Ansonsten geizte die Regierung eher mit Details

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„We are out“ - „Wir sind raus“, verkündete am 24. Juni 2016 BBC-Moderator David Dimbleby nach der Auszählung der Stimmen im Brexit-Referendum. Nun ist es wirklich so weit. Großbritannien wird die Europäische Union in der Nacht auf Samstag endgültig verlassen. Doch der Streit um den Brexit ist damit noch nicht beendet. London und Brüssel steht eine schwere Etappe bevor.

Erst jetzt können die Gespräche über die künftigen Beziehungen beginnen. In einer elfmonatigen Frist soll geklärt werden, wie es ab 2021 im Handel und auf anderen Feldern weitergeht. Kritiker halten den Zeitraum für viel zu kurz - neue Konflikte drohen. Die Gefahr eines ungeregelten Bruchs zum Jahresende ist also nicht vom Tisch.

Seine Verhandlungsziele will Premierminister Boris Johnson britischen Medien zufolge nächste Woche vorstellen. Souveränität sei wichtiger als reibungsloser Handel, will er laut „Telegraph“ in seiner Rede betonen. Der Bruch zwischen London und Brüssel soll viel klarer ausfallen als unter Johnsons Vorgängerin Theresa May geplant. Er will sein Land von der Anbindung an EU-Regeln frei machen und die Verbindungen weitgehend kappen.

Die EU-Kommission fordert indes eine möglichst enge Anbindung an EU-Standards. Davon soll abhängen, wie weit Großbritannien Zugang zum Binnenmarkt bekommt. Die Kommission will nächsten Montag ihrerseits die Verhandlungslinie vorschlagen, die dann noch von den 27 bleibenden Staaten gebilligt werden muss. Ende Februar oder Anfang März geht es dann wirklich an den Verhandlungstisch. Dort haben beide Seiten nach dem Austrittsantrag 2017 schon mehr als zwei Jahre um den Scheidungsvertrag gerungen, der nun praktisch unter Dach und Fach ist. Am Donnerstag sollten in Brüssel die EU-27 nur noch einmal formal zustimmen.

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Auf britischer Seite war schon der Weg zu diesem Austrittsabkommen enorm steinig. „Brexit bedeutet Brexit“, befand die frühere Premierministerin Theresa May. Doch was Brexit bedeuten sollte, wusste eigentlich niemand genau. Der Kampf um die Deutungshoheit wurde zu einem epischen Machtkampf zwischen den Staatsgewalten: Parlament gegen Regierung. Auch vor den Gerichten wurde der Streit ausgetragen. In erster Linie ging es darum, einen ungeregelten No-Deal-Brexit zu verhindern - doch auch der Deal der Premierministerin wurde immer wieder abgeschmettert. Am Ende musste May unverrichteter Dinge gehen. Nun aber kommt die Trennung nach fast 50 Jahren tatsächlich.

Zentraler Punkt im Austrittsvertrag ist eine Übergangsfrist bis zum Jahresende, in der sich im Alltag fast nichts ändert. Großbritannien bleibt in der Zeit im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Neben der Klärung der künftigen Beziehungen zur EU hat Johnson noch ganz andere Sorgen: Großbritannien ist zerrissen. In den Landesteilen Schottland, Wales und Nordirland wächst die Wut auf die Regierung und das Streben nach Unabhängigkeit.

Da das Land nach dem Referendum von 2016 gespalten sei, werde er den Brexit respektvoll mit einem kleinen Programm feiern, sagte Johnson. Nur eine Lightshow, Union-Jack-Fahnen und eine Rede des Premiers sollen den historischen Moment begleiten. Kein Feuerwerk, nicht einmal das Londoner Wahrzeichen, der Big Ben, soll läuten.

Doch ob er die Spaltung der Gesellschaft damit überwinden kann, ist zweifelhaft. Jüngsten Umfragen zufolge sind noch immer 53 Prozent der Briten für einen Verbleib in der EU und 47 Prozent für den Austritt.

Die EU verliert mit dem Brexit ihre zweitgrößte Wirtschaftsmacht und ihren viertgrößten Beitragszahler. Mit den Briten verabschiedet sich ein ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und eine schlagkräftiges Militär- und Nuklearmacht aus dem Kreis der EU-Staaten. In Brüssel überwiegt der Trennungsschmerz. Für Donnerstag waren auf dem Grand Place in Brüssel und im Europaviertel Abschiedsfeiern geplant.


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