Rechnungshof kritisiert zu hohe Müllgebühren in Serfaus

Tarife in der Gemeinde Serfaus gingen über die gesetzlich festgelegte Kostendeckung hinaus. Experten sollen Anpassungen ausarbeiten.

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In Tiroler Tourismusorten wie Serfaus liegen die Abfallgebühren laut Analyse über dem Landesschnitt.
© Wenzel

Serfaus – Der Landesrechnungshof empfiehlt der Gemeinde Serfaus, die hohen Abfallgebührenforderungen zu reduzieren. Das ist im jüngsten Prüfbericht zur kommunalen Abfallwirtschaft nachzulesen. Fünf Tiroler Gemeinden hat der Rechnungshof analysiert, darunter auch das Plateaudorf.

Konkrete Zahlen zur Tarifhöhe bzw. zum Ausmaß der Gebührensenkung nennt der Rechnungshof jedoch nicht.

Die Abfallentsorgung kostet den Bürger in Serfaus 245 Euro jährlich – 89 Euro weniger als die teuerste unter den untersuchten Gemeinden. Doch der Landesrechnungshof stellte fest, „dass wir mit den Gebühren einen Überschuss erzielt haben“, bestätigte Bürgermeister Paul Greiter am Freitag auf TT-Anfrage. „Wir haben auch Gewinnentnahmen gemacht. Die Überschüsse beim Müll waren uns bewusst.“ In den Jahren 2016 bis 2018 lag die Gewinnentnahme jeweils bei 350.000 Euro. Zum Hintergrund, warum Überschüsse erzielt wurden, erläuterte Greiter: Mit der bisherigen Buchhaltung, der Kameralistik, seien die Aufwendungen in der Abfall­entsorgung nicht darstellbar. „Eine exakte Kostendarstellung war damit nicht möglich. Zum Beispiel konnte nirgends eine Abschreibung berücksichtigt werden.“

Mit der neuen Gemeindebuchhaltung werde sich vieles verbessern, so der Bürgermeister. „Die tatsächlichen Ein- und Ausgaben können jedenfalls abgebildet werden.“ Die bisherigen Einnahmen der Gemeinde mit den Müllgebühren hingen auch mit der positiven touristischen Entwicklung zusammen, sagte Greiter. Jedenfalls zeige der Prüfbericht Handlungsbedarf für die Gemeinde auf. „Es wird entsprechende Anpassungen geben. Wo wir zu hoch liegen, wird es eine Tarifsenkung geben. Grundlage der Adaptierungen sind gesetzliche Rahmenbedingungen bzw. Vorgaben und Richtlinien des Landes.“ Man werde sich die „veraltete Gebührenordnung“ mit Fachleuten anschauen und generell das Abfallmanagement auf den neuesten Stand bringe­n.

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Nicht nur die Gebühren, auch technische Einrichtungen und die Verwaltung haben sich die Prüfer angeschaut. Lob gab es etwa für die Service-Card, die den Zutritt zum Recyclinghof ermöglicht, sowie dafür, dass die Abfallbehälter mit einem Identifizierungs- und Verwiegesystem ausgestattet sind. Damit werde eine gerechte und einfachere Abrechnung sichergestellt. Dass die Gemeinde eine bargeldlose Zahlungsabwicklung bietet, hob der Rechnungshof als „verwaltungsvereinfachende“ Maßnahme hervor.

Die Zielrichtung für Serfaus fasste Greiter so zusammen: „Wir möchten neue Wege gehen und Akzente für eine Kreislaufwirtschaft mit Vorbildcharakter in Tourismusgemeinden setzen.“ (hwe)


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