„21 Bridges“: Jagd-Saison in der New Yorker Nacht

In „21 Bridges“ geht Chadwick Boseman auf nächtliche Verbrecherjagd in Manhattan. Ein solider, harter Polizei-Thriller mit viel Adrenalin.

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Zwei Polizisten auf Verbrecherjagd: Andre Davis (Chadwick Boseman) und Frankie Burns (Sienna Miller).
© Constantin

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – 21 Brücken verbinden die Halbinsel Manhattan mit dem Rest New Yorks. Auf Manaháhtaan, wo einst Native Americans jagten und das Land den Europäern für 60 Gulden verkauften, inszeniert „21 Bridges“ in der Gegenwart eine ganz andere Jagd.

Ein totaler Shutdown der Verkehrsverbindungen dient als perfekt reduzierte Prämisse eines urbanen Verfolgungs-Thrillers. Als nämlich bei einem Diebstahl acht Polizisten getötet werden, lässt der zuständige Detective Andre Davis (Chadwick Boseman) die Insel komplett abriegeln.

Es ist mitten in der Nacht, seine Chefs geben ihm bis zum Morgengrauen, um die beiden Täter zu finden. Zusammen mit der Drogen-Kommissarin Frankie Burns (überzeugend: Sienna Miller) macht sich Andre mit der gesamten New Yorker Polizei im Rücken auf die Suche – und findet mehr als erwartet.

Die Jagd beginnt als schnelles Katz-und-Maus-Spiel, erweitert sich jedoch im Laufe der Nacht zu Korruptions-Ermittlungen in den eigenen Reihen. Der charismatische Top-Cop Andre ist unerbittlich, vor allem wenn es um Polizistenmörder geht. Aber auch bei Verfehlungen von Kollegen drückt er kein Auge zu. Sein Ethos rührt aus seiner Kindheit, als sein Vater im Dienst erschossen wurde.

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Trailer zu „21 Bridges“

So gesehen unterscheidet sich diese Heldenrolle gar nicht so sehr von der des moralisch integren Black Panthers T’Challa, mit der Boseman berühmt wurde. Auch das Marvel-Duo Anthony und Joe Russo produziert den zweiten Spielfilm des irischen Serien-Regisseurs Brian Kirk mit.

Der Film beginnt mit den Tränen des kleinen Andre beim Begräbnis des Polizistenvaters. 19 Jahre später sagt Andre vor der internen Untersuchungskommission aus. Er habe seine Waffe nie ohne triftigen Grund benutzt und nie als Erster geschossen. Damit ist der Konflikt mit weniger zimperlichen Kollegen vorprogrammiert.

Die Polizei, besonders jene, die wir aus dem amerikanischen Kino kennen, ist eine eingeschworene Truppe, im Guten wie im Schlechten. Loyalität und so genannte Kameradschaft wiegen oft schwerer als Recht und Gesetz, besonders wenn es um die Jagd auf „Cop Killers“ geht. So deutlich spricht das Polizeichef Captain McKenna (großartig: J. K. Simmons) freilich nicht aus. „Blue Lives“ – wie sich die Polizei-Solidarität in Anlehnung an die „Black Lives Matter“-Bewegung nennt – sind viel wert in den USA.

Andre ist Afroamerikaner, ebenso wie einer der beiden Täter, Michael (Stephan James). Der Film bleibt nämlich nicht nur auf Seiten der Jäger, sondern gibt auch den Gejagten ein Gesicht. Es handelt sich um zwei Kriegsveteranen, die das Schlachtfeld immer noch im Kopf haben. Als Thema schwingt dabei im Verlauf des harten Action-thrillers immer mehr die Frage mit, was Polizisten und Verbrecher eigentlich trennt.

„21 Bridges“ ist kein Sozial- drama und kratzt nur an den Themen Polizeigewalt oder Korruption. Als nötiger Unterbau für die nicht übermäßig originelle, aber solide Action vor glänzender Wolkenkratzer-Kulisse reicht es aber allemal.

Die Gewalt der Schusswechsel ist unnötig deutlich und für facettenreiche Charakterstudien à la Michael Manns „Heat“ bleibt wenig Zeit in dieser New Yorker Nacht.

Im Fadenkreuz der Regie steht der Nervenkitzel der Verfolgung. „21 Bridges“ liefert konsequentes Thriller-Handwerk ab.


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