Verein „Hand in Hand": Junge Erwachsene in die Selbstständigkeit begleiten

Seit 21 Jahren besteht der Verein „Hand in Hand" für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Herausforderungen gibt es ein Leben lang.

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Der Verein lädt regelmäßig zu offenen Familientreffen, bei denen es um gegenseitigen Austausch und Spiel geht.
© Verein Hand in Hand

Von Christoph Blassnig

Lienz – Für die Zeit des Kindergartens und später der Schule sieht Pia Schlichenmaier, Obfrau von Hand in Hand – Osttiroler Verein für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, inzwischen gute Angebote im Bezirk. „Es gibt ausreichend Unterstützung und Therapien, um unser­e Kinder zu fördern.“ Umso schwieriger wird es nach der Schule für die jungen Frauen und Männer, einen Ausbildungsplatz, eine dauerhafte Arbeitsstelle oder passenden Wohnraum zu finden. Seit 21 Jahren besteht der Verein.

„Dieses Thema beschäftigt uns schon einige Jahr­e und wahrscheinlich auch noch länger“, bedauert die Obfrau. Das Land sei dabei, neue gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. „Wie man uns berichtet, sind die zuständigen Stellen noch mit Bedarfserhebungen beschäftigt. Dann soll ein Strukturplan die notwendigen Anpassungen in Tirol bringen.“ Das alles braucht Zeit. Zeit, die Jugendliche mit Teilleistungsstörungen, Entwicklungsvariationen und verschiedenen Behinderungen viel Motivatio­n und Selbstvertrauen kosten kann. Gerade in jenem Alter, in dem sie sich von ihrem Elternhaus lösen und, soweit möglich, auf eigenen Beinen stehen möchten.

Angebote wie das Sprungbrett im Glöcklturm, das Aufbauwerk in Lengberg, das NEBA-Job Coaching, die Arbeitsorientierung der Lebenshilfe oder die arbas Arbeits­assistenz seien hilfreich, aber immer nur zeitlich begrenzt. Beim Wohnen gibt es mit der Lebenshilfe und der Diakonie de La Tour zwei Einrichtungen, die Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag begleiten – allerdings nur stundenweise. Die höchste Belegung pro Wohneinheit liegt bisher bei zwei Personen. „Wir haben eine Einrichtung in Kärnten besucht, wo zwei Vierer-Wohngemeinschaften gemeinsam betreut werden“, berichtet Schlichenmaier. Die Bewohner waren auch völlig unterschiedlich in ihren Möglichkeiten, bis hin zur höchsten Pflegestufe sieben. Es gibt dort einen Nachtdienst, und zusätzlich eine weitere Kraft in Rufbereitschaft. „So etwas wünschen wir uns auch.“

Vereinsmitglieder bieten Workshops in Schulen an.
© Verein Hand in Hand

Die immer breitere Inklusion gebe den Mitgliedern Hoffnung für die Zukunft, sagt Schlichenmaier. „Alle, die schon im Kindesalter mit behinderten Altersgenossen zu tun haben, pflegen ihr Leben lang einen verständnisvollen, respektvollen und wertschätzenden Umgang ohne Berührungsängste.“ Seit einigen Jahren besuchen Vereinsmitglieder auch Schulen. Was Einschränkungen konkret bedeuten, lernen die Schüler, indem sie mit Handschuhen hinter ihrem Rücken eine Schürze binden, Steckperlen setzen oder spiegelverkehrt malen.

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Heute lädt Hand in Hand von 9 bis 12 Uhr zu einem offenen Familientreffen in das Eltern-Kind-Zentrum Lienz. Informationen zum Verein erhält man telefonisch unter 0676/3312364 oder auf www.hih-osttirol.at.


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