„The Royal Train“: Realitätsverweigerung im hochherrschaftlichen Zug

Johannes Holzhausens Dokumentarfilm „The Royal Train“ begleitet eine Prinzessin durch die rumänische Provinz – und verliert sich dabei.

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Schlussbild einer royalen Tragikomödie: Rumäniens ehemaliger König Mihai starb Ende 2017 im Schweizer Exil. Sein Sarg wurde im „Royal Train“ überführt. Prinzessin Margareta erweist ihrem Vater die letzte Ehre. Wenig später wird sie den Wartenden am Bahnsteig zuwinken.
© Stadtkino

Von Joachim Leitner

Innsbruck –Prinzessin Margareta ist gewissermaßen ein Anti-Harry: Während der britische Prinz sich dieser Tage darum bemüht, „pomp and circumstance“ den Rücken zu kehren, beharrt Margareta, die Tochter des einstigen rumänischen Königs Mihai, mit ernster Miene auf der Besonderheit blauen Blutes – obwohl das Königreich Rumänien (1881–1944) eine historische Randnotiz und zeit seiner Existenz kaum mehr als Spielball für Großmachtpolitik war.

In einem hochherrschaftlichen Zug von anno dazumal gondelt Margareta einmal im Jahr durchs Land, steuert Provinzbahnhöfe an, lässt sich mit ihrem Mann, dem ehemaligen Schauspieler, studierten Militärhistoriker und Beinahe-Präsidentschaftskandidaten Radu, nach streng getaktetem Protokoll beklatschen – und prüft die dabei entstandenen Fotografien später auf ihre repräsentative Verwertbarkeit. Im rumänischen Parlament darf sie an ausgewählten Anlässen als „Hüterin der Krone“ salbungsvolle Nichtigkeiten verlautbaren. Im mondänen Eigenheim nickt sie die Werbe­sprüche vermeintlicher Hoflieferanten ab – und gestattet Hofberichterstattern Einblick in ihr hochherrschaftliches Gedankengebäude.

Der Salzburger Filmmacher Johannes Holzhausen hat sie dabei mehrere Monate beobachtet. Selbst bei einem Staatsbesuch des einigermaßen ratlos dreinblickenden britischen Thronfolgers Charles war seine Kamera dabei, fing den eigentümlichen Widerstreit von royalem Anspruch und profaner Wirklichkeit ein. Holzhausen stellt royale Realitätsverweigerung aus – ohne sie zu denunzieren. Das übernehmen die Protagonisten selbst, die mit geschmäcklerischem Gestus feine Tropfen bechern – und immer dann, wenn sie sich unbeobachtet wähnen, vom Rumänischen ins Englische wechseln, weil Margareta in dieser Sprache großgezogen wurde. Nur das Vaterunser wurde im Schweizer Exil auf Rumänisch gebetet.

„Entweder sind wir zu früh oder zu spät geboren worden“, sagt eine von Rumäniens letzten echten Royalisten am Sterbebett. Dass das Land, in dem sie lebt und viel erlitten hat, ganz andere Sorgen hat als Glanz und Gloria einer zurechtgeträumten Monarchie, steht da schon lange außer Frage.

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Trotzdem ist „The Royal Train“ mit seinen knapp 90 Minuten Laufzeit zu lang. Etwas ziellos werden Szenen aneinandergereiht, die letztlich das immer Gleiche bebildern: das bizarre Behaupten einer Tradition, die sich von jeder Lebensrealität gelöst hat. Manche Bilder allerdings wirken nach. Wenn Lenin-Bronzen für eine Königsbüste geopfert werden, wird klar: Material ist geduldig. Das beste, weil schonungsloseste Bild dieser der Realität abgetrotzten Tragikomödie präsentiert Johannes Holzhausen ganz zum Schluss: Im Dezember 2017 stirbt Ex-König Mihai 96-jährig im Exil in der Schweiz. Sein Sarg wird in einem „Royal Train“ in die alte Heimat überführt. Margareta und Radu erweisen dem Altmonarchen die letzte Ehre. Der Zug fährt in einen Bahnhof ein. Man hört, dass sich draußen etwas tut. Das Prinzenpaar ohne Reich tritt ans Fenster – und winkt den Wartenden zu: Die Show muss weitergehen.

Info

A Royal Train. Premiere in Anwesenheit von Johannes Holzhausen am Freitag, 31. Jänner, im Innsbrucker Leokino. Beginn: 20.20 Uhr.



Ab Samstag, 1. Februar, im Cinematograph.


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