Karwendel ist Österreichs Naturpark des Jahres 2020

Gleich im ersten Anlauf errang Österreichs größter Naturpark die begehrte Auszeichnung. 2020 liegt der Fokus auf „grenzenloser“ Naturparkarbeit.

Der Schutz alpiner Wildflüsse (im Bild der Rißbach) ist ein wichtiges Ziel im Naturpark.
© Sonntag bzw. Schoissengeier

Von Michael Domanig

Hall –Strahlende Gesichter gab es gestern bei Josef Hausberger und Hermann Sonntag, ihres Zeichens Obmann bzw. Geschäftsführer des Naturparks Karwendel: Sie konnten nicht nur den – positiv ausgefallenen – Jahresbericht 2019 präsentieren, sondern auch verkünden, dass das Karwendel die begehrte Auszeichnung als „Naturpark des Jahres 2020“ erhalten wird.

Gleich bei seiner ersten Bewerbung habe sich der Naturpark Karwendel unter fünf Anwärtern durchsetzen können, berichtete Franz Handler, Geschäftsführer des Verbands der Naturparke Österreichs – darunter „harte Konkurrenz“ wie die Naturparks Attersee und Ötscher.

Eine unabhängige Fachjury bewertete alle Aspekte der Naturparkarbeit. Besonders gelobt wurden die Tiroler für die Freiwilligenplattform „Team Karwendel“, die „österreichweit Vorbild und Benchmark“ sei, wie Handler meinte. Engagierte ehrenamtliche Helfer kümmern sich z. B. in anstrengender Handarbeit um Alm- und Biotop-Pflege. Hervorgehoben wurde auch das breite Umweltbildungsangebot – von der „Junior Ranger“-Ausbildung bis zu den Naturparkschulen (2019 erhielt mit der VS Scharnitz die sechste Schule dieses Prädikat). Die Auszeichnung bestätigt auch die Management- und Koordinationsarbeit im größten Naturpark Österreichs (727 km²) mit entsprechend vielen Akteuren und über 90 Projektpartnern. Die feierliche Urkundenübergabe ist im Sommer am Hafe­lekar geplant.

Zu den Highlights im neuen Infozentrum Scharnitz (r. o.) zählt ein Elchskelett.
© Sonntag bzw. Schoissengeier

2019 war für den Naturpark ein bewegtes Jahr mit klarem Höhepunkt – der Fertigstellung des modernen Besucherzentrums in Scharnitz (gemeinsam mit dem TVB Olympiaregion Seefeld und der Gemeinde). Es bietet neben geballten Infos auch Attraktionen wie ein ca. 2000 Jahre altes Elchskelett, das einzig komplette, das je in den Nordalpen gefunden wurde. Geöffnet ist wieder ab Mai.

Erfolge gab es im Naturschutzbereich: Seit über zehn Jahren setzt sich der Naturpark für Moor-Renaturierung ein, etwa im Gemeindegebiet von Achenkirch. Dabei wurden und werden Dämme errichtet, „um den Mooren Wasser zurückzugeben, das ihnen vor 50 Jahren bei der Trockenlegung genommen wurde“, erklärt Sonntag. Ein Forschungsprojekt zeigte als Zwischenbilanz nun, dass die Maßnahmen greifen – auch wenn sehr trockene Sommer die Erholung bremsen.

Die naturnahen Wildflüsse Rißbach und Obere Isar wiederum stehen im Fokus eines Interreg-Projekts mit Bayern: Gemeinsame Zielarten wurden festgelegt, eine einheitliche Beschilderung und Besucherlenkung umgesetzt, der Aufbau eines Monitoring-Systems gestartet. Dass man auch hier am richtigen Weg ist, zeigt die Rückkehr von „Zeigerorganismen“ wie der Gefleckten Schnarrschrecke, die es österreichweit nur noch in Tirol gibt.

Obmann Josef Hausberger, GF Franz Handler (Verband der Naturparke Österreichs) und GF Hermann Sonntag freuen sich über die Auszeichnung.
© Domanig

In Kooperation mit fünf TVB fanden 2019 274 Naturexkursionen mit über 2300 Teilnehmern statt, für Kinder gab es 106 Veranstaltungen mit über 2100 Teilnehmern.

Heuer wolle man den Schwung der Auszeichnung nutzen, um wichtige Projekte weiter zu forcieren, meint Sonntag. Der Fokus liege auf „grenzenloser“ Naturparkarbeit: Dazu zählt das große, grenzüberschreitende Interreg-Projekt „Wege des Holzes“, das die Kulturgeschichte der Holznutzung beleuchtet und heuer abgeschlossen wird. Ein dichtes Netzwerk an Museen (darunter die Holzerhütte in Scharnitz) ist dabei und soll auch für touristische Impulse sorgen. Beim Schutz alpiner Wildflüsse geht die Zusammenarbeit ebenfalls weiter. Verstärkt werden soll auch die öffentliche Anreise in den Naturpark (die Broschüre „Wöff­i – Wandern mit öffentlicher Anreise“ erlebte 2019 schon die vierte Auflage). Ab 30. Mai wird etwa der Takt des Bergsteigerbusses von Bad Aibling in die Eng stark verdichtet – mit sieben täglichen Verbindungen an Wochenenden.

Ebenfalls bis Mai soll ein gemeinsames Kinderbuch der Naturparkschulen fertig sein: Jede Schule übernimmt darin zwei Seiten bzw. die Patenschaft für drei Tierarten.


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