Rijeka und Galway: An den Ufern Europas Kultur feiern

Die beiden Europäischen Kulturhauptstädte 2020, Rijeka und Galway, starten mit ihren Programmen.

Kunst an allen Ecken: Insgesamt drei interaktive Installationen begleiten Rijeka im Kulturhauptstadt-Jahr 2020.
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Rijeka, Galway – Die Europäischen Kulturhauptstädte sind in diesem Jahr zwei Orte mit Häfen: das irische Galway und das kroatische Rijeka. Zugleich sind es Städte, die durch einen gewaltigen Strukturwandel gegangen waren, als sie im 21. Jahrhundert ankamen: Galway war einst ein kleines Fischerdorf, Rijeka eine Industrie- und Werftenmetropole. An diesem Wochenende starten sie mit ihren Programmen.

Rijeka eröffnete sein Kulturhauptstadt-Jahr mit einer „Opera Industriale“ im Hafenareal. Mehr als 100 Mitwirkende erweckten mit Musikinstrumenten, Maschinen, Glocken und Chorgesängen den Sound der Industrie wieder.

Das weitere Programm gruppiert sich um die Themen Wasser, Arbeit und Migration. Im Mai spielen beim Auftritt der Rockband Compressorhead Roboter live die Instrumente. Der deutsche Musiker und Konzeptkünstler Heiner Goebbels präsentiert im Sommer im alten Schwimmbad von Rijeka seine Installation „The Anachronistic Bath House“. Außerdem gibt es Projekte, bei denen Bewohner der Hochhäuser oder die der Dörfer in der Kvarner Bucht involviert sind.

Mit 130.000 Einwohnern ist Rijeka die drittgrößte Stadt Kroatiens und die erste Stadt des Adrialandes, die Europäische Kulturhauptstadt ist. Die prachtvollen Bauten der Altstadt atmen italienisches und österreichisch-ungarisches Flair. Eine junge Szene von Kreativen und Start-up-Pionieren verleiht ihr eine Aura urbaner Offenheit und unbeschwerter Leichtigkeit. Zugleich lässt sich nicht leugnen: Die großen Umbrüche der letzten Jahrzehnte hatten ihren Preis. Jobs gingen verloren, Menschen zogen weg, die Zukunft wurde ungewiss.

Doch das Kulturhauptstadt-Jahr wird in Rijeka als große Chance empfunden. „Diese post-industrielle Stadt ohne klare Idee von sich selbst erfinden wir neu“, meint Ivan Sarar, Kulturdezernent und Leiter der Kulturhauptstadt-Agentur Rijeka 2020. „Mit den 2020-Projekten zeichnet sich ein Zukunftsbild ab.“

2000 Kilometer Luftlinie entfernt spielen Straßenmusiker Folklore, in den Pubs fließt das Guinness in Strömen: Kaum ein Ort ist irischer als die Europäische Kulturhauptstadt Galway. Sie gilt als Hochburg der traditionellen Musik des Landes, hat eine beachtliche Kunstszene und ist vor allem bei Studenten beliebt. Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt ziehen viele Menschen an; das Fischerdorf hat sich zu einer pulsierenden Stadt mit 80.000 Einwohnern gemausert.

Als Kulturhauptstadt widmet sich Galway in 2000 Veranstaltungen drei Schwerpunkten: Sprache, Landschaft und Migration. So werden Auszüge aus Homers Odyssee an Stränden vorgetragen, und am St. Patrick’s Day am 17. März erstrahlen die Connemara-Berge in Grün. Es gibt sogar Workshops über Schafwolle („Project Baa Baa“). Und der Brexit hallt in Galway nach: Nur 160 Kilometer trennen Galway von der nordirischen Grenze. Geplant ist die Installation „Borderline“ (Grenzlinie) mit Beteiligten beider Länder.

Zweimal schon stellte Irland die Kulturhauptstadt Europas: 1991 war es Dublin und 2005 dann Cork. Kreativdirektorin Helen Marriage sagte für das Eröffnungswochenende Regen voraus, wie an 240 Tagen im Jahr. „Aber es wird ein großartiger Spaß.“ (APA, TT)


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