In Bayern erster Coronavirus-Fall Deutschlands bestätigt

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In Deutschland ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern habe sich infiziert, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am späten Montagabend mit. Der Patient befinde sich klinisch in einem guten Zustand. „Er wird medizinisch überwacht und ist isoliert.“

Am Dienstagvormittag sollte es bei einer Pressekonferenz weitere Informationen geben. Der Ministeriumssprecher betonte: „Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der „Task Force Infektiologie“ des LGL und vom Robert Koch-Institut (RKI) derzeit als gering erachtet.“

In Österreich gibt es derzeit drei Verdachtsfälle, zwei in Wien und einen in Kärnten. Zwei vorherige hatten sich nicht bestätigt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte nach einer Sitzung des Einsatzstabs im Innenministerium, dass die Ankunft des Coronavirus in Europa „kein Grund für Panik ist“. Österreich könne „nicht besser vorbereitet sein“, betonte er. Mittlerweile sind weltweit fast 2800 Infektionen mit dem von China ausgehenden Virus 2019-nCoV bestätigt. Die Zahl der Toten in China stieg auf 81.

Während die chinesischen Behörden die Ausbreitung der Krankheit mit immer drastischen Maßnahmen zu stoppen versuchen - am Dienstag wurde etwa der öffentliche Verkehr in der Millionenstadt Tangshan in der Provinz Hebei komplett eingestellt - wuchs weltweit die Angst vor dem Virus. Die USA rieten ihren Bürgern von Reisen nach China überhaupt ab und kündigten an, ihre ausreisewilligen Staatsbürger aus Wuhan auszufliegen. Ähnliche Ankündigungen machten auch Japan, Frankreich und Großbritannien. Die Mongolei schloss ihre Grenze zu China.

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Ein Forscherteam der Hongkonger Universität vermutet auf Grundlage mathematischer Modelle bereits mehr als 40.000 Infektionen. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sich die bisher begrenzte Epidemie zu einer Pandemie ausweiten könnte“, warnte Teamleiter Gabriel Leung. Dafür seien rasche „drakonische“ Beschränkungen der „Mobilität“ der Menschen nötig.

Um eine Weitergabe des Virus am Arbeitsplatz zu verhindern, verlängerte die Zentralregierung in Peking die landesweiten Ferien zum chinesischen Neujahr bis Sonntag. Als erstes ranghohes Mitglied des Politbüros reiste Ministerpräsident Li Keqiang in die zentralchinesische Provinz Hubei und ihre Hauptstadt Wuhan.

Malaysia, das vier Virus-Erkrankte hat, kündigte am Montag an, für Reisende aus Hubei vorläufig keine Visa mehr auszustellen. Aus Sorge, das Virus könnte auch die Mongolei erreichen, schloss die Regierung die knapp 4.700 Kilometer lange Grenze zu China. Bis 2. März sollen darüber hinaus Schulen und Universitäten geschlossen bleiben, alle Massenveranstaltungen wie Konferenzen, Sportkämpfe und Konzerte sowie Reisen wurden untersagt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO korrigierte unterdessen eigene Angaben zum internationalen Gefährdungsniveau durch das neuartige Coronavirus. Weltweit sei die Gefährdung „hoch“. In Erklärungen der WHO vom Donnerstag, Freitag und Samstag vergangener Woche hatte es dagegen immer geheißen, das Risiko sei „sehr hoch in China, hoch in der Region und moderat auf weltweitem Niveau“. Dies sei ein „Formulierungsfehler“ gewesen, sagte WHO-Sprecherin Fadela Chaib. Sie betonte, dass die neue Formulierung nicht die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstandes bedeute. Dieser wird nur äußerst selten erklärt.


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