Ein perfekter Einsatz der Retter am Hahnenkamm in Höfen

Nur drei Stunden ab der Alarmierung waren alle Wintersportler wieder auf sicherem Boden. Seilbahn wurde bereits leergefahren, als der Baum fiel.

Die Volksschulkinder wurden entspannt und gefahrlos aus den Gondeln der Reuttener Seilbahnen zu Boden geseilt.
© Bergrettung Reutte

Von Helmut Mittermayr

Höfen –Die Angst vor dem Abseilen war den Reuttener Volksschulkindern schnell genommen. Bergrettungsobmann Franz-Peter Angerer erzählte ihnen etwa, nachdem er eine Gondel erreicht hatte, von der bevorstehenden „Befreiung aus dem Gefängnis“ und der besonderen Belohnung, die dafür auf alle warten würde – eine Fahrt mit der Pistenraupe. Da trocknete auch die letzte Träne im Nu und alle wollten runtergelassen werden – zur versprochenen Pistenraupe, die dann auch die wertvolle Fracht an sichere Orte weiterbrachte.

Was ein wenig nach Kindergeburtstag klingt, war am Dienstag Ernstfall bei den Reuttener Seilbahnen, nachdem gegen Mittag – wie berichtet – ein Baum ins Seil gefallen war. 31 Personen waren in den Achtergondeln gefangen. Deren Evakuierung gelang dann geradezu vorbildlich. Vor allem auch deswegen, weil alle Beteiligten genau das Richtige getan hatten und die Bergretter diese Problematik Jahr für Jahr am Hahnenkamm simuliert und trainiert hatten.

Bergrettungschef: „Wir können alle sehr stolz sein“

Viele kleine Details funktionierten bestens. So kann die Reuttener VS-Direktorin Katrin Santer-Astl berichten, dass die Kommunikation außerordentlich transparent war. Eltern und Schule wussten zu jeder Zeit, wo ihre Kinder gerade umgingen. Das verhinderte Emotionen im Tal. Die 2. Klassen der VS Reutte haben gerade ihre Skiwoche und zwölf Kindern saßen in den Gondeln, als eine Windböe einen Baum entwurzelte und ins Seil fallen ließ. Tags darauf waren die Volksschüler schon wieder am Schollenwiesenlift unterwegs, da die Reuttener Seilbahnen noch die notwendigen Revisionen durchführen mussten.

Als der Notfall eintrat, erwies es sich als sehr hilfreich, dass in jeder einzelnen Gondel mit den sieben- und achtjährigen Volkschulkindern zudem eine Lehrerin und ein Skilehrer der Skischule Hahnenkamm saßen, die den Skikurs durchführte. Eine obligatorische Vorsichtsmaßnahme. Direktorin Santer-Astl dankt allen Helfern, insbesondere der Bergrettung Reutte, für ihren vorbildlichen Einsatz.

Reuttes Bergrettungschef Franz-Peter Angerer ging mit insgesamt 30 Mann in Einsatz, darunter auch Bergretter der Ortsstellen Vils und Nesselwängle. „Dass die eigentliche Rettung in drei Stunden ab der Alarmierung erledigt war, darauf können wir alle stolz sein“, sagt Angerer. Er erinnert daran, dass ja alle Retter einer Arbeit nachgingen, erst anfahren und auf den Berg gebracht werden müssten. Dann müssten alle Gondeln abgesucht, Stützen bestiegen und die Bergretter über das Tragseil zum Dach der Gondel abfahren. Ein Retter befinde sich dann in der Gondel, der andere, der die Geretten übernimmt, am Boden.

Bergretter doppelt gefordert

Der Knackpunkt ist laut Angerer hier oft nicht das Abseilen der Wintersportler aus den Gondeln selbst, sondern im Folgenden die sichere Verbringung am Boden. Auch am Hahnenkamm gebe es zum Beispiel einen tiefen Einschnitt auf der Höhe Geschiebesperre, der lawinengefährdet sein könnte. Dafür würde es dann eigene Bergenmaßnahmen mit Extraseillängen bis zu 200 Metern geben. Überhaupt würden über den Berg verteilt auf jedem Abschnitt vom Seilbahnunternehmen die passenden Bergegeräte dauerhaft vorliegen, damit umgehend darauf zugegriffen werden könne. Das habe am Dienstag wieder bestens funktioniert.

Die Wegbringung der Abgeseilten gestaltete sich Dienstag aber nicht schwierig, weil sich fast alles oben am Berg in Pistennähe abspielte. Bahnenchef Peter Gerber merkt dazu an, dass die Mitarbeiter wegen des aufkommenden Windes im Tal bereits niemanden mehr einsteigen hatten lassen und der größte Teil der vom Tal kommenden Gondeln bereits ohne Fracht war. „Wir waren dabei, alles leerzufahren, und hätten noch zehn Minuten gebraucht.“ Jedenfalls konnten die Abgeseilten am Berg schnell zu Hütten oder gleich zu Raupen geführt werden, die sie ins Tal brachten. Gefordert waren die Bergretter dann doppelt, weil alle Geräte wieder nach oben gebracht werden mussten, um drei weitere Gondelfahrer zu bergen, die sich auf Talfahrt befunden hatten.

Wiedereröffnung spätestens am Freitag

Seilbahnbesitzer Peter Gerber erinnert daran, dass sich noch jemand voll ins Zeug gelegt hat – nämlich seine Mitarbeiter. Sie hätten bis fast zehn Uhr abends hart gearbeitet. Er dankte zudem auf der Homepage neben den Rettern auch Holzer Michael Ennemoser, „der den entwurzelten Baum in kurzer Zeit vom Seil der Bahn entfernte“.

Am Mittwoch wurde die Bahn von Spezialfirmen untersucht und in Sachen Seil, das „geröntgt“ wurde, bereits Entwarnung gegeben. Das Verkehrsministerium hat aber auch noch eine forsttechnische Prüfung im Bereich des Baumsturzes vorgeschrieben, die erst heute vorgenommen werden kann. Allfällige beanstandete Bäume würden sofort gefällt. Dann muss auch noch eine dreistündige Leerfahrt absolviert werden. „Das heißt, dass wir mit etwas Glück heute im Lauf des Tages wieder aufsperren können, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aber am Freitag“, sagt Gerber zur Tiroler Tageszeitung.


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