Federer drehte verrücktes Match in Melbourne

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Der Schweizer Roger Federer hat am Dienstag bei den Australian-Open auf unglaubliche Art und Weise zum 15. Mal das Halbfinale erreicht. Körperlich angeschlagen, wehrte er gegen den US-Amerikaner Tennys Sandgren sieben Matchbälle ab und siegte 6:3,2:6,2:6,7:6,6:3. Er trifft nun auf Novak Djokovic (SRB), der Milos Raonic(CAN) besiegte. Bei den Damen steht Lokalmatadorin Ashleigh Barty im Semifinale.

Nach dem Fünfsatz-Thriller in der 3. Runde gegen John Millman, als Federer im Super-Tiebreak nur zwei Punkte vom Ausscheiden entfernt gewesen war, setzte er gegen Sandgren noch einmal einen drauf. Offensichtlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte - er berichtete danach über Leistenprobleme - wehrte der 20-fache Grand-Slam-Champion im vierten Satz sieben Matchbälle ab, drei davon beim Stand von 3:6 im Tiebreak.

Irgendwie schaffte es der sechsfache Australian-Open-Sieger aber, in der Partie zu bleiben. Im fünften Satz wirkte Federer wieder frischer, schlug wieder härter auf und bewegte sich auch wieder besser. Beim Stand von 3:2 gelang ihm mit einer starken Vorhand das letztlich entscheidende Break. Nach dreieinhalb Stunden setzte sich Federer 6:3,2:6,2:6,7:6(8),6:3 durch.

Federers Probleme hatten nach einem soliden ersten Satz begonnen, als er seinem Gegenüber mit einem Volley-, Vorhand- und Smash-Fehler ein Services-Spiel quasi schenkte. Der Schweizer bewegte sich schlecht, spielte fehlerhaft und verlor den zweiten Satz klar. Auch zu Beginn des dritten Durchgangs geriet er gleich in Rückstand. Bei 0:2 und 40:30 und Aufschlag von Sandgren wurde er verwarnt, weil er sich laut einer Linienrichterin unflätig geäußert hatte.

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Kurz danach verschwand Federer in der Kabine und ließ sich vom Physiotherapeuten behandeln. Laut Federer bekundete er Probleme mit den Adduktoren, im dritten und vierten Satz wirkte er stark handicapiert. Doch irgendwie schaffte es Federer, in der Partie zu bleiben. „Manchmal braucht man einfach auch Glück“, sagte er. „Sieben Matchbälle hat man nicht unter Kontrolle. Ich glaube an Wunder. Ich habe es nicht verdient, aber ich stehe hier und bin natürlich sehr glücklich.“

In seinem 46. Grand-Slam-Halbfinale trifft der 38-Jährige am Donnerstag auf Titelverteidiger Novak Djokovic. Der als Nummer 2 gesetzte Serbe besiegte den Kanadier Milos Raonic (Nr. 32) 6:4,6:3,7:6(1). Es ist das 50. Duell für Federer. Das bisher letzte im November bei den ATP Finals in London gewann er in zwei Sätzen. Seinen bisher letzten Sieg bei einem Grand Slam gegen Djokovic gelang dem Schweizer jedoch vor knapp acht Jahren. Im Head-to-Head führt der 32-jährige Serbe mit 26:23.

Bei den Damen hat die Weltranglisten-Erste Barty als erste australische Tennisspielerin seit 1984 das Halbfinale in ihrer Heimat erreicht. Die 23-Jährige besiegte die Tschechin Petra Kvitova (CZE-7) mit 7:6 (8:6), 6:2. Barty bekommt es im Halbfinale mit der Amerikanerin Sofia Kenin (USA-14) zu tun.

Kenin beendete im Duell der Viertelfinal-Debütantinnen den historischen Erfolgslauf der ungesetzten Tunesierin Ons Jabeur glatt 6:4, 6:4. Die Nummer 78 der Weltrangliste war als erste arabische Frau in ein Grand-Slam-Viertelfinale eingezogen. Im Achtelfinale hatte Kenin den Erfolgsweg der erst 15-jährigen Amerikanerin Cori Gauff in Melbourne beendet. Bei einem weiteren Sieg könnte die 23-Jährige erstmals in die Top 10 vorstoßen.

Barty hat indes Chancen, als erste Australierin seit Chris O‘Neil im Jahr 1978 das Turnier in Melbourne zu gewinnen. Ihr Sieg über Kvitova ist eine Revanche für eine Niederlage im Vorjahr. Damals hatte die zweifache Wimbledon-Siegerin das Viertelfinal-Duell mit Barty für sich entschieden und war dann bis ins Finale gekommen.


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