalifornischen Stadt Calabasas tödlich. Insgesamt neun Menschen starben bei dem Unglück, darunter auch Bryants 13-jährige Tochter Gianna, die an einem Basketball-Turnier in Calabasas hätte teilnehmen sollen.

„Es gibt keine Überlebenden. Es waren neun Personen an Bord, der Pilot und acht Passagiere“, bestätigte der Polizeichef der Region Los Angeles, Alex Villanueva, dass der Helikopter bei Nebel abgestürzt und in Flammen aufgegangen sei. Diese Nachricht schockte nicht nur die National Basketball Assocation (NBA), die den Verlust „eines der wahrhaft größten Basketballer aller Zeiten“ bedauerte.

Der Unfalltod von Bryant, der seine Ehefrau Vanessa und drei weitere Töchter hinterlässt, wurde auch weit über die Sportwelt hinaus mit ungläubigem Entsetzen aufgenommen. Sogar die ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton sowie zahlreiche Weltstars aus dem Film- und Musikgeschäft drückten über die sozialen Medien ihre Trauer über den Tod des 41-Jährigen aus.

„Heute haben Los Angeles, Amerika und die Welt einen Helden verloren. Wir stehen hier, und unsere Herzen sind gebrochen, im Haus, das Kobe erschaffen hat“, sagte etwa Alicia Keys am Sonntag zu Beginn der Grammy-Verleihung im Staples Center, der Heimspielstätte der Los Angeles Lakers.

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„Worte können den Schmerz nicht ausdrücken, den ich fühle“, ließ indes NBA-Aushängeschild Michael Jordan über seine Sprecherin mitteilen. „Ich habe Kobe geliebt - er war wie ein Bruder für mich“, betonte der sechsfache NBA-Champion und nunmehrige Besitzer der Charlotte Hornets, der das große Vorbild von Bryant gewesen war.

Bryant, der am 23. August 1978 in Philadelphia geboren wurde, wuchs als Sohn des damaligen NBA-Spielers Joe Bryant auf und zog mit seiner Familie in seiner Kindheit und Jugend zeitweise nach Italien, als sein Vater dort aktiv war. Seine Eltern benannten ihn nach dem Kobe-Steak, das sie laut offizieller NBA-Biografie auf einer Speisekarte entdeckt hatten.

1996 kam Bryant in die NBA, ohne zuvor ein College besucht zu haben. Die Lakers sicherten sich die Rechte an dem Toptalent, nachdem sie ein Tauschgeschäft mit den Charlotte Hornets eingefädelt hatten. Bis zu seinem Karriereende 2016 spielte Bryant ausschließlich für das Glamour-Team aus L.A. und wurde insgesamt fünf Mal Meister (2000, 2001, 2002, 2009 und 2010) in der besten Basketball-Liga der Welt.

2008 erhielt der 1,98 Meter große Shooting Guard, der oft mit Jordan verglichen wurde, die Auszeichnung als wertvollster Spieler (MVP). Zudem holte er im selben Jahr in Peking ebenso wie 2012 in London mit dem US-Team Olympia-Gold.

Mit 33.643 Punkten in Grunddurchgangsspielen ist die „Black Mamba“ - so Bryants offizieller Spitzname - die Nummer vier im ewigen Punkteranking der NBA. Erst am Samstagabend war er vom seit der vergangenen Saison ebenfalls für die Lakers spielenden LeBron James (3.655) überholt worden. Nur die beiden NBA-Legenden Kareem Abdul-Jabbar (38.387) und Karl Malone (36.928) haben noch mehr Punkte in der „regular season“ erzielt.

Bryant, der 18 Mal ins All-Star-Team berufen wurde, hatte seine NBA-Karriere nach 20 Jahren am 13. April 2016 beendet und feierte danach noch einen ganz großen Erfolg: 2018 erhielt er für den Animations-Kurzfilm „Dear Basketball“, bei dem er gemeinsam mit Glen Keane Regie führte, den Oscar. Als Vorlage dafür diente sein gleichnamiges Gedicht, mit dem er seinen Rücktritt angekündigt hatte. Darin beschreibt Bryant auf berührende Weise, wie er sich im Alter von sechs Jahren in diesen Sport verliebt und ihm alles gegeben habe.

Neben seinen erfolgreichen Finalauftritten glänzte Bryant ganz besonders in der Partie am 22. Jänner 2006, als er beim 122:104-Heimerfolg der Lakers über die Toronto Raptors sagenhafte 81 Punkte erzielte. Es ist dies noch immer die zweithöchste Ausbeute in einem NBA-Match nach den legendären 100 Punkten von Wilt Chamberlain am 2. März 1962.

Im Laufe seiner 20-jährigen Profikarriere kassierte Bryant insgesamt 323 Millionen US-Dollar (rund 293 Mio. Euro). Im Dezember 2017 zogen die Lakers seine Trikots mit den Nummern 8 (bis 2006) und 24 unter die Hallendecke des Staples Centers in Los Angeles. Somit werden diese beiden Nummern vom 16-fachen NBA-Champion aus L.A. nie wieder vergeben.

Die acht Sonntagspartien der NBA wurden zwar allesamt gespielt, waren aber von Bryants Unfalltod überschattet. Die San Antonio Spurs mit dem Wiener Jakob Pöltl und Meister Toronto Raptors ehrten den ehemaligen Lakers-Superstar in ihrem Match mit einer ganz besonderen Geste: In Erinnerung an dessen Rückennummer 24 ließen beide Teams bei ihren jeweils ersten Angriffen die 24 Sekunden auf der Wurfuhr einfach runterlaufen, ohne den Korb zu attackieren.

„Heute ist ein trauriger Tag für den Basketball-Sport. Wir alle waren geschockt, als wir vom tragischen Ableben von Kobe gehört haben. Ich wünsche den Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit“, schrieb Pöltl unmittelbar nach der knappen 106:110-Niederlage gegen seinen Ex-Club auf Facebook.


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