Keine Trennung: Müllmenge in Hotel explodierte

Die Abfalltrennung ist in Tirol laut Landesrechnungshof noch ausbaufähig. Ein Hotelbetreiber ignoriert sie sogar, die Müllmenge stieg daraufhin von 98.100 auf 135.000 Kilo an.

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Die Müllgebühren in den Gemeinden klaffen weit auseinander. Der Landesrechnungshof regt deshalb nachvollziehbare Kalkulationen an.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – In einer aufwändigen Prüfung hat sich der Landesrechnungshof (LRH) jetzt mit der Abfallwirtschaft in den Gemeinden beschäftigt. Die Querschnittsanalyse umfasste Serfaus, Lermoos, Langkampfen, Fügen und Sillian. Die zentralen Verbesserungsvorschläge: Es benötigt nachvollziehbare Müllgebühren, mehr Mülltrennung und eine intensivere Zusammenarbeit der Gemeinden bei Recyclinghöfen und Wertstoffsammelzentren.

Wegen der unterschiedlichen Müllgebühren – in den Musterhaushalten betragen die niedrigsten Jahrestarife 245 Euro (Serfaus) und die höchsten 334 Euro (Lermoos) – empfiehlt der Landesrechnungshof die Festsetzung der Tarife auf Grundlage einer Gebührenkalkulation. „Diese Kalkulation sollte alle heranzuziehenden Kosten nachvollziehbar berücksichtigen.“ Nur eine der vier geprüften Gemeinden, nämlich Langkampfen, hat diese erstellt. Zugleich hält der LRH fest, dass die verschiedenen Tarife für die Behandlung des Restmülls zu unterschiedlichen Ausgabenbelastungen für die Gemeinden und in weiterer Folge zu Gebührenbelastungen für die Gemeindebevölkerung führen. „Aufgrund des Tarifsystems können die Gemeinden den Tarif allerdings nicht beeinflussen.“

Insgesamt fielen 2017 rund 391.055 Tonnen Siedlungsabfälle an, davon 101.000 Tonnen Restmüll. Ausbaufähig ist außerdem die Zusammenarbeit in der Abfallwirtschaft über die Gemeindegrenzen hinweg. Kooperationen bei Recyclinghöfen würden viele Vorteile bringen, merkt der Landesrechnungshof in seinem jetzt vorliegenden Bericht an.

Wenig schmeichelhaft fällt das Urteil zur Mülltrennung in Tirol aus: Mehrere abfallwirtschaftliche Studien wie die Tiroler Abfallanalyse zeigen laut Landesrechnungshof, dass eine große Menge an wiederverwertbaren Stoffen (z. B. Kunststoffe, Papier, Glas, Metalle, Bioabfälle, Lebensmittel) im Restmüll landet. Dies verursache unnötige Behandlungskosten und verhindere, dass aus den wertvollen Rohstoffen Erlöse lukriert werden.

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Ein Fallbeispiel versetzte sogar die Prüfer in basses Erstaunen. Bemerkenswert sind die großen Abfallmengen, die in einem großen Hotel in den Jahren 2016 bis 2018 von 98.123 auf 135.120 Kilogramm anstiegen. Dieses Ausmaß entsprach in etwa dem zehnfachen Wert eines Hotels in vergleichbarer Größe. Der Umweltberater der betroffenen Gemeinde führte die Steigerung u. a. darauf zurück, dass keine Abfalltrennung vor Ort erfolgt. Der Landesrechnungshof empfiehlt deshalb, die diesbezüglichen Strafbestimmungen im Tiroler Abfallwirtschaftsgesetz anzuwenden.


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