Autobahn-Vollanschluss Mils wird auf Realisierbarkeit geprüft

Auf Wunsch von Land und Planungsverband sollen Verkehrministerium und Asfinag nun beurteilen, ob ein neuer Autobahnanschluss machbar ist.

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Massiver Durchzugsverkehr Richtung Autobahn samt Staus – in Hall ist das ein alltägliches Bild.
© Domanig

Von Michael Domanig

Hall, Mils – Das Vorhaben einer großen Verkehrslösung im Raum Hall – die eine Entlastung von Durchzugsverkehr und Stau bringen soll – tritt in eine entscheidende Phase: Der Planungsverband (PV) Hall und Umgebung hat sich bei seinem jüngsten Treffen dazu bekannt, dass nun vordringlich die Variante eines neuen Autobahn-Vollanschlusses auf Höhe des Milser Gewerbeparks auf Umsetzbarkeit geprüft werden soll. Dieser Lösungsvorschlag war – neben Optimierungen im Bestandsnetz – bei zwei Infoabenden mit reger Bürgerbeteiligung von der Bevölkerung favorisiert worden.

Der Planungsverband habe nun das Land ersucht, diese Variante „so rasch wie möglich aufzubereiten“, sodass geklärt werden könne, „ob sie genehmigungsfähig und realisierbar ist“, bestätigt PV-Obfrau BM Eva Posch (ÖVP) aus Hall. Sie sei dazu bei Straßenbaureferent LHStv. Josef Geisler (ÖVP) vorstellig geworden.

„Land und Planungsverband gehen diesen Schritt gemeinsam“, betont Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Tirol, der klarstellt: „Das Land ist bei einem Autobahnanschluss nicht das Prüforgan.“ Die Beurteilung liege vielmehr beim Verkehrsministerium und der Asfinag. Derzeit seien die externen Verkehrsplaner, die den Prozess begleitet haben, dabei, die Unterlagen zu finalisieren. Dann werde man bei Ministerium und Asfinag „die Genehmigungsfähigkeit abfragen“.

Im Rahmen dieses Beurteilungsprozesses würden von diesen Stellen auch andere Varianten angeschaut, ergänzt Molzer. Wie lange so eine Beurteilung dauern kann, sei nicht abschätzbar. Wie berichtet, wäre für einen Autobahnvollanschluss Mils u. a. eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich.

Das Land und der Planungsverband Hall gehen diesen Schritt gemeinsam.
Christian Molzer (Abt. Verkehr und Straße)

Die SPÖ Hall sprach sich gestern bei einer Pressekonferenz klar für einen Vollanschluss Mils aus. Die zweite Variante, die von Planern und Politik in die engere Auswahl genommen wurde – eine „lange Südumfahrung“ von Hall in Form einer Verbindungsstraße von der B171/Tiroler Straße über den Inn zur L9 und von dort weiter zum bestehenden Autobahnknoten Hall Mitte –, kommt für die Sozialdemokraten nicht in Frage. Der Flächenverbrauch sei viel höher und die Brücke würde unmittelbar neben dem Haller Naherholungsgebiet Guggerinsel entstehen, erklärten StR Gerhard Mimm und GR Angelika Sachers. Zudem sei die geologische (Hang-)Lage südlich des Inns, wo eine neue Verbindungsstraße errichtet werden müsste, sehr sensibel und labil. Generell ähnle der Plan stark der 2015 in Mils abgelehnten „Spange Ost“ und habe auch bei den Infoabenden kaum Zustimmung erhalten. „Eine Umsetzung wäre für die Mehrheit der Bevölkerung ein Schlag ins Gesicht“, bilanziert Mimm.

Die Variante im Osten von Mils sei hingegen von der Guggerinsel abgerückt, könne auf eine gewisse Akzeptanz in der Bevölkerung bauen und würde „eine spürbare Entlastung“ an der Ost-West-Achse bringen. Knackpunkt sei die Planungsdauer, die von den Experten mit zehn bis 15 Jahren beziffert wird. „Das muss schneller gehen“, ist Mimm überzeugt, „das versteht in der Bevölkerung niemand.“ Wichtig wäre aus seiner Sicht, dass der Planungsverband geschlossen auftritt, um vor allem Bund und Asfinag „auf die Sprünge zu helfen“.

Für die Nord-Süd-Achse von Absam nach Hall, auf der es sich in Stoßzeiten ebenfalls täglich staut, bedürfe es dann weiterer Lenkungsmaßnahmen, so die SPÖ. Wenn ein Vollanschluss Mils komme, solle man andenken, den bestehenden Autobahnknoten Hall Mitte zu schließen. Der längere Weg zur Autobahn würde für die Haller durch weniger Verkehr, Lärm und Schadstoffe rund um den Unteren Stadtplatz kompensiert, meint Mimm.

Um die Verkehrsbelastung insgesamt zu senken, könnte sich die SPÖ Gratis-Öffis für die Haller Bevölkerung vorstellen, in einem weiteren Schritt auch für die Nachbargemeinden. Zudem seien Planungen für einen S-Bahn-Halt in Mils zu forcieren.

„Mils Mobil“, eine „Plattform zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität“, fordert generell eine Konzentration auf die von der Bevölkerung am stärksten eingeforderte Variante „Optimierung im Bestandsnetz“ bei gleichzeitigem Öffi-Ausbau „über die Regiobusse hinaus“: Kurzfristig brauche es eine Bevorrangung von Öffis auf der B171 durch Busspuren und Ampelschaltungen, mittelfristig einen neuen S-Bahn-Halt und eventuell einen Ausbau der Regionalbahn bis Wattens.


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