Raus aus dem Rampenlicht

Das Leben im Scheinwerferlicht hat auch viele Schattenseiten. Statt es zu suchen, ziehen sich Prominente zurück. Eine typische Gegenbewegung.

  • Artikel
  • Diskussion
© www.imago-images.de

Die einen verschlingen alle Rückzug-Neuigkeiten, die mit Englands Prinz Harry und Ehefrau Meghan zu tun haben, für die anderen ist „Megxit“ schon jetzt das Unwort des Jahres. Dabei ist die Flucht vor dem Scheinwerferlicht kein Einzelfall. Man muss nicht einmal die heimischen Grenzen verlassen, um prominente Beispiele zu finden.

Die drei alpinen Superstars Österreichs haben dem roten Teppich nach ihren Karriereenden den Rücken zugekehrt: Sowohl Hermann Maier als auch Stephan Eberharter und zuletzt Marcel Hirscher genießen die familiäre Ruhe nach dem Fan-Ansturm. Alle drei legen Wert darauf, dass vom Privatleben nichts an die Öffentlichkeit gelangt, geschweige denn in so genannten Klatschspalten breitgetreten wird.

Dabei sind es die geliebten Helden der Ski-narrischen rot-weiß-roten Nation. Viele Menschen würden gerne gerade über sie mehr erfahren. Warum also ziehen sich die heimischen Lieblinge zurück? „Der extreme Fokus auf einen ist nett. Wenn jemand noch Sponsorenverträge braucht, wird er das nutzen. Wenn dann aber alle Schäfchen im Trockenen sind, dann wird die extreme Aufmerksamkeit lästig“, erklärt Christa Schirl.

Langer Prozess

Für die in Linz tätige Psychotherapeutin trägt auch die Digitalisierung und die Social-Media-Entwicklung dazu bei, dass Prominente versuchen, sich der großen Aufmerksamkeit zu entziehen. „Wenn in den 60er-Jahren jemand ein Foto von Entertainer Peter Alexander gemacht hat, ist dieses im Familienalbum gelandet. Heutzutage werden alle Bilder, egal in welcher Situation man denjenigen erwischt, über Kanäle wie Instagram weltweit verschickt“, gibt Schirl als Beispiel. „Früher konnte man noch in Ruhe wo hingehen. Heutzutage hat Prominenz einen hohen Preis.“ Einem Rückzug, sogar mit Niederlegung der Ämter, wie es das royale Paar gemacht hat, würde oftmals ein langer Prozess vorausgehen.

So wohl auch bei den Pop-Superstars Pink und Ed Sheeran, die beide nach kräftezehrenden Tourneen Ende 2019 eine längere Pause angekündigt haben. Der Brite hatte 280 Gigs mit über neun Millionen Zuschauern und vielen kreischenden Anhängerinnen hinter sich. Schirl zieht einen schmackhaften Vergleich: „Das ist, wie wenn man immer in einem Fünf-Sterne-Hotel speist und sich dann nach einem Butterbrot sehnt. Und manche Promis fasten eine Zeit lang.“

Der „Herminator“ ist seit seinem Rücktritt 2009 gesättigt. Schon mit dem Olympiasieg drei Tage nach dem spektakulären Sturz 1998 in Nagano wurde er zur lebenden Legende und hat laut seinem Medienbetreuer Walter Delle Karth „schon sehr viel gesehen. Deswegen sind seine Auftritte handverlesen.“ Beim Hahnenkammrennrummel vergangenes Wochenende in Kitzbühel gab der 47-Jährige am „noch ruhigeren“ Donnerstag ein Interview und fuhr dann wieder nach Hause.

Typische Gegenbewegung

„Aber Hermann meidet das Leben in Gesellschaft nicht“, betont Delle Karth: „Er besucht immer wieder Unternehmen und spricht mit den Leuten vor Ort.“ Es sind jedoch Zusammenkünfte, die von seinem Sponsor ausgehen, für den er auch in TV-Werbefilmen zu sehen ist – zusammen mit Hirscher (gleicher Geldgeber). Und er tritt bei den ORF-Filmen „Universum“ in Erscheinung – am Bildschirm. Delle Karth räumt ein, dass Maier Social Media ablehne, ihm seine Familie heilig sei und der „rote Teppich nicht seine Welt ist“. Die Langeweile, die Maier nach seinem Rücktritt vom Rennsport Menschen vorausgesagt hätten, „ist jedoch noch nie aufgetreten“.

Fad wird Wolfgang Feiersinger ebenfalls nicht. Der ehemalige österreichische Fußball-Nationalspieler und Champions-League-Sieger mit Deutschlands Traditionsverein Borussia Dortmund genießt nach dem Trubel die Ruhe am Berg. Seit 2009 betreibt er mit Lebensgefährtin auf 1557 Metern die Hochwildalmhütte in Aurach.

Für Psychologin Schirl eine typische Gegenbewegung, die schon immer auf der Welt zu beobachten ist: „Mittlerweile steht jedem Fleisch zur Verfügung und jetzt gibt es so viele Vegetarier wie noch nie. Sie verzichten auf das Schnitzel, weil es einfach zu viel davon gab.“

© imago sportfotodienst
© imago stock&people

Kommentieren


Schlagworte