„Kaschmirgefühl“: Verbalerotisches Pingpong im Kellertheater

Vergnüglich und tatsächlich leicht prickelnd: Bernhard Aichners „Kaschmirgefühl“ im Kellertheater.

Nächtliche Beziehungskiste. Brigitte Jaufenthaler und Florian Eisner in „Kaschmirgefühl“.
© Kellertheater

Von Markus Schramek

Innsbruck – Hohe Promi­dichte am Dienstagabend im Kellertheater, auch die kulturpolitischen Spitzen von Stadt (Schwarzl) und Land (Palfrader) sind anwesend. Autor Bernhard Aichner stellt seine Zugkraft wieder einmal unter Beweis. Sein romanhaftes Erotikon „Kaschmirgefühl“ gelangt zur Uraufführung, in einer Fassung, die Aichner – wie auch die Regie – mit dem Ensemble erarbeitet hat.

Das Premierenpublikum erlebt eine vergnügliche Anbahnung zwischen Marie und Gottlieb, die sich telefonisch nächtens näherkommen. Marie ist in Sachen Verbal­erotik klar im Vorteil, jobbt sie doch im Homeoffice als fernmündliche Lustspenderin für eine Sexhotline. Gottlieb, ein Softi­e der Marke Teddybär, wirkt vergleichweise unbeholfen: „Ich will nur reden.“

Beide Dauertelefonierer trennt tatsächlich nur ein Innenhof; sie können einander vom Fenster aus beobachten. Jetzt aber psst! Sonst ist der ganze Plot schon heraußen.

Wenden wir uns lieber den Schauspielern zu. Das kann man kurz machen: Die Besetzung passt bestens. Brigitt­e Jaufenthaler als Marie und Florian Eisner als Gottlieb finden spürbar Gefallen daran, sich gegenseitig frei erfundene Storys aufzutischen. Man will das Gegenüber ja möglichst davon abhalten, das Gespräch zu beenden.

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Sinnbildlich für die nocturn­e Plauderei behängen die beiden Darsteller ihre jeweiligen Telefonierkabäuschen (Bühne: Luis Graninger) mit einem Wollfaden, kreuz und quer, genauso zickzack wie die Widersprüche, in die sie sich verstricken.

Jaufenthaler windet sich lasziv und sexy, ihre Einsamkeit schimmert aber stets durch. Eisner stolpert tapsig durch amouröse Gefühle, fast wie ein Teenager. Manchmal scheint er gar zu erröten, ob der Verruchtheiten, die ihm Marie zu Ohren kommen lässt, wie das M-Wort für das weibliche Genital oder Details der präferierten Intimrasur.

Die Spielfreude der zwei auf der Bühne ist ansteckend. Nach einer Aufwärmphase wird im vollen Keller herzhaft gelacht. Gedämpftes Licht und spacige Soundspuren unterlegen den Dirty Talk rund um die Geisterstund’.

Bernhard Aichner erwartet­e sich von „Kaschmirgefühl“, zumindest halbernst, die Wirkung eines Aphrodisiakums. Zitat: „Ich hoffe, dass die Besucher nach der Vorstellung nach Hause gehen und die ganze Nacht lang schmusen.“ Nähere Nachfragen daz­u unter­bleiben aus Gründen der Diskretion. Ein leichtes Prickeln, ein Frizzante, ist aber feststellbar. Immerhin.


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