Kampf gegen Freizeitwohnsitze: Bürger helfen mit, Liste Fritz will „Taskforce“

Experten des Landes sollen laut Liste Fritz mutmaßlich illegale Freizeitwohnsitze kontrollieren. Zwei Goinger haben sich mit ihren „Meldungen“ nicht nur Freunde gemacht.

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Die Goinger Bürger Niki und Christine Freysinger, Liste-Fritz-Landtagsabgeordneter Markus Sint und Liste-Fritz-Bezirkssprecher Josef Niedermoser (v. l.) wollen weiterhin gegen illegale Freizeitwohnsitze kämpfen.
© Michael Mader

Von Michael Mader

St. Johann i. T. – Mit Stand vom 15. Jänner 2020 gibt es in Tirol 16.242 genehmigte Freizeitwohnsitze. Alleine im Bezirk Kitzbühel liegen 14 der 20 Gemeinden über der achtprozentigen Freizeitwohnsitzquote. Spitzenreiter sei dabei Westendorf vor Reith und Aurach – doch die Liste Fritz schätzt die Zahl der mutmaßlich illegalen Freizeitwohnsitze in Tirol auf noch einmal rund 10.000.

„Wir werden immer wieder gefragt, was an den Freizeitwohnsitzen so schlimm ist? Das Problem ist, dass sie kein primäres Wohnbedürfnis decken, nicht dass wir es ihnen nicht gönnen würden. Jeder Freizeitwohnsitz verteuert das Wohnen für alle. Die Rollos sind das ganze Jahr zu, die Dörfer werden zu reinen Schlafdörfern“, fällt Liste-Fritz-Landtagsabgeordnetem Markus Sint spontan ein. Er hat sich genauso wie das Goinger Ehepaar Christine und Niki Freysinger dem Kampf gegen diese „Fehlentwicklung“ verschrieben.

„Wir lassen uns ganz sicher nicht verunglimpfen“

Wie brennend das Thema ist, habe sich bei den beiden Informationsveranstaltungen in St. Johann und Westendorf gezeigt. Dabei spreche Sint unter anderem aber auch keine Einheimischen frei: „Es gibt einen Rattenschwanz an Profiteuren. Es gibt jemanden, der den Grund verkauft, es gibt einen Makler, einen Rechtsanwalt, eine Baufirma usw.“

Erneut richtet Sint einen Appell an die Bürger, eigene Beobachtungen zu machen und zu melden. Am besten über ein Meldungsformular, das auf der Homepage der Liste Fritz heruntergeladen werden kann – das gehe auch anonym.

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Dass dabei von Kritikern auch immer wieder das Wort Denunziation fällt, ärgert Sint: „Wir lassen uns ganz sicher nicht verunglimpfen, wenn wir die Bürgermeister ersuchen, die Gesetze einzuhalten.“

Feindliche Stimmen: „Viele haben Angst, das zu melden“

Dass man sich dadurch aber nicht immer nur Freunde macht, wissen Christine und Niki Freysinger aus Going nur allzu gut. „Wir haben uns da schon manchmal schuldig gefühl­t“, sagt Christin­e und ihr Mann ergänzt: „Da muss man sich schon einiges gefallen lassen, da ist man nicht mehr von jedermann der Liebling.“ Davon zeugen auch E-Mails, welche die beiden erhalten haben. Mehr wollen sie dazu aber nicht sage­n. Bestätigun­g würden die beiden aber auch erfahren, unter anderem natürlich von der Liste Fritz oder vom zuständigen Landesrat Johanne­s Tratter. Letzterer habe bestätigt, dass mutmaßlich illegale Freizeitwohnsitze gemeldet werden sollen.

Aber auch Josef Niedermoser, Bezirkssprecher der Liste Fritz, weiß, wie sehr die Thematik die Leute beschäftigt: „Unlängst bin ich mit Bürgern zusammengesessen, die mir in ihrem Ort 50 mutmaßlich illegale Freizeitwohnsitze gezeigt haben. Das würde in etwa 20 Prozent der Wohnsitze entsprechen. Bedenklich ist nur, dass viele Leute Angst haben, das zu melden.“

„Taskforce“: Dringlichkeitsantrag im Landtag

Laut Sint ist die nächste Hürde die Kontrolle durch den Bürgermeister bzw. die Gemeinde, „auch wenn es durchaus Bürgermeister gibt, die sich hier sehr engagieren“. Eines der Probleme ortet Sint in der fehlenden Erfahrung in den Gemeinden und auch in der Personalsituation. Verbesserung habe sicher der Leitfaden des Landes Tirol zur Feststellung eines Freizeitwohnsitzes gebracht, aber es brauche zur Kontrolle externes Personal.

Aus diesem Grund wird die Liste Fritz einen Dringlichkeitsantrag im Landtag einbringen, wonach eine juristisch und technisch spezialisierte Gruppe von Experten, eine Art „Taskforce“ des Landes, gebildet werden soll, welche die Kontrollen im ganzen Land durchführen soll. Ein ähnlich gelagertes Modell funktioniere bereits im touristischen Bereich, bei den Nächtigungskontrollen und bei den Kontrollen zur Wohnbauförderung.

In letzter Konsequenz muss laut Sint der rechtmäßige Zustan­d wiederhergestellt werden: „Wenn die Quote es zulässt, muss es ein legaler Freizeitwohnsitz werden, ansonsten bleibt nur der Verkauf des Objekts.“ Er wisse bislang aber von keinem Fall, der bis zum Ende durchgezogen worden sei.


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